Die allgemeine Meinung über das Leben im alten Ägypten ist oft, dass es sich um eine Zivilisation handelte, die vom Tod besessen war, wo mächtigste Pharaonen ihre Untertanen zwangen, am Bau von Pyramiden und Tempeln zu arbeiten, und Juden über einen nicht näher bezeichneten Zeitraum zu diesem Zweck versklavten.
In Wirklichkeit liebten die alten Ägypter das Leben, unabhängig von sozialen Schichten, und die Pharaonen profitierten von Sklavenarbeit, wie es jede andere antike Kultur getan hat, ohne Rücksicht auf ethnische Zugehörigkeiten. Die alten Ägypter empfanden eine bekannte Verachtung für alle Nicht-Ägypter, aber das ergab sich einfach nur aus ihrer Überzeugung, das bestmögliche Leben in der bestmöglichen Welt zu führen.
Im alten Ägypten wurde das Leben so perfekt geschätzt, dass man sich das ägyptische Jenseits als ewige Fortsetzung des Erdenlebens vorstellte. Sklaven waren entweder Kriminelle, Menschen, die ihre Schulden nicht begleichen konnten, oder ausländliche Kriegsgefangene. Es wurde angenommen, dass diese Personen durch persönliche Entscheidung oder durch militärische Eroberungen ihre Freiheit verloren hatten und dass sie daher verpflichtet waren, eine Lebensqualität zu ertragen, die wesentlich niedriger als die der freien Ägypter war.
Die Menschen, die die Pyramiden und die anderen berühmten Monumente bauten, waren Ägypter, die für ihre Aufgabe sehr gut entlohnt wurden und oft echte Meister ihrer Kunstform waren. Diese Gebäude wurden nicht zu Ehren des Todes errichtet, sondern zu Ehren des Lebens und des Glaubens, dass das individuelle Leben so unschätzbar ist, dass es wert ist, daran für die Ewigkeit erinnert zu werden. Außerdem drängte die ägyptische Gewissheit, dass das individuelle Leben eine endlose Reise und der Tod nur ein Übergang ist, die Menschen dazu, zu versuchen, ihr Leben auf ewig lebenswert zu gestalten. Weit davon entfernt, düster und vom Tod besessen zu sein, befasste sich das tägliche Leben der alten Ägypter damit, die Zeit, die jeder auf der Erde hat, so gut wie möglich zu genießen und das Leben anderer ebenso wertvoll zu machen.
Alles gehörte zum Leben: Sport, Spiele, Lesen, Feste, Zeit mit Freunden und Familie, ebenso wie die Mühe, das Land zu bestellen oder Monumente und Tempel zu errichten. Die Welt der alten Ägypter war erfüllt von Magie. Die Magie (Heka) war sehr viel älter als die Götter und in der Tat war sie die Energie, die alles untermauerte und den Göttern ermöglichte, ihre Pflichten zu erfüllen.
Die Magie wurde durch die Figur des Gottes Heka (auch der Gott der Medizin), der an der Schöpfung beteiligt gewesen war und sie danach unterstützt hatte, verkörpert. Von zentraler Bedeutung für das Verständnis vom Leben und von der Funktionsweise des Universums war das Konzept der Maat (Harmonie und Ausgewogenheit): Es war die Heka, welche die Maat möglich machte. Durch die Einhaltung von Ausgewogenheit und Harmonie wurden die Menschen motiviert, in Frieden miteinander zu leben und zum gemeinsamen Glück mitzuwirken. Eine Zeile aus dem Weisheitstext von Ptahhotep (Wesir des Königs Djedkare Isesi, 2414–2375 v. Chr.) ermahnt den Leser:
Lass dein Gesicht strahlen, solange du lebst. Es ist die Güte einer Person, an die man sich in den folgenden Jahren erinnert.
Das Gesicht „strahlen“ zu lassen bedeutete, glücklich zu sein und einen gütigen Geist zu hegen, in der Überzeugung, dass dies die eigene Seele sorgenfrei machen und die der anderen erleichtern würde. Auch wenn die ägyptische Gesellschaft schon von uralten Zeiten an (seit der Prädynastischen Zeit von etwa 6000 bis 3150 v. Chr.) zutiefst geschichtet war, bedeutet das nicht, dass das Königshaus und die Oberschicht auf dem Rücken der Bauernschaft ihr Leben genossen.
Der König und der Hofstaat sind immer Personen, über deren Leben wir ausführlichere und genauere Dokumente haben, denn damals wie heutzutage schenkten die Leute den Prominenten mehr Aufmerksamkeit als den gewöhnlichen Menschen, und die Schreiber, die zeitgenössische Ereignisse aufnahmen, dokumentierten, was von größerem Interesse für alle war. Doch die Berichte späterer griechischer und römischer Schriftsteller sowie einige archäologische Funde und Briefe aus verschiedenen Epochen zeigen, dass die Ägypter aller Gesellschaftsschichten das Leben liebten und sich so oft wie möglich amüsierten, genau wie die Menschen der heutigen Zeit.
Die Bevölkerung und die sozialen Schichten
Die ägyptische Bevölkerung war in sozialen Klassen starr organisiert: Der König war an der Spitze, gefolgt von seinem Wesir, von den Mitgliedern seines Hofes, den regionalen Gouverneuren (später als „Nomarchen“ bezeichnet), den Armeegenerälen (nach dem Neuen Reich), den staatlichen Bauaufsichtsbeamten und den Bauern. Sozialer Aufstieg wurde fast über den gesamten Zeitraum der ägyptischen Geschichte weder angeregt noch dokumentiert, da man glaubte, dass die Götter das vollkommenste soziale Gleichgewicht, das ihr eigenes widerspiegelte, geschaffen hatten.
