Französische Revolution

Definition

Harrison W. Mark
von , übersetzt von Marina Wrackmeyer
Veröffentlicht am 12 Januar 2023
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An Allegory of the Revolution (by Nicolas Henri Jeaurat de Bertry, Public Domain)
Eine Allegorie der Revolution
Nicolas Henri Jeaurat de Bertry (Public Domain)

Die Französische Revolution (1789-1799) war eine Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen in Frankreich. Sie war Zeuge des Zusammenbruchs der Monarchie, der Gründung der Ersten Französischen Republik und gipfelte im Aufstieg Napoleon Bonapartes und dem Beginn der napoleonischen Ära. Die Französische Revolution gilt als eines der prägenden Ereignisse der westlichen Geschichte.

Die Revolution von 1789, wie sie manchmal zur Unterscheidung von späteren französischen Revolutionen genannt wird, hatte ihren Ursprung in tief verwurzelten Problemen, die die Regierung von König Ludwig XVI. von Frankreich (regierte 1774–1792) nicht zu lösen vermochte. Diese Probleme betrafen in erster Linie die finanziellen Schwierigkeiten Frankreichs sowie die systembedingte soziale Ungleichheit innerhalb des Ancien Régime. Die Generalstände von 1789, die einberufen wurden, um diese Probleme anzugehen, führten zur Bildung einer verfassungsgebenden Nationalversammlung, einem Gremium gewählter Vertreter der drei Gesellschaftsordnungen, die schworen, sich erst nach Verabschiedung einer neuen Verfassung aufzulösen. In den folgenden zehn Jahren versuchten die Revolutionäre, die unterdrückerische alte Gesellschaft abzubauen und eine neue zu errichten, die auf den Grundsätzen des Zeitalters der Aufklärung beruhte und unter dem Motto „Liberté, égalité, fraternité“ stand.

Obwohl es den Revolutionären zunächst gelang, eine französische Republik zu errichten, wurden sie bald in die Revolutionskriege (1792–1802) verwickelt, in denen Frankreich gegen eine Koalition europäischer Großmächte kämpfte. Die Revolution entwickelte sich schnell zu einer gewalttätigen Paranoia, und in der Terrorherrschaft (1793–94) wurden 20–40.000 Menschen getötet, darunter viele der ehemaligen Revolutionsführer. Nach der Terrorherrschaft stagnierte die Revolution bis 1799, als Napoleon Bonaparte (1769–1821) mit dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Kontrolle über die Regierung übernahm und die Republik schließlich in das Erste Französische Kaiserreich (1804–1814, 1815) überführte. Obwohl die Revolution nicht verhindern konnte, dass Frankreich in eine Autokratie zurückfiel, war sie in anderer Hinsicht erfolgreich. Sie inspirierte zahlreiche Revolutionen in der ganzen Welt und trug dazu bei, die modernen Konzepte von Nationalstaaten, westlichen Demokratien und Menschenrechten zu prägen.

Ursachen

Die meisten Ursachen der Französischen Revolution lassen sich auf wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zurückführen.

Die meisten Ursachen der Französischen Revolution lassen sich auf wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten zurückführen, die durch die Zerrüttung des Ancien Régime („altes Regime“), wie das politische und soziale System des Königreichs Frankreich in den letzten Jahrhunderten seiner ursprünglichen Existenz rückwirkend genannt wird, noch verschärft wurden. Das Ancien Régime war in drei Stände oder soziale Ordnungen unterteilt: den Klerus, den Adel und das Bürgertum. Die ersten beiden Stände genossen viele soziale Privilegien, darunter Steuerbefreiungen, die den einfachen Bürgern, die weit über 90 % der Bevölkerung ausmachten, nicht gewährt wurden. Der dritte Stand leistete manuelle Arbeit und musste den Großteil der Steuern zahlen.

