Caesarea Maritima

Definition

Patrick Scott Smith, M. A.
von , übersetzt von Marina Wrackmeyer
Veröffentlicht am 17 Oktober 2023
In anderen Sprachen verfügbar: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
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Promontory Palace of Herod the Great, Caesarea (by Carole Raddato, CC BY-NC-SA)
Palast des Herodes auf der Landzunge Caesareas
Carole Raddato (CC BY-NC-SA)

Caesarea Maritima war eine Stadt, die vor über 2.000 Jahren (ca. 22–10 v. Chr.) an der Küste des östlichen Mittelmeers errichtet wurde. Mit römischer Ingenieurskunst und Freigebigkeit vollbrachte Herodes der Große (reg. 37–4 v. Chr.) dieses Kunststück, indem er eine ganze Metropole mit einem kolossalen Hafen errichtete, der Caesarea zur maritimen Handelsoase seiner Zeit machen sollte.

Frühe Geschichte

Die Stadt wurde Augustus (reg. 27 v. Chr. – 14 n. Chr.) gewidmet. Das Gebiet, auf dem Herodes bauen wollte, war zunächst ein Siedlungsgebiet des phönizischen Stadtstaates Sidon. Sidon war auf Glasprodukte und bestickte Kleidungsstücke spezialisiert und berühmt für seinen purpurfarbenen Stoff. Möglicherweise erkannte man in Sidon das Potenzial des Ortes für den Handel mit dem Osten und den größeren Mittelmeerländern. Vermutlich wurde der Ort nach König Straton I. (reg. 365–352 v. Chr.) von Sidon benannt und war als Turris Stratonis („Stratons Turm“) bekannt. Nördlich von Ägypten und in gleicher Entfernung zwischen Gaza und Sidon (120 km in beide Richtungen) gelegen, befand er sich inmitten von Schifffahrts- und Handelsrouten.

In der Blütezeit beherbergte Caesarea schätzungsweise eine Viertelmillion Einwohner.

Von dem beschreibenden Namen, den Flavius Josephus (36–100 n. Chr.) und andere antike Schriftsteller der Stadt gaben, ist nicht bekannt, ob Stratons „Turm“ einen Leuchtturm, ein Lagerhaus oder vielleicht ein Getreidesilo bezeichnete, da Sidon Rohwaren verschiffte und Turris Stratonis auf der „seit langem bestehenden phönizisch-ägyptischen Handelsstraße“ lag (Bull, 26). Interessanterweise haben kürzlich in Ägypten gefundene Silos, die auf etwa 1600 v. Chr. datiert werden, einen Durchmesser von bis zu 6,5 Metern, was auf eine beachtliche Höhe schließen lässt. Unabhängig davon jedoch war Turris Stratonis als Handelsdorf bekannt, und Strabo (ca. 63 v. Chr. – 24 n. Chr.) berichtet auch, dass der Ort einen eigenen „Anlegepunkt für Schiffe“ hatte (16.2.27).

Einst hatte Sidon das persische Reich mit Schiffen und Waren beliefert, doch mit der Niederlage Persiens gegen Alexander den Großen im Jahr 332 v. Chr. nahte der sichere Tiefpunkt. Bald nach Alexanders Tod begann einer seiner Generäle, Seleukos I. Nikator (reg. 305–281 v. Chr.), mit der Übernahme ehemaliger Gebiete des Achämenidenreiches durch die griechischen Seleukiden, darunter auch Phönizien. Heute haben Ausgräber in den Ruinen von Caesarea hellenistische Keramik und Münzen gefunden, die aus den letzten zwei Jahrhunderten v. Chr. stammen. Darüber hinaus wurden Beweise für eine vorherodianische Befestigung gefunden, die mit einer hellenistischen Präsenz in Verbindung gebracht wird und aus demselben Zeitraum stammt. Diese Funde deuten auf eine relativ kurze Anwesenheit des Seleukidenreichs in Turris Stratonis hin. Das Gebiet wurde dann 103 v. Chr. vom Hasmonäerkönig Alexander Jannäus erobert. Während der späten römischen Republik wurde es von Pompejus dem Großen (106–48 v. Chr.) der Provinz Syrien angegliedert und 30 v. Chr. von Octavian an Herodes übergeben.