Dem Volk hatten die Götter alles geschenkt und sie hatten den König als die beste Person, um ihren Willen zu verstehen und umzusetzen, an seine Spitze gestellt. Von der Prädynastischen Zeit bis zum Alten Reich (ca. 2613–2181 v. Chr.), als die Priester des Gottes Re, Gott der Sonne, mehr Einfluss zu erlangen begannen, war der König der Vermittler zwischen den Göttern und dem Volk. Aber auch danach wurde der König noch als der vom Gott auserwählte Abgesandte geschätzt. Noch in der zweiten Hälfte des Neues Reiches (1570–1069 v. Chr.), als die Priester von Amun in Theben mehr Befugnis hatten als der König selbst, genoß der Herrscher noch immer tiefes Ansehen als göttlich berufen.
Die Oberschicht
Der Monarch von Ägypten (der bis zum Neuen Reich nicht als „Pharao“ bekannt war) genoß, als Auserwählter der Götter, „großen Reichtum, Status und Luxus, der für die Mehrheit der Menschen unvorstellbar war“ (Wilson, 91). Der König hatte die Verantwortung, unter Berücksichtigung der Maat zu regieren, und da dies eine anspruchsvolle Aufgabe war, glaubte man, dass er diese Privilegien als seinem Status und der Schwere seiner Pflichten angemessen verdiente. Der Historiker Don Nardo schreibt:
Die Monarchen genossen eine weitgehend mangelfreie Existenz. Sie besaßen Macht, Ansehen, Sklaven für die niederen Arbeiten, viel Freizeit für sich selbst, sehr feine Kleidung und viele Luxusannehmlichkeiten in ihren Wohnsitzen. (10)
Oft wird der König auf der Jagd abgebildet, und Inschriften weisen häufig auf die Anzahl der imposanten und gefährlichen Tiere hin, die ein bestimmter König während seiner Herrschaft getötet hat. Tatsächlich waren es jedoch fast immer Wildhüter, die Tiere wie Löwen und Elefanten einfingen und in Wildreservate brachten, wo der König sie dann „jagte“, umgeben von Wachen, die ihn beschützten. In der Tat jagte der König im Freien nur, wenn das Jagdgebiet schon von gefährlichen Tieren gesäubert worden war.
Die Beamten des Hofes lebten unter vergleichbarem Wohlstand, auch wenn die Mehrheit von ihnen nicht so viel Verantwortung hatte. Die Nomarchen mochten ihrerseits in Wohlstand leben, aber das war mit der Wertschöpfung des jeweiligen Verwaltungsbezirkes und mit der Rolle, die jemand für den König spielte, verbunden. Der Nomarch eines Bezirkes, der einen Ort wie Abydos beheimatete, konnte dank der Präsenz der großen, dem Gott Osiris geweihten Nekropole, die von vielen Pilgern besucht wurde, darunter auch der König und die Hofleute, eine angemessene Lebensqualität genießen. Dagegen lebte der Nomarch einer Gegend, die kein derartiges Glanzstück hatte, bescheidener. Der Reichtum einer Region und der individuelle persönliche Erfolg eines Nomarchen entschieden, ob er in einem kleinen Palast oder in einem schlichten Haus lebte. Im Allgemeinen passierte das Gleiche bei den Schreibern.
Die Schreiber und die Ärzte
Da die Schreiber für vom Gott Thot, der ihre Kunstfertigkeit inspirierte und leitete, auserwählt gehalten wurden, genossen sie im alten Ägypten hohes Ansehen. Der Ägyptologe Toby Wilkinson schreibt, dass „die Kraft des geschriebenen Wortes, alltägliche Ereignisse, Wünsche und Zustände dauerhaft zu machen, immer im Fokus des ägyptischen Glaubens und Lebenswandels war“ (204). Es war Aufgabe der Schreiber, Aufzeichnungen zu bewahren, so dass die Ereignisse auf immer und ewig lebten. Die Worte der Schreiber meißelten tägliche Ereignisse in das Buch der Ewigkeit, da man meinte, dass Thot und seine Ehefrau Seschat diese Worte in den ewigen Bibliotheken der Götter aufbewahrten.
Nicht nur, weil die zukünftigen Generationen gelesen hätten, was sie geschrieben hatten, sondern auch weil die Götter selbst damit vertraut waren, machte die Arbeit eines Schreibers ihn unvergänglich. Genau wie die Bibliothekare in ihrem Dienst auf der Erde bewahrte Seschat, die Schutzgöttin der Bibliotheken und Bibliothekare, die Werke der Schreiber in ihren Regalen auf. Die meisten Schreiber waren Männer, aber es gab auch Schreiberinnen, die genauso gut lebten wie ihre männlichen Kollegen. Ein populäres literarisches Werk aus dem Alten Reich, bekannt als Lehre des Cheti, befürwortet die Liebe zu Büchern und ermutigt junge Leute, höhere Bildung zu absolvieren und Schreiber zu werden, um ihr bestmögliches Leben zu führen..
