Friedrich der Große

Die Formung des preußischen Staates
Harrison W. Mark
von , übersetzt von Reha Mert
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Frederick the Great of Prussia (by Wilhelm Camphausen, Public Domain)
Friedrich der Große von Preußen Wilhelm Camphausen (Public Domain)

Friedrich II. von Preußen (1712–1786), auch bekannt als Friedrich der Große, war einer der wichtigsten Herrscher Europas im 18. Jahrhundert. Als Spross des Hauses Hohenzollern übernahm er im Jahr 1740 im Alter von 28 Jahren die Macht und machte Preußen während seiner 46-jährigen Herrschaft von einem zweitklassigen Provinzstaat zu einer der führenden europäischen Mächte.

Sein militärischer Werdegang umfasste zwei bedeutende Konflikte – den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) und den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) – und einige der bedeutendsten Schlachten, die die preußische Armee je geschlagen hat. Doch sein Charakter erschöpfte sich nicht nur im Soldatentum, sondern er widmete sich der Kultur, insbesondere der Musik und der Aufklärung. In den Jahrhunderten nach seinem Tod im Jahr 1786 erfuhr sein Nachlass diverse Neubewertungen, und er wurde wechselweise als verabscheuungswürdiger Autokrat, brillanter Feldherr oder aufgeklärter Monarch betrachtet.

Frühes Leben

Friedrich wurde am 24. Januar 1712 im Berliner Schloss, im Königreich Preußen, geboren. Preußen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Großmacht, zu der es bald aufsteigen sollte, sondern ein drittrangiges, rückständiges Königreich innerhalb der zersplitterten Grenzen des Heiligen Römischen Reiches. Er war eines von neun Kindern König Friedrich Wilhelms I. von Preußen (Regierungszeit 1713–1740) und dessen Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte Friedrich an der Seite seiner Mutter und seiner älteren Schwester Wilhelmine und wurde von französischen Hofmeistern unterrichtet, und seine frühesten Erinnerungen waren glückliche – erfüllt von Kunst, Musik und Muße.

Sein Vater verabscheute Friedrich, denn er zeigte „weibliche“ Züge .

Dann, als Friedrich ungefähr sieben Jahre alt war, wurde er aus diesem behaglichen Leben herausgerissen und in die kalte, strenge deutsche Welt geworfen, die sein Vater für ihn inszeniert hatte. Friedrich Wilhelm I. oftmals als der „Soldatenkönig“ bezeichnet, hatte Preußen in eine zentralisierte, stark militarisierte Gesellschaft verwandelt. Der junge Friedrich wurde einem strikten Tagesablauf unterworfen, und von ihm wurde erwartet, an „männlichen“ Aktivitäten wie Jagen, Reiten und Schießen teilzunehmen. Zunächst bemühte sich der Prinz, Interesse an diesen Dingen zu zeigen, aber sein Vater verabscheute ihn für das Zurschaustellen „weiblicher“ Züge – wie etwa das Tragen modischer weißer Handschuhe während der Jagd, das Zusammenzucken beim Schusslärm sowie seine Liebe zur Musik und Literatur.

Im Jahr 1726 wurde Friedrich die Führung einer Kompanie des königlichen Leibregiments übertragen, jedoch beschämte er seinen Vater, als er während einer militärischen Inspektion vom Pferd stürzte. Auf solche Misserfolge reagierte Friedrich Wilhelm, indem er seinen Sohn beschimpfte und ihn zuweilen sogar schlug. So schlug der König Friedrich beispielsweise im Sommer 1730 in sein Gesicht, riss ihm büschelweise Haare aus und zwang ihn, in diesem verwahrlosten Zustand über den Paradeplatz zu gehen, um ihn öffentlich zu demütigen.