Die Stadt des Herodes

Nach der Einweihung und Widmung an Augustus durch Herodes im Jahr 13/12 v. Chr. wurde Caesarea auf den Ruinen der Gegend erbaut und entwickelte sich zu einer kosmopolitischen Stadt, in der Juden, Christen, Samariter, Griechen und Syrer in ihren eigenen Vierteln lebten. Innerhalb ihrer ursprünglichen Mauern umfasste die Stadt 164 Hektar, aber während der Pax Romana – als römische Legionen an den Grenzen des Römischen Reiches eine Schutzmauer überflüssig machten – dehnte sich die Stadt weit über die ursprüngliche herodianische Mauer hinaus aus. Mit einer Ausdehnung von 8 km Länge und über 3 km ins Landesinnere beherbergte Caesarea in seiner Blütezeit schätzungsweise eine Viertelmillion Einwohner.

Während wir uns das Wachstum einer Stadt normalerweise als schrittweise Expansion und Entwicklung vorstellen, ist es bemerkenswert, dass die Infrastruktur von Caesarea Maritima sogleich nach Bau bewohnbar war. Doch wie bei allen monumentalen Bauprojekten des Herodes wurden auch beim Ausbau von Caesarea keine Kosten gescheut. Flavius Josephus (36–100 n. Chr.), ein zuverlässiger Geschichtsschreiber und Augenzeuge, beschreibt die Pracht der Stadt und erzählt, dass Gebäude aus „weißem Stein“ gebaut und die Stadt „mit mehreren prächtigen Palästen geschmückt“ (Jüdischer Krieg, 1.21.5-6; Jüdische Altertümer 15.9.6) wurde. Die Residenz des Herodes war vielleicht die prächtigste von allen. Moderne Ausgräber bezeichneten sie als den Promontory Palace, weil der Palast auf einem Vorsprung über dem Meer lag. Im unteren Bereich befand sich ein großer Innenhof mit einem ebenso großen Teich.

Promontory Palace of Herod the Great
Palast des Herodes auf der Landzunge
Carole Raddato (CC BY-NC-SA)

Zu den Bauten, die das Bild der städtischen Silhouette prägten, gehörten auch ein Hippodrom für Wagenrennen, ein Amphitheater für Sportveranstaltungen wie Boxen und Ringen und ein kleineres Theater für die Künste, welches noch heute genutzt wird. Eines der sichtbarsten Bauwerke dürfte jedoch der Tempel gewesen sein. Zwischen der Stadt und dem Hafen des Herodes ragte der Tempel mit seinen verzierten korinthischen Säulen fast 30 m in die Höhe. Da der Tempel an das Verkehrsnetz der Stadt grenzte, war der Cardo Maximus die Hauptdurchgangsstraße. Im Vergleich zu einer 12 m breiten modernen Autobahn war der Cardo Maximus 16 m breit. Er war fast 1,5 km lang, von Mosaiken und eindrucksvollen 700 Säulen gesäumt, sicherlich vom korinthischen Typ. Am Fuße des Tempels, der die Stadt versorgte, befand sich der kolossale Hafen.

Der Hafen

Da der Handel zwischen den Anrainerstaaten des Mittelmeeres größtenteils über den Seeweg abgewickelt wurde, war der Hafen von Caesarea ein wesentlicher Bestandteil der Stadt. Die Stadt war zwar auf den Handel mit der römischen Welt ausgerichtet, diente aber auch den militärischen Belangen Roms. Folglich wurde der künstliche Hafen mangels einer natürlichen Bucht oder Landzunge, auf der man hätte bauen können, wie eine Festung auf See gebaut. Gestützt auf einen Überbau aus Türmen und Zinnen, der aus bis zu 50 Tonnen schweren Blöcken bestand, umschlossen die kreisförmig angelegten Wellenbrecher eine Wasserfläche von fast 40 Hektar. Im Vergleich dazu umfasste der mittelgroße Hafen von Leptis Magna, den der römische Kaiser Septimius Severus (reg. 193–211 n. Chr.) Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. ausbauen ließ, 25 Hektar. Der Hafen des Herodes scheint also mit Sicherheit für den Empfang von Massengütern gebaut worden zu sein. Schiffe aller Art und Größe befuhren den Hafen: von Kriegsschiffen, die in der römischen Seekriegsführung eingesetzt wurden, über riesige Getreideschiffe und größere Stein- und Weintransporter bis hin zu kleineren Handelsgaleeren.