Das rasche Bevölkerungswachstum trug zum allgemeinen Leid bei. 1789 war Frankreich mit über 28 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste Staat Europas. Die Zahl der Arbeitsplätze konnte mit der steigenden Bevölkerungszahl nicht Schritt halten, so dass 8 bis 12 Millionen Menschen verarmten. Rückständige Agrartechniken und eine ständige Reihe von Missernten führten zu Hungersnöten. Unterdessen bedrohte eine aufstrebende Klasse wohlhabender Bürger, das Bürgertum, die privilegierte Stellung der Aristokratie und verschärfte die Spannungen zwischen den sozialen Klassen. Die Ideen des Zeitalters der Aufklärung trugen ebenfalls zu nationalen Unruhen bei. Die Menschen begannen, das Ancien Régime als korrupt, schlecht verwaltet und tyrannisch zu betrachten. Der Hass richtete sich vor allem gegen Königin Marie Antoinette, die als Verkörperung all dessen galt, was mit der Regierung nicht in Ordnung war.

French Revolution and Wars 1789-99
Französische Revolution und Kriege 1789–99
Simeon Netchev (CC BY-NC-SA)

Ein letzter wichtiger Grund war die monumentale Staatsverschuldung Frankreichs, die durch die Bemühungen des Landes, seinen Status als Weltmacht zu erhalten, entstanden war. Teure Kriege und andere Projekte hatten die französische Staatskasse mit Milliarden von Livres verschuldet, da sie gezwungen war, Kredite zu enorm hohen Zinssätzen aufzunehmen. Die ungeregelten Steuersysteme des Landes waren unwirksam, und als die Gläubiger in den 1780er Jahren begannen, die Rückzahlung zu fordern, erkannte die Regierung schließlich, dass etwas getan werden musste.

Der aufkommende Sturm: 1774–1788

Am 10. Mai 1774 starb der französische König Ludwig XV. nach fast 60 Jahren Regentschaft und hinterließ seinem Enkel ein zerrüttetes und zerbrochenes Königreich. Der erst 19 Jahre alte Ludwig XVI. war ein leicht beeinflussbarer Herrscher, der den Ratschlägen seiner Minister folgte und Frankreich in den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verwickelte. Die Beteiligung Frankreichs an der Amerikanischen Revolution schwächte zwar Großbritannien, führte aber auch zu einer erheblichen Verschuldung Frankreichs, während der Erfolg der Amerikaner die despotenfeindliche Stimmung im eigenen Land verstärkte.

1786 wurde Ludwig XVI. von seinem Finanzminister Charles Alexandre de Calonne davon überzeugt, dass das Problem der Staatsverschuldung nicht länger ignoriert werden konnte. Calonne legte eine Liste von Finanzreformen vor und berief die Notabelnversammlung von 1787 ein, um sie abzusegnen. Die Notabeln, eine überwiegend aristokratische Versammlung, verweigerten ihre Zustimmung und erklärten Calonne, dass nur die Generalstände solch radikale Reformen genehmigen könnten. Damit war eine Versammlung der drei Stände des vorrevolutionären Frankreichs gemeint, ein Gremium, das seit 175 Jahren nicht mehr einberufen worden war. Ludwig XVI. weigerte sich, da er erkannte, dass eine Ständeversammlung seine Autorität untergraben könnte. Stattdessen entließ er Calonne und brachte die Reformen vor die Parlements.

Assembly of Notables of 1787
Notabelnversammlung von 1787
Claude Niquet (Public Domain)

Die Parlements waren die 13 Gerichtshöfe, die für die Registrierung königlicher Dekrete zuständig waren, bevor diese in Kraft traten. Die Parlements, die aus Adeligen bestanden, hatten sich lange gegen die königliche Autorität gewehrt, da sie immer noch verbittert darüber waren, dass ihr Stand ein Jahrhundert zuvor vom „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich unterworfen worden war. Sie witterten die Chance, etwas von ihrer Macht zurückzuerlangen, und weigerten sich, die königlichen Reformen zu akzeptieren und schlossen sich stattdessen den Notabeln an, die für Generalstände eintraten. Als die Krone daraufhin die Gerichtshöfe verbannte, kam es im ganzen Land zu Unruhen. Die Parlements hatten sich als Verfechter des Volkes präsentiert und so die Unterstützung der Bürger gewonnen. Einer dieser Aufstände brach am 7. Juni 1788 in Grenoble aus und veranlasste die drei Stände der Dauphiné, sich ohne die Zustimmung des Königs zu versammeln. Dieser als „Tag der Ziegel“ bekannte Aufstand wird von einigen Historikern als der Beginn der Revolution angesehen. Ludwig XVI. erkannte, dass er überstimmt worden war, ernannte den beliebten Jacques Necker zu seinem neuen Finanzminister und berief für Mai 1789 die Generalstände ein.