Letztlich reichte es Friedrich. Er hatte sich auf seine arrangierte Ehe mit Prinzessin Amelia von Großbritannien gefreut, die ihn zumindest aus der Vormundschaft seines Vaters befreit hätte. Doch als diese Heiratsverhandlungen scheiterten, beschloss Friedrich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Mit der Hilfe von seinem Freund – und mutmaßlichen Geliebten – Leutnant Hans Hermann von Katte versuchte er, am 5. August 1730 aus Preußen zu fliehen. Das Paar wurde jedoch am Ende gefasst und in Küstrin (Kostrzyn nad Odrą) inhaftiert. Weil er als Offizier beim Versuch, das Land zu verlassen, ertappt worden war, wurde Katte wegen Verrats angeklagt und am 6. November enthauptet. Friedrich, der zum Zusehen gezwungen war, verlor das Bewusstsein, sobald das Beil des Henkers auf Kattes Hals niedersauste.

Frederick II of Prussia as a Child
Friedrich II. von Preußen als Kind Antoine Pesne (Public Domain)

Friedrich Wilhelm spielte kurzzeitig mit dem Gedanken, auch Friedrich hinrichten zu lassen oder ihm zumindest die Thronfolge zu entziehen. Doch er wusste, dass sich keine dieser Optionen vor dem Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation leicht rechtfertigen ließe. Friedrich Wilhelm sah sich daher gezwungen, seinem Sohn am 18. November eine vollständige königliche Begnadigung zu gewähren – Friedrich durfte jedoch erst im Februar 1732 nach Berlin zurückkommen. Nachdem er dem Tod und der Schande so nahe gekommen war, war Friedrich nun fest entschlossen, seinen Wert unter Beweis zu stellen. Im April 1732 wurde ihm das Kommando über ein Infanterieregiment übertragen. Er brachte es in eine derart hervorragende Verfassung, dass Friedrich Wilhelm es zwei Jahre später eigens lobend hervorhob.

Während des Polnischen Thronfolgekriegs (1733–1735) diente Friedrich unter dem angesehenen Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen und lernte von ihm viel über militärische Angelegenheiten. Er heiratete im Jahr 1733 pflichtgemäß Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Jedoch hatte er keinerlei Gemeinsamkeiten mit seiner neuen Gemahlin und brachte seinen Unmut über die Ehe dadurch zum Ausdruck, dass er sie beständig ignorierte und herabwürdigte. Indem er sich auf diese Weise fügte, sicherte sich Friedrich seine Stellung als Kronprinz – das war ein Schachzug, der sich schon bald auszahlen sollte. Am 31. Mai 1740 starb Friedrich Wilhelm I., und sein 28-jähriger Sohn bestieg als Friedrich II., König von Preußen, den Thron.

Erste Feldzüge: Die Schlesischen Kriege

Obwohl Friedrich das Soldatenleben als Junge verabscheut hatte, erkannte er die Armee als ein wertvolles Instrument an, um Preußens Ansehen zu fördern.

Wie Friedrich selbst war Preußen ein neuer Staat, der noch viel zu beweisen hatte. Er verfügte im Jahr 1740 über eine schwache wirtschaftliche Basis und bestand aus mehreren voneinander getrennten Territorien, die über ganz Nordeuropa verstreut lagen – Umstände, die ihn äußerst verwundbar machten. Diese Schwächen glich der Staat jedoch durch die viertgrößte Armee Europas aus; tatsächlich galt die preußische Infanterie – von Friedrichs Vater unermüdlich diszipliniert und gedrillt – bereits als eine der besten der Welt. Obwohl Friedrich das Soldatenleben als Junge verabscheut hatte, erkannte er in der Armee ein wertvolles Instrument, um Preußens Ansehen zu mehren – und schon bald sollte sich ihm die Gelegenheit bieten, dieses Instrument einzusetzen.

Im Oktober 1740 brachte der Tod des römisch-deutschen Kaisers die 23-jährige Maria Theresia auf den österreichischen Thron. Dies rief im gesamten Reich heftige Debatten hervor, weil Frauen nach dem geltenden salischen Recht nicht erbberechtigt waren. Friedrich verbündete sich mit den Feinden Maria Theresias und bestritt ihr Recht auf die Herrschaft. Sein wahres Ziel war jedoch die Eroberung der österreichischen Provinz Schlesien – eines der reichsten und fortschrittlichsten Territorien Mitteleuropas. Er mobilisierte schnell seine Truppen entlang der schlesischen Grenze und begann am 16. Dezember 1740 seine Invasion und entfachte damit jenen Konflikt, der als Österreichischer Erbfolgekrieg (1740–1748) in die Geschichte eingehen sollte.