Alle Priester waren Schreiber, aber nicht alle Schreiber wurden Priester. Es war unverzichtbar für Priester, für die Erfüllung ihrer Aufgaben lesen und schreiben zu können, insbesondere im Hinblick auf die mit dem Totenbrauchtum verbundenen Rituale. Da Ärzte lesen und schreiben können mussten, um medizinische Texte zu konsultieren, begannen sie mit ihrer Ausbildung zunächst als Schreiber. Man glaubte, dass fast alle Krankheiten als Strafe der Götter über die Menschen für ihre Sünden verhängt wurden oder um ihnen eine Lektion zu erteilen, weshalb Ärzte wissen mussten, welcher Gott (oder böser Geist, oder Gespenst, oder übernatürlicher Agent) für jede Krankheit verantwortlich sein könnte.
Um in der Lage zu sein, ihre Aufgaben zu erfüllen, mussten die Ärzte die damalige religiöse Literatur, bestehend aus Texten zur Zahnmedizin, Chirurgie, Orthopädie und genereller Behandlung von verschiedenen Krankheiten lesen können. Da kein Unterschied zwischen religiösem und täglichem Leben existierte, waren Ärzte normalerweise Priester, bis es später im Laufe der Geschichte zur Säkularisierung des Arztberufes kam.
Alle Priester der Göttin Selket waren Ärzte, und dieser Zustand setzte sich auch nach dem Erscheinen von säkularen Ärzten fort. Wie im Falle der Schreiber war es auch Frauen erlaubt, Medizin zu praktizieren, und es gab viele Ärztinnen. Es ist uns bekannt, dass im 4. Jahrhundert v. Chr. Agnodike von Athen nach Ägypten reiste, um Medizin zu studieren, da Frauen dort ein höheres Ansehen genossen und mehr Möglichkeiten als in Griechenland hatten.
Das Militär
Vor dem Mittleren Reich wurde das Militär aus regionalen Milizen gebildet, die von Nomarchen zu einer bestimmten Aufgabe, normalerweise zur Verteidigung, eingezogen und später an den König gesendet wurden. Zu Beginn der 12. Dynastie des Mittleren Reiches reformierte der König Amenemhet I. (ca. 1991–1962 v. Chr.) das Militär, um das erste stehende Heer zu schaffen; dadurch gelang es ihm, den Einfluss und das Ansehen der Nomarchen zu mindern und die Soldaten direkt unter seine Kontrolle zu stellen.
Danach gliederte sich das Militär in Generäle aus der Oberschicht und Soldaten aus der Unterschicht. Aufstieg war unabhängig von der individuellen sozialen Schicht möglich. Vor dem Neuen Reich beschäftigte sich das ägyptische Militär überwiegend mit der Verteidigung, aber Pharaonen wie Thutmosis III. (1458–1425 v. Chr.) und Ramses II. (1279–1213 v. Chr.) führten Militäraktionen über die Grenzen Ägyptens hinaus, um ihre Territorien zu erweitern. Die Ägypter vermieden es, in fremde Länder zu reisen, weil sie befürchteten, dass es im Falle eines Todes weit von Ägypten schwieriger wäre, das Jenseits zu erreichen. Diese Überzeugung beunruhigte konkret die Soldaten, die sich an den Militäraktionen im Ausland beteiligten. Tatsächlich wurden Maßnahmen getroffen, um die Leichen der gestorbenen Soldaten zur Bestattung nach Ägypten zurückzubringen.
Wir haben keine Beweise dafür, dass Frauen Teil des Militärs waren, noch dass sie, nach einigen Zeugenberichten zu urteilen, gerne Teil davon sein wollten. Zum Beispiel beschreibt der Papyrus Lansing das Leben in der Armee als ein unendliches Leid, das einen frühen Tod verursacht. Es ist jedoch hervorzuheben, dass die Schreiber (insbesondere der Autor des Papyrus Lansing) ihre Arbeit systematisch als die beste und wichtigste Position darstellten, und die Schreiber waren diejenigen, die die meisten Berichte über das militärische Leben hinterließen.
Die Bauern und die Arbeiterklasse
Die Bauern, denen weder das Land, das sie kultivierten, noch die Häuser, in denen sie lebten, gehörten, standen auf der untersten Stufe der sozialen Hierarchie. Das Land gehörte dem König, den Mitgliedern des Hofes, den Nomarchen oder den Priestern. Eine typische Äußerung der Bauern zu Beginn des Arbeitstages war: „Lass uns für die Adligen arbeiten gehen“. Fast alle Vertreter dieser untersten Schicht waren auch Landwirte, ungeachtet anderer Berufe, die sie ausübten (z. B. Bootsführer). Sie säten und ernteten, führten dem Landbesitzer den meisten Teil davon zu und behielten einen kleinen Anteil für sich selbst. Viele besaßen ihre eigenen Gärten, die von den Frauen gepflegt wurden, während die Männer auf den Feldern arbeiteten.