Der Aufstieg des Dritten Standes: Februar–September 1789

In ganz Frankreich beteiligten sich 6 Millionen Menschen an den Wahlen für die Generalstände, und es wurden insgesamt 25.000 Cahiers de Doléances (Beschwerdelisten) zur Diskussion gestellt. Als die Generalstände von 1789 schließlich am 5. Mai in Versailles zusammentraten, gab es 578 Abgeordnete für den Dritten Stand, 282 für den Adel und 303 für den Klerus. Die doppelte Vertretung des Dritten Standes war jedoch bedeutungslos, da die Stimmen weiterhin nach Ständen und nicht nach Köpfen gezählt wurden. Da die Oberschicht mit Sicherheit gemeinsam abstimmen würde, war der Dritte Stand im Nachteil.

In der Folge weigerte sich der Dritte Stand, seine eigenen Wahlen zu prüfen, was für die Einleitung des Verfahrens erforderlich war. Er verlangte, die Stimmen nach Köpfen auszuzählen – der Adel lehnte dies jedoch strikt ab. In der Zwischenzeit wurde Ludwig XVI. durch den Tod seines Sohnes abgelenkt und die königliche Autorität dadurch gelähmt. Am 13. Juni begann der Dritte Stand mit der namentlichen Abstimmung und verstieß damit gegen das Protokoll, indem er ohne die Zustimmung des Königs oder der anderen Stände mit dem Verfahren begann. Am 17. Juni proklamierte sich der Dritte Stand auf Vorschlag von Abbé Emmanuel Joseph Sieyès offiziell zur verfassunggebenden Nationalversammlung, der Konstituante. Zwei Tage später stimmte der Klerus formell dafür, sich ihr anzuschließen, und der Adel folgte widerwillig. Am 20. Juni trafen sich die Abgeordneten der Nationalversammlung im königlichen Ballhaus, nachdem sie aus dem Sitzungssaal ausgesperrt worden waren. Dort schworen sie den Ballhausschwur und versprachen, sich nicht aufzulösen, bevor sie Frankreich eine neue Verfassung gegeben hätten. Die Französische Revolution hatte begonnen.

The Tennis Court Oath
Der Ballhausschwur
Jacques-Louis David (Public Domain)

Ludwig XVI. erkannte, dass er die Kontrolle zurückgewinnen musste. Anfang Juli rief er über 30.000 Soldaten in das Pariser Becken und entließ am 11. Juli Necker und andere Minister, die als zu freundlich zu den anmaßenden Revolutionären galten. Aus Angst, der König wolle die Revolution niederschlagen, kam es am 12. Juli zu einem Aufstand der Pariser Bevölkerung. Ihr Aufstand gipfelte am 14. Juli im Sturm auf die Bastille, als Hunderte von Bürgern die Festung erfolgreich stürmten, um Munition zu plündern. Der König gab nach, zog seine Soldaten ab und setzte Necker wieder ein. Der jüngste Bruder des Königs, der Graf von Artois, floh in der Nacht des 16. Juli mit einer Gruppe von Royalisten aus Frankreich und war damit der erste von Tausenden von Émigrés, die flohen.