Coronation of Maria Theresa as Queen of Hungary
Krönung Maria Theresias zur Königin von Ungarn Unknown Artist (Public Domain)

Die Österreicher waren auf Friedrichs raschen Blitzkrieg nicht eingestellt, und innerhalb weniger Wochen hatten die Preußen Schlesien überrannt. Im darauffolgenden Frühjahr traf Friedrich in der Schlacht bei Mollwitz (10. April 1741) auf ein österreichisches Heer. Sein Handeln ließ jedoch keinerlei Anzeichen erkennen, dass er später einmal als militärisches Genie gelten würde – in Wahrheit floh er mitten in der Schlacht vom Feld, um einer Gefangennahme zu entgehen. Der Sieg in dieser Schlacht war allein der disziplinierten preußischen Infanterie zu verdanken, die später von dem Taktiker Carl von Clausewitz dafür gepriesen wurde, „einen Grad der Vollkommenheit im Gebrauch der Feuerkraft“ erreicht zu haben, „der bis heute unübertroffen ist“ (Blanning, 103). Dennoch versetzte der preußische Sieg bei Mollwitz Maria Theresia in Alarmbereitschaft. Sie handelte daraufhin rasch einen Waffenstillstand mit Friedrich aus und trat ihm dabei Niederschlesien ab.

Unbefriedigt wartete Friedrich ab und griff 1742 erneut in den Krieg ein, wobei er in der Schlacht bei Chotusitz (17. Mai 1742) eine weitere österreichische Armee besiegte. Die Österreicher sahen sich gezwungen, Frieden einzufordern, und traten diesmal ganz Schlesien an Preußen ab. Durch seine früheren Siege ermutigt ließ sich Friedrich im August 1744 dazu verleiten, ein drittes Mal einen Krieg gegen Österreich zu führen, und marschierte auf Betreiben Frankreichs in Böhmen ein. Der Feldzug verlief zunächst erfolgreich – am 16. September eroberte Friedrich Prag nach dreitägigem Beschuss.

Doch dieses Mal hatte sich der preußische König übernommen. Sachsen trat auf der Seite Österreichs in den Krieg ein, und Anfang Oktober sah sich Friedrich von einer gewaltigen österreichisch-sächsischen Armee verfolgt. Weil seine Streitkräfte durch Ruhr und Hungersnot stark dezimiert waren, war Friedrich nicht kampffähig und trat den Rückzug nach Schlesien an, nachdem bereits 36.000 seiner Männer den Strapazen erlegen waren. Die folgenden Monate verbrachte er mit den Vorbereitungen auf die unvermeidliche österreichische Gegenoffensive, die schließlich im Frühjahr 1745 einsetzte.

Battle of Hohenfriedberg
Schlacht bei Hohenfriedberg Carl Röchling (Public Domain)

Friedrich überrumpelte den Feind in seinem eigenen Lager in der Schlacht bei Hohenfriedberg (4. Juni 1745), in der er einen glänzenden und ausschlaggebenden Sieg errang. Diesen Triumph machte er sich zunutze, um erneut in Böhmen einzumarschieren, und besiegte die Österreicher in der Schlacht bei Soor (30. September 1745) erneut. Durch den Frieden von Dresden schloss er zum dritten Mal Frieden mit Österreich – Österreich erklärte sich bereit, Friedrichs Eroberung Schlesiens anzuerkennen, und im Gegenzug erkannte Friedrich Maria Theresia als rechtmäßige Herrscherin Österreichs an. Nach der Unterzeichnung des Vertrags kehrte Friedrich unter großem Jubel nach Berlin zurück, wo er erstmals als „Friedrich der Große“ gefeiert wurde.

