Tulum

Mark Cartwright
von , übersetzt von Lara Mennel
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Tulum (by Dennis Jarvis, CC BY-SA)
Tulum Dennis Jarvis (CC BY-SA)

Tulum, an der Westküste der Yucatán-Halbinsel im südlichen Mexiko gelegen, war eine bedeutende mesoamerikanische Stätte mit Einflüssen der Maya- und Tolteken-Kulturen. Zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert war Tulum ein wichtiges Handels- und Glaubenszentrum, und dank seiner direkten Meereslage einer der eindrücklichsten Orte in Mexiko.

Erstmals besiedelt wurde Tulum im 6. Jahrhundert. Circa ab dem Jahr 1200 florierte die Stadt, insbesondere unter dem Einfluss Mayapáns, und war ein wichtiges Handelszentrum für typische Waren wie Baumwolle, Nahrungsmittel, Kupferglocken, Äxte und Kakaobohnen. Tulum entging dank seiner geschützten Lage am Rande des Dschungels von Quintana Roo dem Niedergang der Maya-Kultur und blieb größtenteils auch von der spanischen Invasion verschont.

Tulums Zeremonialanlage wurde auf einer 12 Meter hohen Kalksteinklippe erbaut. Drei Seiten wurden von Festungsmauern umgeben, während die vierte Seite auf das offene Karibische Meer hinausblickte. Der Name Tulum selbst stammt aus der Zeit der Kolonisation und bedeutet ‚Mauer‘. Es wird vermutet, dass die Stätte in Anlehnung an die Ausrichtung gen Westen ursprünglich als Zama, ‚Sonnenaufgang‘, bekannt war.

Das grösste Bauwerk ist die Tempelpyramide 'Castillo', welche architektonische Einflüsse der Tolteken-Kultur aufzeigt.

Das Areal innerhalb der Stadtmauern war ausschließlich den Herrschern von Tulum vorbehalten; die Wohngebäude der Bevölkerung befanden sich außerhalb. Das größte Bauwerk ist die Tempelpyramide Castillo (Schloss), welche architektonische Einflüsse wie Nischen über den Türen und schlangenförmige Säulen der Tolteken-Kultur aufzeigt. Auch die Stuckskulptur des Bauwerks hat Ähnlichkeiten mit jenen in Mayapán. Die auffallend gut erhaltenen Fachwerkdächer der Hallen des Castillo und des Gebäudes 25 sind eindrückliche Beispiele für die Baukunst der Bewohner Tulums.

Der Freskentempel ist ein niedriges, viereckiges Gebäude, das über die Jahrhunderte mehrere bauliche Veränderungen erfahren hat. In der Klassik schien der Komplex lediglich aus einem überwölbtem Schrein bestanden zu haben, der später durch eine größere Struktur mit einer Fassade aus vier Säulen erweitert wurde. Wiederum in einer späteren Anpassung wurde dem Gebäude ein zweiter Stock hinzugefügt, wobei der angebrachte Stuck an der Außenseite darauf hindeutet, dass das Gebäude dem Gott Itzamná gewidmet war.

Die frühesten Wandmalereien, welche dem Gebäude seinen Namen gaben, stammen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Einige weitere Malereien wurden später hinzugefügt und könnten sogar aus der Zeit nach der Eroberung Mesoamerikas stammen. Sie zeigen verschiedenste Szenen, so zum Beispiel eine Frau, die auf einem Stein (metate) Korn mahlt, und die Göttin Chak Chel, die zwei Abbildungen des Gottes Chaak trägt. Auch abgebildet ist der aztekische Gott Tezcatlipoca mit seiner schwarzen Augenbinde und türkisen Maske, was Beziehungen zu zentralmexikanischen Zentren vermuten lässt. Die meisten Figuren wurden in einem markanten Blau auf schwarzen Hintergrund gemalt. Schlangenähnliche Umrandungen, die möglicherweise Nabelschnüre und so eine genealogische Verbindung zwischen den einzelnen Figuren darstellen, trennen die Paneele voneinander. Bei mehreren weiteren Gebäuden sind die Innen- und Außenseiten von Mauern mit Fresken verziert. Diese Fresken wurden ausschließlich in den Farben Rot, Blau und Gelb mit schwarzen Konturen gemalt und erscheinen gemeinsam mit Zeichen der Maya-Schrift.

Weitere Bauwerke in Tulum umfassen den dramatisch situierten Tempel des Windgottes, der zu dessen Ehren errichtet wurde und Seefahrern den Weg durch das Riff wies; ein Palastgebäude in schlechtem Erhaltungszustand; mehrere offene Plätze und den Tempel des Herabsteigenden Gottes. Ebendieser Tempel sowie mehrere Stuckfiguren von herabsteigenden, geflügelten Gottheiten lassen vermuten, dass die Stätte zu Ehren dieser seltsamen Gottheit errichtet wurde. Möglich ist, dass eine Verbindung zum Planeten Venus und dem damit assoziierten Gott Xux Ek besteht.

Literaturverzeichnis

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Übersetzer

Lara Mennel
Unendliche Neugierde war und ist eine treibende Kraft in Laras Leben. Mit einem Abschluss in Linguistik und einer Faszination für Geschichte kann sie zwei große Interessen miteinander verbinden. Lara arbeitet als Freelancer für Übersetzungen und Korrekturlesen.

Autor

Mark Cartwright
Mark ist hauptberuflich als Autor, Forscher, Historiker und Redakteur tätig. Zu seinen Spezialinteressen zählen Kunst, Architektur sowie die Erforschung der Ideen, die als gemeinsame Grundlage aller Zivilisationen betrachtet werden. Er hat einen MA in politischer Philosophie und ist Verlagsleiter bei WHE.

Dieses Werk Zitieren

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Cartwright, M. (2025, Juli 26). Tulum. (L. Mennel, Übersetzer). World History Encyclopedia. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-13591/tulum/

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Cartwright, Mark. "Tulum." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, Juli 26, 2025. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-13591/tulum/.

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Cartwright, Mark. "Tulum." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, 26 Jul 2025, https://www.worldhistory.org/trans/de/1-13591/tulum/.

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