In den folgenden Wochen kam es in Frankreich zu vereinzelten Unruhen, da Gerüchte über aristokratische Verschwörungen kursierten, mit denen die Bürger ihrer Freiheiten beraubt werden sollten. Diese Unruhen führten zu Miniaturversionen des Sturms auf die Bastille, als die Bauern die feudalen Ländereien der örtlichen Grundherren überfielen und die Adligen zwangen, auf ihre Lehnsrechte zu verzichten. Diese Panikwelle, die später als „Grande Peur“ (Große Furcht) bekannt wurde, zwang die Nationalversammlung, sich mit der Frage des Feudalismus auseinanderzusetzen. In der Nacht des 4. August verkündete die Versammlung in einer Welle patriotischen Eifers, dass das Feudalsystem „vollständig zerstört“ sei, und beendete die Privilegien der Oberschicht. Später im selben Monat nahm sie die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte an, ein bahnbrechendes Menschenrechtsdokument, das sich für den allgemeinen Willen des Volkes, die Gewaltenteilung und die Idee der Universalität der Menschenrechte einsetzte. Diese beiden Errungenschaften gelten als die wichtigsten und am längsten anhaltenden Errungenschaften der Revolution.

Declaration of the Rights of Man and of the Citizen, 1789
Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, 1789
Jean-Jacques-François Le Barbier (Public Domain)

Eine Volksmonarchie: 1789–1791

Während die Konstituante langsam ihre Verfassung ausarbeitete, schmollte Ludwig XVI. in Versailles. Er weigerte sich, den Augustdekreten und der Erklärung der Menschenrechte zuzustimmen, und verlangte stattdessen von den Abgeordneten, sein absolutes Vetorecht in die neue Verfassung aufzunehmen. Dies erzürnte die Pariser Bevölkerung, und am 5. Oktober 1789 marschierten 7.000 Menschen, vor allem Marktfrauen, bei strömendem Regen von Paris nach Versailles und forderten Brot und die Annahme der Reformen der Versammlung durch den König. Ludwig XVI. hatte keine andere Wahl, als die Reformen zu akzeptieren, und war gezwungen, seine Isolation in Versailles zu verlassen und die Frauen nach Paris zu begleiten, wo er im Tuilerien-Palast einzog. Dieser Aufstand, der als Poissarden bekannt wurde, führte zum Ende des Ancien Régime und zum Beginn der kurzlebigen konstitutionellen Monarchie in Frankreich.

Die nächsten anderthalb Jahre waren eine relativ ruhige Phase der Revolution – viele Menschen glaubten sogar, die Revolution sei vorbei. Ludwig XVI. stimmte den Reformen der Konstituante zu und zeigte sich sogar mit der Revolution versöhnt, indem er eine trikolore Kokarde annahm. In der Zwischenzeit begann die Konstituante, Frankreich zu regieren, indem sie ihre eigene unglückselige Währung, die Assignaten, einführte, um die ausstehenden Schulden in den Griff zu bekommen. Nachdem sie den Adel entmachtet hatte, wandte sie ihre Aufmerksamkeit nun der katholischen Kirche zu. Die am 12. Juli 1790 erlassene Zivilverfassung des Klerus zwang alle Geistlichen, einen Eid auf die neue Verfassung zu leisten und ihre Loyalität gegenüber dem Staat über ihre Loyalität gegenüber dem Papst in Rom zu stellen. Gleichzeitig beschlagnahmte die Nationalversammlung Kirchengüter und gliederte die Papststadt Avignon wieder in Frankreich ein. Diese Angriffe auf die Kirche entfremdeten viele von der Revolution, darunter auch den frommen Ludwig XVI. selbst.