Auf dem Weg zum Ruhm: Der Siebenjährige Krieg

Trotz seiner beeindruckenden Siege fühlte sich Friedrich auf der Weltbühne unsicher. Er war von Feinden umgeben – Österreich brannte darauf, Schlesien zurückzumehmen, während Sachsen und Russland aufgrund der wachsenden Macht Preußens nervös waren und dessen Einfluss beschneiden wollten. Aus Furcht, ein weiterer Krieg stehe unmittelbar bevor, handelte Friedrich ein Bündnis mit Großbritannien aus. Dies veranlasste Frankreich dazu, ein Bündnis mit Österreich zu schließen, eine bedeutende politische Neuordnung, die als „Diplomatische Revolution“ in die Geschichte einging. Nun, da er sich der britischen Rückendeckung versichert hatte, fasste Friedrich den Mut, die Initiative zu ergreifen.

Er marschierte am 29. August 1756 in Sachsen ein und besetzte schnell Dresden, womit er den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) in Europa entfachte. Im selben Jahr marschierten die Preußen in Böhmen ein und besiegten die Österreicher in der Schlacht bei Lobositz (1. Oktober 1756). Jedoch verflachte die anfängliche Dynamik bald wieder. Obwohl Friedrich in der Schlacht bei Prag (6. Mai 1757) einen Pyrrhussieg gewonnen hatte, wurde er einen Monat später bei Kolín (18. Juni) von einer österreichischen Armee gestoppt. Weil er in dieser Schlacht rund 14.000 Mann verloren hatte, sah er sich gezwungen, seinen Einmarsch in Böhmen abzubrechen und sich nach Schlesien zurückzuziehen.

Battle of Prague, 6 May 1757
Schlacht bei Prag, 6. Mai 1757 Unknown artist (Public Domain)

Gegen Ende des Jahres 1757 gewann Friedrich seine alte Stärke zurück und feierte glanzvolle Siege, zum Beispiel in der Schlacht bei Roßbach (5. November) über ein französisch-österreichisches Heer sowie in der Schlacht bei Leuthen (5. Dezember) über die Österreicher. Dennoch gelang es ihm nicht, Maria Theresia einen Waffenstillstand abzuringen. Diese war fest entschlossen, die Kämpfe so lange fortzusetzen, bis sie Schlesien zurückerobert hatte. Im Jahr 1758 versuchte Friedrich, durch einen Einfall in Mähren den Druck auf Österreich zu erhöhen, sah sich jedoch gezwungen, in aller Eile nach Preußen zurückzueilen, als er erfuhr, dass eine russische Armee bis auf 160 Kilometer an Berlin herangerückt war.

Die anschließende Schlacht bei Zorndorf (25. August) forderte Zehntausende Opfer und Verwundete auf beiden Seiten, aber die Russen erlitten genügend Verluste, um sich zum Rückzug gezwungen zu sehen. Ohne zu verweilen, marschierte Friedrich nach Sachsen, wurde aber in der Schlacht bei Hochkirch (14. Oktober) von den Österreichern geschlagen, eine Niederlage, die weithin als die schwerste seiner Laufbahn gilt. Im nächsten Jahr erlitten die Preußen in der Schlacht bei Kunersdorf (12. August 1759) erneut eine Niederlage gegen eine österreichisch-russische Armee. Fast die Hälfte von Friedrichs Armee wurde vernichtet, und der preußische König selbst entging nur um Haaresbreite dem Tode, als eine Kugel in einer Schnupftabakdose in seiner Tasche stecken blieb. Für Friedrichs Feinde schien der Weg nach Berlin nun frei.

Gleichwohl geriet der österreichisch-russische Vormarsch ins Stocken, was Friedrich wertvolle Zeit verschaffte, um seine Verteidigung neu zu ordnen. Die nachfolgenden Jahre mündeten in eine Pattsituation, in der jede Seite versuchte, die Oberhand zu gewinnen. Friedrich, dessen Gesundheit nie als robust galt, war in dieser Zeit häufig krank und litt unter Anfällen melancholischer Verzweiflung; nach seiner Niederlage bei Kunersdorf zog er offenbar sogar den Suizid in Betracht.