Bis zum persischen Einmarsch im Jahr 525 v. Chr. basierte die ägyptische Wirtschaft auf dem Tauschsystem und der Landwirtschaft. Die Währung des alten Ägypten war der Deben, der nach der Meinung des Historikers James C. Thompson „wie heute in Nordamerika der Dollar funktionierte, um den Kunden die Preise der einzelnen Waren zu verdeutlichen, außer dass keine Deben-Münze existierte“ (Egyptian Economy, 1). Ein Deben wog „ungefähr 90 Gramm Kupfer; sehr teure Gegenstände konnten auch in Deben aus Silber oder Gold mit proportionalen Wertänderungen ausgepreist werden“ (ebd.). Thompson ergänzt:
Da ein Getreidesack ebenso wie ein Paar Sandalen einen Deben kostete, war es offensichtlich für die Ägypter, dass ein Paar Sandalen genauso leicht durch einen Getreidesack gekauft werden konnte wie durch ein Kupferstück. Auch wenn der Schuhmacher schon viel Getreide hatte, nahm er es als Zahlungsmittel gerne an, weil er wusste, dass er es leicht für etwas anderes tauschen konnte. Die Güter, die am häufigsten zum Einkaufen verwendet werden, waren Weizen, Gerste, Speiseöl und Lampenöl, allerdings passte theoretisch fast alles. (1)
Die unterste soziale Schicht produzierte die Güter, die auf den Markt gebracht wurden, und stellte folglich die Mittel für die Prosperität der ganzen Gesellschaft bereit. Dieselben Bauern waren die Arbeitskräfte, die die Pyramiden und die anderen Monumente des alten Ägypten bauten. Wenn der Nil flutete, war es nicht möglich, das Land zu bestellen, und daher gingen Männer und Frauen für den König arbeiten. Diese Arbeiten wurden immer bezahlt, und die Aussage, dass die großen Bauwerke der alten Ägypter durch Sklavenarbeit errichtet wurden – insbesondere die Erzählung des biblischen Buches Exodus, wonach die jüdischen Sklaven von ägyptischen Tyrannen unterdrückt waren – ist zu keinem Zeitpunkt der Geschichte des alten Ägypten in literarischen Aufzeichnungen oder archäologischen Funden belegt. Die Behauptung bestimmter Autoren, wie des Ägyptologen David Rohl, dass die Spuren der jüdischen Massenversklavung sich verlieren, wenn man den falschen Zeitpunkt betrachtet, ist unhaltbar, da keine solchen Beweise existieren, ungeachtet der Periode der Geschichte des altes Ägypten, die man studiert.
Für die Bauern war die Arbeit an Gebäuden wie den Pyramiden und den dazugehörigen Totenanlagen, Tempeln und Obelisken die einzige Gelegenheit, sozial aufzusteigen. Künstler und Graveure waren in Ägypten sehr begehrt und wurden besser bezahlt als ungelernte Arbeiter, die die alleinige Aufgabe hatten, die Steine für die Gebäude von einem Ort zum anderen zu transportieren. Bauern konnten ihren Status verbessern, indem sie sich einem Handwerk zuwendeten, um Vasen, Schalen, Teller und andere Keramikobjekte, die die Leute brauchten, zu erstellen. Fähige Tischler konnten an der Herstellung von Tischen, Schreibtischen, Stühlen, Betten und Truhen verdienen; Maler bekamen viele Aufträge für die Dekoration von Häusern, Palästen, Gräbern und Denkmälern der Oberschicht.
Auch Brauer wurden respektiert, und manchmal wurden die Brauereien von Frauen geführt. In den frühesten Phasen der ägyptischen Geschichte wurden sie wahrscheinlich sogar ausschließlich von Frauen geführt. Das Bier war das beliebteste Getränk und häufig als Bezahlmittel verwendet (Wein war niemals so beliebt, außer beim Adel). Den Arbeitern von Gizeh wurde dreimal am Tag eine Bierration garantiert. Es wurde angenommen, dass das Getränk ein Geschenk des Gottes Osiris für das Volk war und dass die Brauereien von der Göttin Tjenenet geleitet wurden. Bei den Ägyptern war das Bier eine ernste Sache, wie die griechische Pharaonin Kleopatra VII. (69–30 v. Chr.) erfuhr, als sie eine Biersteuer erhob; ihr Ruhm brach mehr wegen dieser Steuer als wegen der Kriege mit Rom zusammen.
Dank der Metallurgie, der Verarbeitung von Edelsteinen und der Bildhauerei konnte auch die Unterschicht eine Chance haben, ihren Lebensstandard verbessern. Die exquisiten Juwelen des alten Ägypten, mit Edelsteinen gekonnt eingerahmt, wurden von der Unterschicht bearbeitet. Diese Menschen, die Mehrheit der ägyptischen Bevölkerung, bildeten die Armee und konnten in seltenen Fällen auch Schreiber werden. Der Beruf und die soziale Position wurden jedoch normalerweise von Generation zu Generation weitergegeben.