Am 14. Juli 1790, dem ersten Jahrestag des Sturms auf die Bastille, fand auf dem Marsfeld eine große Feier statt. Unter der Leitung des Marquis de Lafayette sollte das Föderationsfest die Einheit des gerade befreiten französischen Volkes unter der großmütigen Herrschaft seines Bürgerkönigs feiern. Doch der König hatte andere Pläne. Ein Jahr später, in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1791, verließen er und seine Familie verkleidet die Tuilerien und versuchten, aus Frankreich zu fliehen, was als Flucht nach Varennes bekannt wurde. Sie wurden zwar schnell gefasst und nach Paris zurückgebracht, aber der Fluchtversuch hatte das Vertrauen der Bevölkerung in die Monarchie unwiderruflich zerstört. Die Rufe nach der Absetzung Ludwigs XVI. wurden lauter, und einige forderten sogar ernsthaft die Gründung einer französischen Republik. Das Thema spaltete den Klub der Jakobiner, eine politische Gemeinschaft, in der sich Revolutionäre trafen, um ihre Ziele und Vorhaben zu diskutieren. Die gemäßigten Mitglieder, die der Idee einer konstitutionellen Monarchie treu blieben, spalteten sich ab und gründeten den neuen Klub der Feuillants, während sich die verbleibenden Jakobiner weiter radikalisierten.

Return of Louis XVI to Paris After Varennes
Rückkehr Ludwig XVI. nach Paris aus Varennes
Jean Duplessis-Bertaux (Public Domain)

Am 17. Juli 1791 versammelte sich eine Gruppe von Demonstranten auf dem Marsfeld, um die Absetzung des Königs zu fordern. Sie wurden von der Pariser Nationalgarde unter dem Kommando von Lafayette beschossen, was 50 Tote zur Folge hatte. Das Massaker auf dem Marsfeld trieb die Republikaner in die Flucht und verschaffte den Feuillants genügend Zeit, ihre Verfassung durchzusetzen, in deren Mittelpunkt eine geschwächte, liberale Monarchie stand. Am 30. September 1791 trat die neue gesetzgebende Nationalversammlung zusammen, doch trotz der lang erwarteten Verfassung war die Revolution gespaltener denn je.

Die Geburt der Republik: 1792–1793

Viele Abgeordnete der gesetzgebenden Nationalversammlung bildeten zwei Fraktionen: Die eher konservativen Feuillants saßen rechts vom Präsidenten der Versammlung, während die radikalen Jakobiner links von ihm saßen, woraus sich das noch heute verwendete politische Spektrum von links und rechts ergab. Nachdem die Monarchen von Österreich und Preußen in der Pillnitzer Deklaration mit der Zerschlagung der Revolution gedroht hatten, spaltete sich eine dritte Fraktion von den Jakobinern ab und forderte den Krieg als einzige Möglichkeit, die Revolution zu erhalten. Diese Kriegspartei, deren Mitglieder später als Girondisten bekannt wurden, dominierte schnell die gesetzgebende Nationalversammlung, die am 20. April 1792 für eine Kriegserklärung an Österreich stimmte. Damit begannen die Revolutionskriege (1792-1802), während derer sich die alten Regime Europas, die sich von den radikalen Revolutionären bedroht fühlten, zu einer Koalition gegen Frankreich zusammenschlossen.

Zunächst verlief der Krieg für die Franzosen katastrophal. Im Sommer 1792 marschierte eine preußische Armee, begleitet von französischen royalistischen Émigrés, langsam auf Paris zu. Im August veröffentlichten die Invasoren das Manifest des Herzogs von Braunschweig, in dem sie damit drohten, Paris zu zerstören, sollte der französischen Königsfamilie Schaden zugefügt werden. Diese Drohung versetzte die Pariser Bevölkerung in eine hysterische Panik, die am 10. August 1792 zum Tuileriensturm führte, dem Aufstand, der schließlich die Monarchie stürzte. Aus Angst vor konterrevolutionären Feinden, die die Preußen unterstützen könnten, stürmte der Pariser Mob dann die Gefängnisse der Stadt und ermordete bei den Septembermassakern über 1.100 Menschen.