Herod's Harbor (Inner Harbor Layout)
Hafen des Herodes (Aufbau des inneren Hafens)
Carolyn Miller (Copyright)

Der Leuchtturm war bei Tag und bei Nacht der zentrale Bezugspunkt für Seefahrer. Bei der Einfahrt in den Hafen bargen die Schiffe ihre Segel und stützten sich bei der Navigation auf die Ruder. Je nach Wind- und Wellengang wurden die Schiffe manchmal mit Hilfe von Seilen und Schleppern durch die Einfahrt gezogen. Ein Hafenlotse sorgte dafür, dass die Schiffe an ihren richtigen Liegeplatz kamen, bei Bedarf geschleppt und dann ordnungsgemäß am Kai festgemacht wurden. Für das Be- und Entladen an den Kais waren Arbeiter, Fuhrwerke und Kräne erforderlich. Ein Hafenmeister überwachte alle Aktivitäten, einschließlich des Eincheckens der Schiffe, und nachdem die Schiffe beladen und bereit zum Auslaufen waren, genehmigte er das Auschecken. Er war auch für die Einziehung der wichtigen Hafengebühren und Zölle zuständig. Die Überwachung der Buchführung, die einen Vergleich zwischen den Handelsgeschäften in der Stadt und den Warenströmen im Hafen vorsah, war ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Handel

Die lukrativen nördlichen Seidenstraßen durch Mesopotamien wurden von Roms schärfstem Konkurrenten kontrolliert: Parthien. Caesarea hatte also die Aufgabe, das östliche Handelsnetz des antiken Roms, das die südlichen Ost-West-Landrouten durch Arabien und die Seewege über das Rote Meer umfasste, zu kontrollieren und so den östlichen Mittelmeerhandel im Allgemeinen zu monopolisieren.

Die Lage des nördlich von Alexandria und südlich von Tyros gelegenen Stadt- und Hafenkomplexes im Verhältnis zu den Schiffs- und Handelsströmen deutet auf einen gezielten Plan zur Erzielung von Einnahmen hin. Der beträchtliche Strom östlicher Waren, die nach Westen zur östlichen Mittelmeerküste transportiert wurden, und die allgemeine Bewegung des Schiffsverkehrs im Mittelmeer gegen den Uhrzeigersinn machten den Hafen zu einem Tor zum Westen. Waren aus Indien und Indonesien wurden nach Westen und dann über das Arabische und das Rote Meer nach Nordwesten transportiert. Waren aus Ägypten und Afrika wurden an der östlichen Mittelmeerküste nach Norden zur Verteilung transportiert, und von dort aus dann im gesamten Mittelmeerraum nach Westen. Da der Hafen auf dem Weg für sowohl leere als auch beladene Schiffe lag, die das Mittelmeer umrundeten, und für beladene Schiffe, die von Alexandria aus an der Küste nach Norden fuhren, stand der Hafen- und Stadtkomplex auch in Handelskontakt mit Gaza, das Waren aus Afrika, Arabien, Indien und Indonesien erhielt, von denen Pfeffer und Weihrauch die lukrativsten gewesen sein dürften.

Ancient Ruins of the Harbor at Caesarea Maritima
Antike Ruinen des Hafens von Caesarea Maritima
Ron Gafni (CC BY-SA)

In Bezug auf Gaza ist es wichtig zu wissen, dass Trajan (reg. 98–107 n. Chr.) zwar Petra im Jahr 106 n. Chr. einnahm, Augustus Gaza jedoch 136 Jahre zuvor an Herodes übergeben hatte. Caesarea besaß also nicht nur die Märkte von Gaza und arbeitete mit Alexandria zusammen, sondern konnte durch seine Lage auf dem Weg nach Gaza auch die Handelsströme von Petra abfangen. Weihrauch wurde nämlich von Petra über Land nach Gaza transportiert. Durch den Besitz von Gaza mit seinen vielfältigen Märkten war Caesarea in der Lage, nicht nur den Seehandel, sondern auch den Überlandhandel mit Verbraucherstädten im Landesinneren wie Bosra, Samaria und Jerusalem zu beherrschen.