Portrait of Frederick the Great
Porträt Friedrichs des Großen Anton Graff (Public Domain)

Doch im Jahr 1762 wendete sich das Schicksal zu seinen Gunsten mit dem Tod einer seiner erbittertsten Feindinnen: der russischen Kaiserin Elisabeth. Ihr Nachfolger, Peter III., war ein Preußen-Sympathisant, der dessen Militär bewunderte und Friedrich geradezu vergötterte. Kurz darauf führte Peter Russland aus dem Kriegsgeschehen heraus und schwächte damit das Bündnis gegen Preußen erheblich. Ein Jahr später endete der Siebenjährige Krieg, wobei der Status quo ante bellum wiederhergestellt wurde. Indem er Schlesien trotz einer erdrückenden Übermacht erfolgreich verteidigte, sicherte Friedrich Preußens Status als Großmacht. Dies war jedoch mit einem verheerenden Preis verbunden, denn Preußen hatte während des Krieges über 180.000 Soldaten verloren.

Uneingeschränkt herrschend: Polen und Bayern

Nachdem Friedrich die erste Hälfte seiner Regierungszeit damit verbracht hatte, Preußens Großmacht zu festigen, bestand seine nächste Aufgabe darin, diesen neuen Status zu behaupten. Zu diesem Zweck richtete er seinen Blick nach Osten und richtete sein Augenmerk voller Ambitionen auf die Territorien Polen-Litauens, die kürzlich durch schlechte Regierungsführung und wirtschaftliche Wirren geschwächt worden waren. Im Jahr 1769 entsandte Friedrich seinen jüngeren Bruder, Prinz Heinrich, nach Sankt Petersburg, um die neue russische Zarin, Katharina die Große, für den Plan einer gemeinsamen Aufteilung Polens zu gewinnen. Nachdem Katharina ihre Zustimmung erteilt hatte, drängte Friedrich seine alte Feindin Maria Theresia dazu, sich der Teilung anzuschließen. Die österreichische Kaiserin zeigte sich widerwillig, willigte jedoch schließlich ein, oder wie Friedrich es ausdrückte: „Sie weint, aber sie nimmt.“

Im Jahr 1772 wurde Polen offiziell unter den drei Mächten aufgeteilt. Friedrich erhielt die Provinz Westpreußen und verwirklichte damit endlich sein langjähriges Ziel, all seine weit verstreuten Territorien miteinander zu verbinden, wodurch er Preußen durch die Schaffung territorialer Geschlossenheit stärkte. Trotz dieser einmaligen Allianz mit Maria Theresia widersetzte sich Friedrich weiterhin der habsburgischen Vorherrschaft in Deutschland. Im Jahr 1778 demonstrierte er im kurzen Bayerischen Erbfolgekrieg seine militärische Stärke, als er sich der Einmischung von Maria Theresias Sohn, Joseph II., in die Angelegenheiten Bayerns entgegenstellte. Joseph II. gab nach, noch bevor der Krieg über kleinere Scharmützel hinaus eskalieren konnte, und bestätigte damit die neu gewonnene Macht Preußens in Mitteleuropa.

Verwaltung und die Künste

Im September 1740, nur wenige Monate nach seiner Thronbesteigung, veröffentlichte Friedrich eine Schrift mit dem Namen Anti-Machiavel. Als im Wesentlichen eine Widerlegung der Thesen des politischen Theoretikers Niccolò Machiavelli beleuchtet diese Abhandlung Friedrichs persönliche Vorstellungen davon, was es bedeutete, ein König zu sein. Für ihn war das Königtum eine heilige Pflicht sowohl gegenüber dem Staat als auch den Untertanen. Ein König müsse wohlwollend sein und unermüdlich daran arbeiten, die Interessen des Staates zu fördern und sein Volk zu verteidigen – selbst auf Kosten persönlicher oder dynastischer Ziele. Obgleich Friedrich seinen eigenen Ansprüchen bisweilen nicht gerecht wurde, nahm er die Idee des Königtums zweifellos ernst.