The September Massacres Outside the Abbaye Prison
Die Septembermassaker vor dem Prison de l’Abbaye
Jules-Adolphe Chauvet (Public Domain)

Am 20. September 1792 konnte ein französisches Heer die preußische Invasion unerwartet bei der Kanonade von Valmy stoppen, und am nächsten Tag rief die gesetzgebende Nationalversammlung offiziell die Französische Republik aus. Der spätere republikanische Kalender Frankreichs geht auf diesen Moment zurück, der als die größte Errungenschaft der Menschheit angesehen wurde. Die Nationalversammlung wurde aufgelöst, und der Nationalkonvent wurde einberufen, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Eine der ersten Aufgaben des Konvents war es, über das Schicksal des abgesetzten Ludwig XVI. zu entscheiden. Schließlich wurde er am 21. Januar 1793 vor Gericht gestellt und guillotiniert, während seine Familie bis zum Prozess und der Hinrichtung von Marie Antoinette im Oktober im Turm des Temple gefangen gehalten wurde. Der Prozess und die Hinrichtung Ludwigs XVI. erschütterten Europa und veranlassten Großbritannien, Spanien und die Republik der Vereinigten Niederlande, der Koalition gegen Frankreich beizutreten.

Terrorherrschaft: 1793–1794

Nach dem Niedergang der Feuillants wurden die Girondisten die gemäßigte Fraktion der Revolution. Anfang 1793 stand ihnen eine als Bergpartei bekannte Gruppe radikaler Jakobiner gegenüber, die hauptsächlich von Maximilien Robespierre, Georges Danton und Jean-Paul Marat angeführt wurde. Die Girondisten und die Bergpartei führten eine erbitterte Rivalität bis zum Sturz der Girondisten am 2. Juni 1793, als etwa 80.000 Sansculottes (Revolutionäre aus der Unterschicht) und Nationalgardisten den Tuilerien-Palast umzingelten und die Verhaftung der führenden Girondisten forderten. Diese Forderung wurde erfüllt, und die Girondistenanführer wurden später hingerichtet.

Der Sieg der Bergpartei spaltete die Nation tief. Die Ermordung Marats durch Charlotte Corday fand inmitten von Bürgerkriegen statt, die die junge Republik zu zerreißen drohten, wie der Aufstand der Vendée und die föderalistischen Revolten. Um diese Unstimmigkeiten zu unterdrücken und den Vormarsch der Koalitionsarmeen aufzuhalten, beschloss der Nationalkonvent die Einsetzung des Wohlfahrtsausschusses, der bald fast die gesamte Exekutivgewalt übernahm. Durch Maßnahmen wie Masseneinberufung schlug der Ausschuss die Bürgerkriege brutal nieder und hielt die ausländischen Armeen auf, bevor er sich der Entlarvung von Verrätern und konterrevolutionären Akteuren im Inland zuwandte. Die darauf folgende Terrorherrschaft, die von September 1793 bis Juli 1794 andauerte, führte zu Hunderttausenden von Verhaftungen, 16.594 Hinrichtungen durch die Guillotine und Zehntausenden von weiteren Todesopfern. Neben ehemaligen Revolutionsführern und Tausenden von einfachen Menschen wurden auch Aristokraten und Geistliche hingerichtet.

Cartoon Showing Robespierre Guillotining the Executioner After Having Guillotined Everyone Else
Ein Cartoon zeigt Robbespierre, der nach Hinrichtung aller anderen den Henker selbst guillotiniert
Bibliothèque nationale de France (Public Domain)

Robespierre erlangte in dieser Zeit nahezu diktatorische Machtbefugnisse. Er versuchte, die grassierende Entchristlichung der Revolution einzudämmen, und führte den deistischen Kult des Höchsten Wesens ein, um Frankreich in seine Vision einer moralisch reinen Gesellschaft zu führen. Seine Feinde sahen darin den Versuch, die absolute Macht an sich zu reißen, und beschlossen aus Angst um ihr Leben, ihn zu stürzen. Der Sturz von Maximilien Robespierre und seinen Verbündeten am 28. Juli 1794 beendete den Terror und wird von einigen Historikern als Zeichen für den Niedergang der Revolution selbst angesehen.