Wohnungen und Möbel
Die Kunsthandwerker erschufen die Einrichtung der prunkvollen Paläste, der Residenzen der Oberschicht und der Tempel ebenso wie die Grabausstattung, da die Gräber für den ewigen Wohnsitz des Menschen gehalten wurden. Der König, die Königin und die Königsfamilie lebten in einem reich verzierten Palast, und Diener kümmerten sich um alle ihre Bedürfnisse. Die Schreiber lebten in speziellen Wohnungen in oder in der Nähe der Grab- und Tempelanlagen und arbeiten in Skriptorien, während die Nomarchen, wie bereits erwähnt, je nach ihrem sozialen Ansehen in mehr oder weniger schlichtem Wohnraum lebten. Die Bauern, die der Oberschicht die Lebensmittel zur Verfügung stellten, trugen auch zum Bau ihrer Häuser bei und versorgten sie mit Truhen, Schubladen, Stühlen, Tischen und Betten, konnten sich jedoch selbst nichts davon leisten. Nardo schreibt:
Nach einem harten Arbeitstag kehrten die Bauern zu ihren Häusern zurück, die sich in der Nähe der Felder oder in kleinen Dörfern befanden. Das Haus von einem normalen Bauern hatte Wände aus Lehmziegeln. Die Decke wurde aus Bündeln von Pflanzenstängeln gemacht, der Fußboden bestand aus Stampflehm, bedeckt mit einer Schicht von Stroh oder einer Schilfmatte. Normalerweise hatte jedes Haus ein oder zwei Zimmer (sehr selten auch drei), in denen der Bauer mit seiner Frau und eventuell den Kindern wohnte. In vielen Fällen waren in denselben Räumen auch einige oder alle die Nutztiere der Farm. Da diese kleine Hütte keine Toilette hatte, waren die Bewohner genötigt, eine Außenlatrine (nur ein Loch im Boden) zu benutzen. Unnötig zu sagen, dass das Wasser aus einem Fluss oder aus einem von Hand gegrabenen Brunnen geholt werden musste. (13)
Der Palast des Pharao Amenophis III. (1386–1353 v. Chr.), auch als „der Prächtige“ bekannt, erstreckte sich über eine Fläche von 30.000 Quadratmetern (30 Hektar) und beinhaltete geräumige Residenzen, Audienzkammern, einen Thronsaal, ein Vestibül, einen Festsaal, verschiedene Bibliotheken, Gärten, Lagerräume, Küchen, einen Harem und einen Tempel für den Gott Amun. Die Außermauern waren mit strahlend weißer Farbe gestrichen, die Inneren mit Blau, Gelb und Grün.
Selbstverständlich war das ganze Gebäude zu möblieren, und die Einrichtung wurde von den Unterschichtarbeitern beschafft. Zu seiner Zeit war der Palast als „Haus der Freude“ und unter ähnlichen Namen bekannt. Heutzutage ist er berühmt als „Malkata“, aus der arabischen Bedeutung für „Ort, wo die Dinge sich befinden“, aufgrund der riesigen Menge von Trümmern des heruntergekommenen Palastes, die dort gefunden wurden.
Je nach dem individuellen Ansehen oder dem Prestige der Region, in der sie lebten, waren die Wohnungen und die Häuser der Schreiber prunkvoll oder bescheiden. Der Autor des Papyrus Lansing, Nebmare Nakht, behauptete, ein Leben in Luxus zu führen und, genau wie ein Monarch, Land und Sklaven zu besitzen. Da festgestellt worden ist, dass Priester in der Lage waren, das gleiche Wohlstands- und Machtniveau von Monarchen zu erreichen, und Schreiber die gleichen Chancen hatten, ist auch diese Aussage zweifellos wahrheitsgetreu.
Verbrechen und Strafen
Wie in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte konnte im alten Ägypten der Reichtum eines anderen oft von jemandem begehrt werden, der ihn zu stehlen versuchte, und in solchen Fällen handelte das Recht zügig. Nach dem Neuen Reich wurde eine Polizeibehörde gegründet, aber schon vor diesem Zeitpunkt wurden die Menschen vor einen örtlichen Richter gebracht und verschiedener Verbrechen angeklagt, die sich perfekt mit der ganzen Bandbreite heutiger krimineller Aktivitäten überschneiden. Der Staat mischte sich nicht in lokale Probleme ein, außer wenn der Kriminelle Staatseigentum, wie z.B. ein Grab, beraubt oder verwüstet hatte. Der Ägyptologe Steven Snap schreibt:
Wie in allen Gemeinschaften wurden die bei der Ballung von Gütern und Eigentum in Städten entstehenden Gelegenheiten für Verbrechen von einigen alten Ägyptern von ganzem Herzen ausgenutzt. Ebenso waren die bedeutenden Zentren von Bevölkerung und Regierung diejenigen Orte, wo Recht gesprochen und Strafen verhängt werden konnten. Das Bild des alten Ägypten, das wir nachvollziehen können, ist jedoch, dass die Verwaltung der Rechtspflege so oft wie möglich den örtlichen Behörden überlassen wurde. Dorfbewohner wurden aufgefordert, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. (111)
Letztlich lagen Gericht und Justiz in der Verantwortung des Wesirs, der rechten Hand des Königs, der diese Aufgabe an die untergeordneten Beamten delegierte, die ihrerseits an andere delegierten. Schon vor dem Neuen Reich hatte jede Stadt ein Verwaltungsgebäude, den sogenannten Gerichtssaal, wo Prozesse durchgeführt und Urteile gesprochen wurden. In kleinen Städten und in Dörfern konnten diese Prozesse auf dem Marktplatz abgehalten werden. Die örtlichen Tribunale waren als Kenbet bekannt, und Gemeindevorsteher mit festen Grundsätzen, die die einzelnen Fälle überprüften und über Schuld oder Unschuld entschieden, gehörten dazu.
Während des Neuen Reiches wurden sowohl Gerichtssaal als auch Kenbet nach und nach durch Orakelgerichte ersetzt, bei denen der Gott Amun direkt befragt wurde. Durch den Priester von Amun wurde an die Statue des Gottes eine Frage gestellt und dann die Antwort durch verschiedene Mittel dechiffriert. Manchmal nickte die Statue mit dem Kopf, manchmal gab sie andere Zeichen. Wenn der Angeklagte für schuldig befunden wurde, war die Bestrafung sofortig.