Zu einer Reihe von Handelsszenarien gehörte auch der Transport von Baumaterialien, Waffen und Militärpersonal in diese und andere Städte am östlichen Ende des Mittelmeeres, als das Reich expandierte. Konkrete Einnahmequellen für Caesarea waren Hafen- und Zollgebühren, Einnahmen aus der Kontrolle von und dem Handel mit Bergbauunternehmen, Gebühren für Frachtschiffe, der eigene An- und Verkauf von Massengütern und veredelten Waren, die Wiederaufbereitung von Waren aus dem Osten und Norden sowie Einsparungen durch den Besitz einer eigenen Frachtschiffflotte. Was den Bergbau und die Herstellung bzw. den Import der wichtigen Legierung Bronze betrifft, fasst Robert Bull zusammen:

Im Jahr 6 n. Chr. machten die Römer Caesarea zum Sitz der Provinzverwaltung. Römische Prokuratoren, die in Caesarea residierten, hatten die Aufgabe, Steuern einzutreiben, die zivilen Angelegenheiten zu überwachen und aus der örtlichen Bevölkerung Personal für den Dienst als Hilfslegionäre zu rekrutieren. Die Truppen wurden mit Bronzemünzen bezahlt, die in einer von Rom zugelassenen Münzanstalt in Caesarea geprägt wurden. Die Münzen wurden auch als Tauschmittel in der sich rasch entwickelnden Wirtschaft der Region verwendet. (27)

Hauptstadt der Provinz

Im Jahr 6 n. Chr. wurde Herodes' Palast nach dessen Tod „zur offiziellen Residenz des römischen Statthalters, sein Königreich wurde eine römische Provinz mit Caesarea als Haupthafen und Verwaltungshauptstadt“ (Burrell, 56). Als der große jüdische Aufstand von 66 n. Chr. von römischen Soldaten, die in Caesarea stationiert waren, niedergeschlagen wurde, erhob Vespasian die Stadt in den Rang einer römischen Kolonie. Später, als der zweite jüdische Aufstand, auch bekannt als Bar-Kochba-Aufstand (132–136 n. Chr.), mit der Zerstörung Jerusalems endete, wurde der Provinzgouverneur von Judäa in den Rang eines Senators erhoben, und Caesarea wurde die Hauptstadt der römischen Provinz Syria Palaestina. Die fortgesetzte römische Präsenz zeigt sich in einem kürzlich gemachten Fund im Palast des Herodes: „zwei säulenförmige Sockel mit Inschriften zu Ehren von vier römischen Prokuratoren, die aus dem 2. bis frühen 4. Jahrhundert n. Chr. stammen“ (57).

Im frühen 3. Jahrhundert entstand eine bedeutende christliche Präsenz, die sich in der Einrichtung einer großen Bibliothek widerspiegelte.

Als Teil der frühchristlichen Sekte von Caesarea ließ sich dem Neuen Testament zufolge der Evangelist Philippus dort nieder, Petrus predigte dort, und der Apostel Paulus wurde dort vor seinem Prozess in Rom gefangen gehalten. Danach ist nur wenig über das frühe Christentum in Caesarea bekannt, bis es im frühen 3. Jahrhundert eine bedeutende Präsenz zeigte, die sich in der Einrichtung einer großen Bibliothek mit 30.000 Bänden durch den Theologen Origenes (ca. 185–253 n. Chr.) widerspiegelte. Der Kirchenhistoriker Eusebius (gest. 339) nutzte diese Bibliothek und überwachte den Antrag Konstantins I. (reg. 306–337) auf 50 Exemplare der Bibel im Skriptorium von Caesarea.

Obwohl die Juden in Caesarea dezimiert worden waren, erlebten sie etwa zur gleichen Zeit mit der Gründung einer Schule für das Studium des Judentums durch den 250 n. Chr. verstorbenen Rabbi Hoshaja einen kulturellen Aufschwung. Diese Schule brachte mehrere hervorragende Lehrer hervor, darunter Rabbi Abbahu. Die jüdische Präsenz und das Wiederaufleben in Caesarea wird auch am Bau einer Synagoge aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. deutlich. Sie wurde an der Stelle einer Haussynagoge aus der herodianischen Zeit errichtet und bis Mitte des 4. Jahrhunderts genutzt. In der Mitte des 5. Jahrhunderts wurde auf den Ruinen eine neue Synagoge errichtet.