Frederick the Great Playing the Flute at Sanssouci
Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci Adolph von Menzel (Public Domain)

In der Tat veranlasste ihn diese Vorstellung dazu, gewissermaßen zu einem Autokraten zu werden, der es vorzog, die meisten Angelegenheiten eigenhändig zu regeln, anstatt sich auf Bürokraten oder andere ernannte Beamte zu verlassen. Dieser Regierungsstil hatte natürlich seine Nachteile. Mit zunehmendem Alter wurde Friedrich immer konservativer und wies neue Ideen oder Reformen kurzerhand zurück. Infolgedessen wurden die preußische Regierung und die Armee gegen Ende von Friedrichs Herrschaft sehr starr und stagnierten – ein Problem, das erst während der Napoleonischen Kriege zutage treten sollte, als es zu spät war.

Friedrich zeigte großes Interesse am Zivilrecht und ließ sich oft von den Idealen der Aufklärung leiten. Er reformierte das preußische Justizsystem, schaffte die Anwendung der Folter ab und stellte sicher, dass Richter nur nach Bestehen einer schwierigen Prüfung ernannt werden konnten. Auch seine Ansichten zur Religion entsprachen weitgehend dem Geist der Aufklärung. Er selbst war vermutlich Deist – in der Tat hatte er den christlichen Glauben einst als „metaphysische Fiktion“ bezeichnet –, war jedoch stolz darauf, alle Religionen in seinem Königreich zu tolerieren. Zwar wurden Protestanten bei der Besetzung staatlicher Ämter nach wie vor bevorzugt, doch genossen Juden und Katholiken in Preußen größere religiöse Freiheiten als in den benachbarten protestantischen Ländern.

Friedrich war auch ein großer Verfechter des Adels, weil er die Bewahrung einer eigenständigen aristokratischen Schicht für das Fortbestehen Preußens für unerlässlich hielt. Infolgedessen wurden fast alle Regierungsbeamten und Armeeoffiziere aus dem Adel rekrutiert, wobei es Bürgerlichen weitaus schwerer fiel, in den Adelsstand aufzusteigen, als unter früheren Herrschern. Dennoch vernachlässigte Friedrich die Bürgerlichen keineswegs. Er reiste oft durch das Land, stets auf der Suche nach Möglichkeiten, den Bauern zu helfen und die landwirtschaftlichen Erträge Preußens zu verbessern. Er ließ Sümpfe trockenlegen, um neues Ackerland zu schaffen, und Kanäle anlegen, um den Transport der Erntegüter zu erleichtern. Um die Gefahr von Hungersnöten zu reduzieren, ermutigte er die Bauern, ihre Anbaukulturen zu diversifizieren, und drängte sie dazu, Kartoffeln und Rüben anzupflanzen. Aufgrund dessen wurde er bisweilen als „Kartoffelkönig“ bezeichnet.

Als virtuoser Flötist komponierte Friedrich zahlreiche eigene Musikstücke, darunter 121 Flötensonaten.

Er war ein großer Liebhaber der Künste, insbesondere der Musik. Als virtuoser Flötist komponierte Friedrich viele eigene Musikstücke, darunter 121 Flötensonaten, vier Konzerte für Flöte und Streicher sowie drei Militärmärsche. Zudem war er dafür bekannt, Gedichte zu verfassen – eines dieser Gedichte, das vermutlich für seinen Geliebten Francesco Algarotti entstand, trug den Titel La Jouissance (übersetzt als „der Orgasmus“). Gedichte wie dieses tragen zu der überwältigenden Fülle an Belegen bei, die darauf hindeuten, dass Friedrich wahrscheinlich homosexuell war. Er liebte die Literatur und die Oper, wenngleich er die deutsche Kultur verabscheute, die er im Vergleich zur französischen Kultur als unterentwickelt und vulgär betrachtete.