Strafen für leichte Verbrechen waren meist Bußgelder, aber Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung, Mord oder Grabräuberei konnten mit leiblichen Verstümmelungen (Abschneiden von Nase, Ohren oder Händen), Inhaftierung, Zwangsarbeit (praktisch fast immer lebenslange Sklaverei) oder mit dem Tod bestraft werden. Das große Gefängnis von Theben beherbergte die Insassen, die für Basisarbeit am Amun-Tempel in Karnak oder für andere Projekte eingesetzt wurden.
In den alten ägyptischen Gefängnissen existierte kein Todestrakt, da ein eines schweren Vergehens schuldig befundener Mensch sofort hingerichtet wurde. Es gab keine Anwälte, die für jemanden plädierten, und nach dem Urteil gab es keine Berufung. Die Priester hatten das Mandat vom Volk, jeder Beschwerde ein reelles und unparteiisches Zuhören zu gewährleisten und nach den Geboten der Götter zu urteilen, wohl wissend, dass sie, wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllten, im Jenseits ein weitaus schlimmeres Schicksal erwartete.
Familie und Freizeit
Priester waren sowohl Männer als auch Frauen. Der Oberpriester jedes religiösen Kultes hatte normalerweise das gleiche Geschlecht der Gottheit, der er oder sie diente – der Oberpriester des Kultes von Isis war eine Priesterin, der Oberpriester des Kultes von Amun war ein Priester. Die Priester konnte eine Familie haben, und ihre Kinder wurden gewöhnlich ihrerseits Priester.
In Bezug auf die soziale Mobilität blieb dieses Paradigma ganz unverändert: Die Kinder übernahmen den Beruf der Eltern, meistens des Vaters. Im alten Ägypten genossen Frauen fast die gleichen Rechte wie Männer. Frauen konnten Inhaberinnen eines Geschäftes sein, Besitzerinnen von Land und Häusern, sie konnten entscheiden, sich scheiden zu lassen, Verträge mit Männern abschließen, freiwillig abtreiben, und ihr eigenes Eigentum verwenden, wie sie wollten. Dies war ein Niveau der Gleichberechtigung der Geschlechter, an das keine andere alte Zivilisation näher herankam, und das die Modernität erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Druck großer Proteste anzuerkennen begann.
Mindestens vier Frauen regierten Ägypten, und die beiden bekanntesten sind Hatschepsut (1479–1458 v. Chr.) und Kleopatra VII. Eine Königin auf dem Thron war kein Normalfall, da die meisten Herrscher Männer waren. Fast alle Frauen des Adels hatten Sklaven und Diener, die sich an ihrer Stelle um die Kinder und um Reinigung und Pflege des Hauses kümmerten. Sie halfen ihren Ehemännern beim Empfang ausländischer Hofbeamter und bei der Förderung bestimmter Politik. Frauen der Oberschicht hatten einen ebenso privilegierten Lebensstil, aber sie konnten der Kinderbetreuung mehr Zeit widmen, während bei den unteren Schichten der Haushalt und die Kinderbetreuung vollends in der Verantwortung der Frau lagen.
Im alten Ägypten waren Ehen eine mehr weltliche als religiöse Angelegenheit. In allen Schichten wurden die Ehen von den Eltern arrangiert. Gewöhnlich wurden Mädchen mit etwa 12 Jahren und Jungen mit etwa 15 Jahren verheiratet. Häufig wurden Königskinder mit denen ausländischer Monarchen verlobt, um Verträge zu schließen, wenn sie kaum mehr als Säuglinge waren, aber trotzdem war es Frauen verboten, Ägypten als Bräute von fremden Herrschern zu verlassen, da man glaubte, dass sie weit vom Mutterland nicht glücklich würden.
Da Ägypten der allerbeste Ort war, galt es als respektlos einer jungen Frau gegenüber, sie an einen schlechteren Ort wegzuschicken. Es war jedoch völlig akzeptabel, dass im Ausland geborene Frauen als Bräute nach Ägypten kamen. Nachdem diese Frauen in Ägypten angekommen waren, genossen sie die gleichen Rechte wie die Einheimischen. Auch wenn der Mann als Familienoberhaupt galt, wurden Frauen aller Schichten als Männern gleichberechtigt angesehen. Nardo merkt an:
Ehemänner und Ehefrauen der Oberschicht dinierten, veranstalten Feiern und gingen zusammen auf die Jagd, und sowohl reichere Frauen als auch ärmere genossen viele gleiche Rechte wie Männer. Tatsachlich scheint es, dass die Frauen im alten Ägypten in ihrem Privatleben mehr Freiheit als die Frauen in den meisten anderen alten Zivilisationen genossen, auch wenn Männer die meisten wichtigen Entscheidungen trafen. Ägyptische Männer profitierten genauso wie ihre Frauen von glücklichen, liebevollen Beziehungen. (23)
Obwohl die Frauen der Bauern meist nicht mit ihren Männern auf den Feldern arbeiteten, hatten sie dennoch viel zu tun, um das Haus sauber zu halten, sich um die nicht zum Pflügen eingesetzten Tiere zu kümmern, die Alten zu pflegen und die Kinder zu erziehen. Frauen und Kinder kümmerten sich auch um den Gemüsegarten, der eine wesentliche Ressource für jede Familie war. Sauberkeit ein wichtiger Wert für die Ägypter, und die Person und das Haus mussten dies widerspiegeln.