Thermidorianer und das Direktorium: 1794–1799

Auf Robespierres Hinrichtung folgte die Thermidorianische Reaktion, eine Periode der konservativen Konterrevolution, in der die Spuren der jakobinischen Herrschaft ausgelöscht wurden. Der Jakobinerklub selbst wurde im November 1794 endgültig geschlossen, und ein jakobinischer Versuch, die Macht im Prairialaufstand von 1795 zurückzuerobern, wurde niedergeschlagen. Die Thermidorianer schlugen einen royalistischen Aufstand am 13. Vendémiaire (5. Oktober 1795) nieder, bevor sie die Verfassung des Jahres III (1795) verabschiedeten und in das Direktorium übergingen, die Regierung, die die Republik in den letzten Jahren der Revolution führte.

In der Zwischenzeit war es den französischen Armeen gelungen, die Streitkräfte der Koalition zurückzudrängen und bis 1797 die meisten Koalitionsländer zu besiegen. Der Star des Krieges war zweifellos General Napoleon Bonaparte, der durch seinen brillanten Italienfeldzug von 1796–97 zu Ruhm gelangte. Am 9. November 1799 übernahm Bonaparte durch den Staatsstreich des 18. Brumaire VIII die Kontrolle über die Regierung und beendete damit das unbeliebte Direktorium. Sein Aufstieg markierte das Ende der Französischen Revolution und den Beginn der napoleonischen Ära.

Fragen und Antworten

Was war die Französische Revolution?

Die Französische Revolution war eine Periode großer sozialer und politischer Umwälzungen in Frankreich, die von 1789 bis 1799 andauerte. Ihr Ziel war es, das alte, unterdrückerische Regime in Frankreich zu beseitigen und eine neue Gesellschaft auf den Grundsätzen der Aufklärung wie dem allgemeinen Willen des Volkes und den natürlichen Rechten zu schaffen.

Was waren die drei Hauptursachen der Französischen Revolution?

Zu den drei Hauptursachen der Französischen Revolution gehörten eine Finanzkrise, die durch die zunehmende Staatsverschuldung verursacht wurde, die grassierende soziale Ungleichheit und die Unfähigkeit des französischen Monarchen und des Ancien Régime (altes Regime).

Wie begann die Französische Revolution?

Die Französische Revolution begann nach allgemeiner Auffassung am 5. Mai 1789 mit dem Zusammentreten der Generalstände, obwohl es stichhaltige Argumente für andere Daten gibt, wie dem Tag der Ziegel im Jahr 1788 oder dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789.

Was beendete die Französische Revolution?

Der Staatsstreich des 18. Brumaire VIII im November 1799 gilt gemeinhin als das Ende der Französischen Revolution, da Napoleon Bonaparte zu diesem Zeitpunkt die Macht in Frankreich übernahm und die napoleonische Ära einleitete.

Was sind einige wichtige Ereignisse der Französischen Revolution?

Zu den wichtigsten Ereignissen der Französischen Revolution gehören die Erstürmung der Bastille durch das Volk, die Verabschiedung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, der Sturz der Monarchie und die Gründung der Französischen Republik, die Hinrichtung von König Ludwig XVI., die Terrorherrschaft und die Revolutionskriege, die sich zu den Koalitionskriegen entwickelten.

Übersetzer

Marina Wrackmeyer
Marina arbeitet hauptberuflich im KEP-Innendienst und nebenbei an der Herausgabe der WHE auf Deutsch. Sie liest und lernt gerne und ist besonders an Sprachen und Geschichte interessiert.

Autor

Harrison W. Mark
Harrison Mark ist ein Absolvent der SUNY Oswego, wo er Geschichte und Politikwissenschaft studiert hat.

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Mark, H. W. (2023, Januar 12). Französische Revolution [French Revolution]. (M. Wrackmeyer, Übersetzer). World History Encyclopedia. Abgerufen auf https://www.worldhistory.org/trans/de/1-19568/franzosische-revolution/

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Mark, Harrison W.. "Französische Revolution." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. Letzte Januar 12, 2023. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-19568/franzosische-revolution/.

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Mark, Harrison W.. "Französische Revolution." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia. World History Encyclopedia, 12 Jan 2023. Internet. 27 Mai 2024.