Mithraeum, Caesarea Maritima
Mithräum, Caesarea Maritima
Carole Raddato (CC BY-NC-SA)

Ein weiterer Beweis für die religiöse Vielfalt in Caesarea war die überraschende Entdeckung des einzigen Mithräums in Israel. Die Entdeckung begann mit der Ausgrabung eines römischen Gebäudes aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., des so genannten Ehrenportikus. Die Ausgrabungsstätte enthielt Inschriften zu Ehren bedeutender Militärs auf kurzen Säulen, auf denen damals vermutlich deren Abbilder als Statuen standen. Weitere Ausgrabungen ergaben jedoch, dass das Gebäude auf einem darunter liegenden Mithräum stand und von diesem aus zugänglich war. Der Mithraismus, der sich ausschließlich auf Mithra, einen in der altindischen und persischen Literatur dargestellten Erlöser und Gott des Lichts und der Wahrheit, konzentrierte, wurde auch in der römischen Armee populär und war ein Geheimbund nur für Männer, der strenge Initiationsriten erforderte. Die Römer hatten eines der unterirdischen Lagergewölbe des Herodes in einen Raum für die Ausübung der Riten des Kultes umgewandelt und mit einem Altar, Bänken und Fresken mit Darstellungen aus dem Leben Mithras ausgestattet.

Spätere Geschichte

Während die literarischen Überlieferungen über Caesarea Maritima sich nach dem 4. Jahrhundert in Schweigen hüllen, gibt es materielle Beweise für die byzantinische Präsenz in Form einer byzantinischen Festungsmauer, die länger ist als die ursprüngliche herodianische Mauer. Die Tatsache, dass diese Mauer zumindest teilweise die erweiterte Vorstadt von Caesarea schützte, deutet auf eine Fortsetzung der städtischen Aktivitäten hin. Die gemeinsame Expedition nach Caesarea (Joint Expedition to Caesarea Maritima) fand ein byzantinisches Bauwerk, von dem man annimmt, dass es Teil eines größeren städtischen Komplexes war. Entlang des ursprünglichen Cardo Maximus befand sich ein Gebäude, das als Archivgebäude bezeichnet wird. Da Mosaik ein besonders beliebtes Medium der byzantinischen Kunst war, wurden neben Mosaikböden aus der byzantinischen Zeit auch Mosaikinschriften gefunden, die Verse aus dem Neuen Testament zitieren.

Byzantine Governor's Palace, Caesarea Maritima
Palast eines byzantinischen Gouverneurs, Caesarea Maritima
Carole Raddato (CC BY-NC-SA)

Während die Perser des Sassanidenreiches die Stadt 614 n. Chr. eroberten und der byzantinische Kaiser Herakleios sie 627/628 n. Chr. zurückeroberte, was den Niedergang Caesareas als erfolgreiche Gemeinde und Handelsunternehmen widerspiegelt, glaubt Bull, dass das Archivgebäude 639/640 n. Chr. im Zuge der islamischen Eroberung des gesamten Nahen Ostens und Nordafrikas zerstört wurde. Damit wurde die Stadt vom Westen abgeschnitten, und ihr Handelsnetzwerk war zerstört und der Hafen nicht mehr funktional. Die letzten Ruinen der einst prächtigen Metropole wurden zu einem Steinbruch, in dem Bauern Statuen und Marmor verbrannten, um Kalk zu gewinnen, und Stein- und Marmorblöcke für den Bau anderer Städte abtransportiert wurden.

Nach der Zerstörung im 7. Jahrhundert spielte Caesarea zwar nie wieder eine wichtige Rolle im größeren Netzwerk des Mittelmeerhandels, erlebte aber einen Wechsel von Wiederaufbau und Zerstörung. In den Jahrhunderten vor den Kreuzzügen begann der Ort unter arabischer Herrschaft einen langsamen Aufschwung von einem Bauerndistrikt unter den rechtgeleiteten Kalifen zu einer muslimischen Hochburg, die ein lebendiges Gebiet schützte. Nāsir-i Chusrau, der persische Dichter und Reisende, beschrieb 1047 n. Chr. in seinem Reisetagebuch (Safarnāmeh) einen Ort mit üppigen Gärten und Brunnen. Auch Wilhelm von Tyrus (1130–1186) erwähnte die Einnahme der Festung durch die Kreuzfahrer. Obwohl sie im Vergleich zu den ursprünglichen herodianischen und byzantinischen Befestigungen sehr klein war, bauten die Kreuzfahrer ihre eigene befestigte Anlage neben dem verkleinerten Hafen und besetzten sie im Kampf gegen muslimische Truppen von 1101 bis 1187 und erneut von 1191 bis 1265. So merkt Bull an:

Während die Ruinen der Kreuzfahrer Strukturen aus der Frühzeit der Kreuzzüge enthalten, stammen die heute sichtbaren Überreste – der Graben, der Steilhang, die Zitadelle und die Mauern mit etwa sechzehn Türmen – aus dem Jahr 1251, als König Ludwig IX. von Frankreich ein ganzes Jahr mit der Wiederherstellung der Festungsanlagen verbrachte. (33)

Nach der Rückeroberung der Kreuzfahrerfestung und Zerstörung der Präsenz der Kreuzfahrer durch die Mamluken im Jahr 1265 wurde das Gebiet vermutlich unbewohnt, bis es Mitte des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts durch das Osmanische Reich wieder spärlich besiedelt wurde.

In der Neuzeit, im Jahr 1884, gründeten muslimische Flüchtlinge, die vor der österreichisch-ungarischen Besetzung Bosniens flohen, eine kleine Kolonie auf den Überresten der Kreuzfahrerstadt. Ihre Moschee ist noch heute innerhalb der Kreuzfahrermauern zu sehen. Das Dorf verblieb im 20. Jahrhundert mit einer Mischung aus hauptsächlich muslimischen und einigen christlichen Bewohnern, bis die Gemeinde Caesarea nach dem arabisch-israelischen Konflikt von 1948 etwa zwei Kilometer nördlich der alten Ruinen verlegt wurde.

Heute ist der Caesarea Nationalpark am ursprünglichen Standort am Meer, wo die archäologischen Untersuchungen noch immer andauern, ein bedeutendes Touristenziel für Israel. Der Nationalpark wurde 2011 gegründet und steht auf der Liste der Welterbekandidaten. Im Jahr 2022 besuchten 670.000 Menschen den Park, der mit laufenden Restaurierungsarbeiten und einer Vielfalt an archäologischen und historischen Exponaten an die bewegte Geschichte Caesareas erinnert.

Fragen und Antworten

Wofür ist Caesarea Maritima bekannt?

Caesarea Maritima war in der Antike ein wichtiges Handelszentrum und bekannt für seinen kolossalen, von Herodes erbauten Hafen. Nach dem zweiten jüdischen Aufstand, auch bekannt als Bar-Kochba-Aufstand (132–136 n. Chr.), wurde Caesarea die Hauptstadt der römischen Provinz Syria Palaestina. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts wurde die Stadt zu einem wichtigen Zentrum des Christentums.

Wo liegt Caesarea Maritima heute?

Caesarea Maritima liegt im heutigen Israel. Nach dem arabisch-israelischen Konflikt von 1948 wurde die Gemeinde Caesarea etwa 2 km nördlich der alten Ruinen verlegt, und heute ist die ursprüngliche Stätte am Meer, der Caesarea Nationalpark, ein beliebtes Touristenziel.

Literaturverzeichnis

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Übersetzer

Marina Wrackmeyer
Marina arbeitet hauptberuflich im KEP-Innendienst und nebenbei an der Herausgabe der WHE auf Deutsch. Sie liest und lernt gerne und ist besonders an Sprachen und Geschichte interessiert.

Autor

Patrick Scott Smith, M. A.
Mit Präsentation seiner Forschung für die American Society of Overseas Research und die Missouri Academy of Science sowie als Autor der Association for the Scientific Study of Religion gewann Patrick Smith 2015 und 2024 den Frank Forwood Award for Excellence in Research.

Dieses Werk Zitieren

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A., P. S. S. M. (2023, Oktober 17). Caesarea Maritima [Caesarea Maritima]. (M. Wrackmeyer, Übersetzer). World History Encyclopedia. Abgerufen auf https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22187/caesarea-maritima/

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A., Patrick Scott Smith, M.. "Caesarea Maritima." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. Letzte Oktober 17, 2023. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22187/caesarea-maritima/.

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A., Patrick Scott Smith, M.. "Caesarea Maritima." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. World History Encyclopedia, 17 Okt 2023. Internet. 12 Jun 2024.