Frauen und Männer aus allen Schichten badeten häufig (Priester mehr als alle anderen) und rasierten sich den Kopf, um Läuse zu verhindern und um die Haarpflege leichter zu machen. Wenn ein Anlass dies erfordertete, trugen sie Perücken. Sowohl Frauen als auch Männer schminkten sich; vor allem trugen sie Kajal unter den Augen, um den Schein der Sonne zu lindern und die Haut weich zu halten. Grabinschriften und Malerei zeigen häufig Männer und Frauen, die auf Feldern zusammen pflügen und ernten oder ein Haus bauen.
Das Leben der alten Ägypter bestand jedoch nicht nur aus Arbeit. Sie fanden viel Zeit, um sich durch Sport, Brettspiele und verschiedene andere Aktivitäten zu amüsieren. Zu den Sportarten gehörten Hockey, Handball, Bogenschießen, Schwimmen, Tauziehen, Gymnastik, Rudern und eine Sportart, die als „Fischerstechen“ bekannt ist und die eine Seeschlacht war, die in kleinen Booten auf dem Nil gespielt wurde, wobei ein „Stecher“ versuchte, seinen Gegner aus seinem Boot zu stoßen, während ein zweites Teammitglied das Boot manövrierte.
Den Kindern wurde schon früh das Schwimmen beigebracht, und da das Schwimmen eine der beliebtesten Sportarten war, entstanden davon weitere Wasserspiele. Das Brettspiel Senet war sehr beliebt und repräsentierte die Reise durch das Leben bis zur Ewigkeit. Musik, Tanz, choreografierte Gymnastik und Ringen waren ebenfalls beliebt, und bei der Oberschicht war die Jagd auf Groß- oder Kleinwild eine der Lieblingssportarten.
Es existierte auch ein Sport, „Stromschnellenschießen“ genannt, der von dem römischen Dramatiker Seneca dem Jüngeren, der im 1. Jahrhundert n. Chr. in Ägypten lebte, so beschrieben wird:
Die Teilnehmer steigen auf kleine Boote, zwei pro Boot, und während der eine rudert, schöpft der andere Wasser aus. Dann werden sie mit aller Kraft in den Stromschnellen wild herumgeschleudert. Am Ende erreichen sie die engsten Flussarme und, von der ganzen Wucht des Flusses mitgerissen, führen sie das Boot von Hand und tauchen dann den Kopf voran zur großen Angst der Zuschauer ins Wasser. Man könnte traurig glauben, dass sie, erdrückt von einer solchen Wassermasse, ertrunken seien, wenn sie fern von dem Punkt wo sie gefallen sind, wieder herausspringen, wie von einem Katapult, noch immer auf dem Boot, und die absinkende Welle taucht sie nicht unter, sondern trägt sie in glatte Gewässer. (zit. nach Nardo, 20).
Nach oder auch während solcher Veranstaltungen tranken die Zuschauer ihr Lieblingsgetränk: das Bier. Das beliebteste und am häufigsten konsumierte Rezept war Heqet (auch Hecht genannt), ein Bier mit Honiggeschmack, leichter aber ähnlich wie der spätere europäische Met. Es existierten viele Arten von Bier (generell bekannt als Zytum), die häufig als Medikamente verschrieben wurden, da sie das Herz leichter machten und die Stimmung verbesserten. Bier wurde sowohl kommerziell als auch zu Hause gebraut und es wurde vor allem bei den vielen Festen, die die Ägypter begingen, genossen.
Feste, Essen und Kleidung
Alle ägyptischen Götter hatten Geburtstage, die gefeiert werden mussten; dazu wurden die einzelnen Geburtstage, die Jubiläen großer Taten des Königs, die Feste von Göttertaten in der Geschichte der Menschheit gefeiert, aber auch Beerdigungen, Totenwachen, Einweihungen von Häusern und Geburten. Alle diese Ereignisse und noch weitere wurden mit einem Fest oder einem Festival gefeiert.
Einzelne Feiern des alten Ägypten hatten einzigartige Merkmale, die mit dem Charakter des jeweiligen Ereignisses verbunden waren, aber alle hatten das Trinken und das Schlemmen gemeinsam. Die ägyptische Ernährung war hauptsächlich vegetarisch und bestand aus Getreide (Weizen) und Gemüse. Fleisch war sehr teuer, und in der Regel konnte es sich nur der Adel leisten. Außerdem war es im trockenen ägyptischen Klima schwer frisch zu halten und so mussten Tiere, die rituell geschlachtet wurden, sehr schnell verbraucht werden .
Die Feste waren perfekte Momente, um sich in jeder Art von Exzess gehen zu lassen, einschließlich des Essens von Fleisch für diejenigen, die sich dafür entschieden, auch wenn Zügellosigkeit nicht bei jedem Fest angebracht war. Jede Feier oder Gedenkfeier hatte einzigartige Merkmale, wie die Historikerin Margaret Bunson erklärt:
Das Talfest, das zu Ehren des Gottes Amun in Theben gefeiert wurde, wurde mit einer Prozession der Boote der Götter, mit Musik und Blumen zelebriert. Das Fest der Göttin Hathor, das in Dendera gefeiert wurde, war eine Zeit von Vergnügen und Rausch, im Geist des Kultes der Göttin. Das Fest der Göttin Isis in Busiris und die Feier von Bastet und Bubastis waren ebenfalls Zeiten von Glück und Rausch. (91)
Diese Feste waren „normalerweise religiös, sie fielen begleitend mit dem Mondphasenkalender und fanden in Tempeln statt“ aber sie konnten auch „Gedenkfeiern von bestimmten Ereignissen des alltäglichen Lebens der Menschen sein“ (Bunson, 90). Wie zu erwarten ist, kleidete man sich bei Beerdigungen respektvoll in Schwarz (auch wenn sich die Priester normalerweise in Weiß kleideten), anlässlich eines Geburtstages oder einer anderen Gelegenheit trug jeder, was ihm gefiel. Während dem Bastet-Fest trugen Frauen nur einen kurzen Rock, den sie oft zu Ehren der Göttin hoben.
