Die zwölf Arbeiten des Herakles, die um 600 v. Chr. vom Dichter Peisander zu einem festen Zyklus zusammengefasst wurden, gehören zu den beständigsten mythologischen Erzählungen des antiken Griechenlands. Herakles, als Sohn des Zeus und der sterblichen Alkmene als Halbgott geboren, wurde zum archetypischen Helden voller Stärke, Mut und Leiden. Sein Mythos spiegelt nicht nur das religiöse Denken der Griechen wider, sondern auch umfassendere kulturelle Werte wie Schicksal, Gerechtigkeit und menschliche Widerstandsfähigkeit angesichts göttlicher Feindseligkeit. Unerbittlich verfolgt von Hera, die ihn als unehelichen Sohn des Zeus verachtete, wurde Herakles um sein Erbe betrogen und in den Wahnsinn getrieben, bis er seine Frau und seine Kinder ermordete.
Zur Strafe wurde Herakles vom Orakel von Delphi gezwungen, zwölf Jahre lang König Eurystheus von Mykene und Tiryns (Regierungszeit ca. Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. in der mythischen Chronologie) zu dienen und eine Reihe von scheinbar unmöglichen Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehörten die Tötung des Nemeischen Löwen, das Einfangen des Erymanthischen Ebers, die Reinigung der Ställe des Augias und die Beschaffung der Äpfel der Hesperiden. Im gesamten Mittelmeerraum symbolisierten seine Heldentaten die Konfrontation des Menschen mit dem Chaos, der Natur und der Sterblichkeit, während sein Löwenfellumhang und seine Keule zu seinen charakteristischen Attributen in Kunst und Literatur wurden. Die Arbeiten festigten nicht nur Herakles’ Stellung als größter Held Griechenlands, sondern beeinflussten auch die römische Tradition, wo er als Hercules verehrt wurde und in der Antike Ausdauer und göttliche Kraft verkörperte.