Er war ein bedeutender Kunstsammler, insbesondere homoerotischer Werke, und förderte den Bau mehrerer prächtiger Gebäude in Berlin wie die Berliner Staatsoper und das Prinz-Heinrich-Palais. Er richtete die Berliner Akademie der Wissenschaften wieder ein und lud einige der glänzendsten Gelehrten Europas ein, dort Forschung zu betreiben. Friedrich suchte auch den Austausch mit einigen der großen Aufklärungsphilosophen in seiner Zeit. Er bot Jean-Jacques Rousseau über mehrere Jahre hinweg Unterschlupf und führte eine lange Korrespondenz mit Voltaire, wenngleich die beiden sich schließlich überwarfen.

Frederick William II of Prussia
Friedrich Wilhelm II. von Preußen Johan Frederick Clemens (CC BY-NC-SA)

Tod und Vermächtnis

Am Ende seines Lebens verbrachte Friedrich den Großteil seiner Zeit isoliert in seinem Sommerschloss Sanssouci, meistens in Begleitung seiner Italienischen Windspiele. Von ständigen Krankheiten geplagt, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand allmählich bis zu seinem Tod am Morgen des 17. August 1786 im Alter von 74 Jahren. Da er keine eigenen Kinder hatte, folgte ihm sein Neffe Friedrich Wilhelm II. auf den Thron, ein Herrscher, der oft als schwächer und weniger fähig eingeschätzt wurde.

Friedrichs Herrschaft war von weitreichender Bedeutung und veränderte die europäische Geschichte. Er stärkte die Position Preußens auf der Weltbühne und schwächte gleichzeitig die Macht Österreichs sowie der Habsburger Dynastie. Die österreichisch-preußische Rivalität um die Vorherrschaft in Deutschland sollte bis zu Österreichs endgültiger Niederlage im Jahr 1866 andauern. So avancierte Friedrich zu einem Nationalhelden und Symbol der deutschen Einheit und wurde deshalb von Adolf Hitler und der NSDAP glorifiziert. Heute wird er als tatkräftiger Herrscher in Erinnerung behalten, wenngleich viele Historiker hinterfragen, wie viele seiner Errungenschaften ihm tatsächlich zu Recht zugeschrieben werden könnten.

Fragen und Antworten

Wer war Friedrich der Große?

König Friedrich II. von Preußen, besser bekannt als Friedrich der Große, regierte Preußen von 1740 bis 1786. Er ist für seine militärischen Feldzüge bekannt, die Preußen von einer Macht dritten Ranges in eine der bedeutendsten Nationen Europas verwandelten.

Wer war die größte Rivalin Friedrichs des Großen?

Die größte Rivalin Friedrichs des Großen war Maria Theresia, die Herrscherin der Habsburgermonarchie. Um Preußens Macht im deutschen Raum zu steigern, musste Friedrich die Macht der Habsburger schwächen.

War Friedrich der Große LGBTQ?

Ja, die meisten modernen Historiker stimmen zu, dass Friedrich der Große wahrscheinlich LGBTQ war. Die Beweise deuten überwältigend darauf hin, dass er im Laufe seines Lebens gleichgeschlechtliche Beziehungen zu mehreren Männern führte.

Was waren die wichtigsten Schlachten Friedrichs des Großen?

Friedrich der Große gewann in seiner Laufbahn viele bedeutende Schlachten, einschließlich Hohenfriedberg (1745) und Roßbach (1757).

Literaturverzeichnis

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Mark, H. W. (2026, Mai 24). Friedrich der Große: Die Formung des preußischen Staates. (R. Mert, Übersetzer). World History Encyclopedia. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-25996/friedrich-der-grosse/

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Mark, Harrison W.. "Friedrich der Große: Die Formung des preußischen Staates." Übersetzt von Reha Mert. World History Encyclopedia, Mai 24, 2026. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-25996/friedrich-der-grosse/.

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Mark, Harrison W.. "Friedrich der Große: Die Formung des preußischen Staates." Übersetzt von Reha Mert. World History Encyclopedia, 24 Mai 2026, https://www.worldhistory.org/trans/de/1-25996/friedrich-der-grosse/.

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