Im alten Ägypten war die Kleidung aus Leinen, das aus Baumwolle gewoben wurde. Während der Prädynastischen und zum Beginn der Dynastischen Zeit trugen sowohl Frauen als auch Männer nur Leinenröcke. Kinder liefen bis zum Alter von etwa 10 Jahren nackt herum. Bunson schreibt, dass „die Frauen seinerzeit ein langes Gewand trugen, das direkt unter ihren nackten Brüsten gerade nach unten fiel. Die Männer trugen ihrerseits nur einen Kilt. Diese Gewänder konnte in exotischen Farben oder Motiven gefärbt werden, auch wenn Weiß wahrscheinlich die Farbe für religiöse Rituale oder während der Hofzeremonien war“ (67). Zur Zeit des Neues Reiches trugen die Frauen Leinenkleider, die die Brüste bedeckten und bis zu den Knöcheln fielen, die Männer trugen dagegen nur kurze Gewänder und manchmal ein bequemes Hemd.
Während des Neuen Reiches werden Frauen aus der Unterschicht, Sklavinnen und Dienerinnen oft nur mit einem kurzen Rock abgebildet. Königinnen und adlige Frauen werden dagegen mit enganliegenden, von der Schulter bis zu den Knöcheln reichenden Kleidern dargestellt, und zuletzt sehen wir Männer, die durchsichtige Hemden und Röcke tragen. Im kälteren Wetter der Regenzeit wurden Mäntel und Schultertücher verwendet.
Die meisten Menschen aus allen sozialen Schichten gingen barfuß, um die Götter, die keine Schuhe brauchten, zu imitieren. Wenn jemand eine lange Reise unternahm, oder irgendwohin, wo er sich die Füße verletzen konnte, ging, dann trug er Sandalen. Die billigsten Sandalen wurden aus geflochtenen Binsen hergestellt, die teuersten waren dagegen aus Leder oder lackiertem Holz. Bis zum Mittleren und Neuen Reich, als sie als Statussymbole angesehen wurden, waren die Sandalen für die Ägypter anscheinend nicht von großer Wichtigkeit. Jemand, der sich schöne Sandalen leisten konnte, war offensichtlich vermögend, die Armen gingen barfuß. Diese Sandalen wurden oft bemalt oder mit Muster dekoriert, das ziemlich artikuliert sein konnte.
Zu den Festzeiten – und davon hatten die alten Ägypter viele – war die Kleidung der Priester weiß, aber jeder konnte tragen was er oder sie wollte, auch fast nichts. Die Ägypter wollten das Leben voll auskosten, alles erleben, was ihre Zeit ihnen gab, und erhoffen, dass all dies nach dem Tod weitergehen würde.
Das irdische Leben war nur ein Teil einer endlosen Reise, und der Tod wurde als eine Durchreise von einer Etappe zur nächsten gesehen. Für die alten Ägypter aller Schichten war ein entsprechendes Begräbnis extrem bedeutend. Der Körper des Verstorbenen wurde gewaschen, in Binden eingewickelt (mumifiziert) und mit den Gegenständen begraben, die er oder sie im Jenseits bei sich tragen wollte oder brauchte. Je mehr Geld man hatte, desto reicher waren selbstverständlich die Gräber und die Grabbeigaben, aber auch die Ärmsten stellten sicher, ihren Angehörigen würdevolle Gräber zu liefern.
Ohne ein würdiges Begräbnis war es unmöglich zu hoffen, in die Halle der Vollständigen Wahrheit zu gelangen und das Gericht des Osiris zu überstehen. Wenn eine Familie außerdem den Verstorbenen beim Tod nicht ordnungsgemäß geehrt hätte, wäre es eine Garantie für die Rückkehr des Geistes dieser Person gewesen, der sie belästigt und allerlei Schwierigkeiten verursacht hätte. Die Toten zu ehren bedeutete nicht nur der bestimmten Person Respekt zu zollen, sondern auch ihren Bemühungen und ihren Lebenserfolgen, die alle dank der Güte der Götter möglich gewesen waren.
Im Leben mit der Erkenntnis von Güte, Harmonie, Einklang und Dankbarkeit den Göttern gegenüber hofften die Ägypter, ihre Herzen leichter als die Feder der Wahrheit zu finden, wenn sie nach dem Tod vor Osiris zu Gericht standen. Nach dem Gericht würden sie in die Ewigkeit des Lebens übergehen, das sie beim Tod hinter sich gelassen hatten. Alles was vom Leben mit dem Tod verloren schien, wurde ihnen im Jenseits zurückgegeben. Ihre Priorität in allen Aspekten des Lebens lag darauf, ein wertvolles Leben für die Ewigkeit zu führen. Zweifellos scheiterten viele Menschen an diesem Ziel, aber das Ideal war es wert, verfolgt zu werden, und es gestaltete das alltägliche Leben der alten Ägypter mit einem Sinn und Zweck, der ihre monumentale Kultur verkörperte und inspirierte.
