William Dampier (1651–1715) war ein englischer Entdecker, Navigator und Naturforscher, der als erster Mensch die Erde dreimal umrundete. Er gehört außerdem zu den ersten Engländern, die australischen Boden betraten, als er 1688 mit der Cygnet in den King Sound (nahe dem heutigen Broome in Westaustralien) einlief.
Dieser Teil des australischen Festlands war damals als Neuholland (New Holland) bekannt – ein Name, den der niederländische Entdecker Abel Janszoon Tasman (1603–1659) den westlichen und nördlichen Teilen Australiens im Jahr 1644 gegeben hatte. Dampier wollte die unerforschte Ostküste erkunden und die Küstenlinie der sagenumwobenen „Terra Australis Incognita“ kartieren – der gewaltigen südlichen Landmasse, deren Existenz bereits Aristoteles (384–322 v. Chr.) vermutet hatte, da er folgerte, dass die Kontinentalmassen der Nordhalbkugel durch Land auf der Südhalbkugel ausgeglichen werden müssten.
Eine Reihe von Ereignissen – von heftigen Stürmen bis zum Untergang der HMS Roebuck, einem Schiff der britischen Royal Navy unter Dampiers Kommando – verhinderte letztlich, dass er den südlichen Kontinent umrundete. Hätte er dies geschafft und die Ostküste erreicht, würde er heute als europäischer Entdecker Australiens gelten – mehr als ein halbes Jahrhundert bevor Kapitän James Cook (1728–1779) 1770 in der Botany Bay landete, das Gebiet für die britische Krone in Besitz nahm und es, als Ausgleich zur niederländischen Bezeichnung Neuholland, Neusüdwales (New South Wales) nannte.
William Dampier lief Gefahr, lediglich eine Fußnote der Geschichte zu bleiben – eingereiht zwischen den Sieg von Sir Francis Drake (ca. 1540–1596) über die Spanische Armada im Jahr 1588 und Cooks berühmten Entdeckungsreisen.
Dampier sollte als Australiens erster Naturforscher und als erster Europäer, der die australische Flora und Fauna wissenschaftlich untersuchte, in Erinnerung bleiben. Seine veröffentlichten Reiseberichte führten zudem Wörter wie avocado, flamingo, cashew, chopstick (Essstäbchen), catamaran, barbecue und breadfruit (Brotfrucht) in die englische Sprache ein. Durch seine Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung beeinflusste er Kapitän James Cook, Charles Darwin (1809–1882) und Sir Joseph Banks (1743–1820). Darüber hinaus inspirierte Dampier die Werke von Daniel Defoe (gest. 1731) und Jonathan Swift (1667–1745). Vor allem aber war er wohl einer der besten Seefahrer und Navigatoren seiner Zeit.
Frühes Leben eines Freibeuters
William Dampier wurde 1651 in East Coker in der englischen Grafschaft Somerset als zweiter Sohn des Pachtbauern George Dampier und seiner Frau Anne geboren, die beide starben, als Dampier noch ein kleiner Junge war. Seine Laufbahn zur See begann, als seine Vormünder für ihn eine Lehre bei einem Schiffskapitän in Weymouth arrangierten, die zum Beginn einer rund 4.000 Seemeilen (7.408 km) langen Reise nach Neufundland wurde. Da ihm die eisigen Gewässer und das kalte Klima nicht gefielen, kehrte er nach London zurück und fand 1670 Passage auf dem Ostindienfahrer John and Martha, der nach Bantam auf Java unterwegs war. Auf dieser Reise sammelte Dampier wertvolle Erfahrungen in der Navigation, insbesondere bei der Längenbestimmung sowie der Beobachtung von Wind- und Wettermustern.
Nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Bantam kehrte die John and Martha nach London zurück, und Dampier trat 1672 in die Royal Navy ein. Er wurde der HBMS Royal Prince zugeteilt und nahm an den Seeschlachten von Schooneveld teil, zwei heftigen Seegefechten während des Dritten Englisch-Niederländischen Krieges (1672–1674). Nach einer Erkrankung nahm Dampier 1674 das Angebot an, eine Zuckerplantage (Bybrook) auf Jamaika zu verwalten. Dies sollte sich als eine schicksalshafte Entscheidung erweisen, die zu seinem späteren Leben als Freibeuter auf hoher See führte.
Dampier geriet bald mit seinem Arbeitgeber William Whalley (gest. 1676) über die Leitung der Plantage in Streit und verließ Bybrook, um sein Glück als Holzfäller in der Bucht von Campeche am südlichen Ende des Golfs von Mexiko zu versuchen. Der purpurrote Farbstoff aus Blutholzbäumen erzielte in London hohe Preise, aber 1676 hatte Dampier erkannt, dass es schwer sein würde, dort ein Vermögen zu verdienen, da England und Spanien um die Kontrolle des Blutholzhandels konkurrierten. Seine Zeit als Holzfäller trug jedoch wesentlich zu seiner außergewöhnlichen Fähigkeit bei, die Natur zu beschreiben. Während seines gesamten Lebens führte er sorgfältige Tagebücher, angefangen mit seinen ethnografischen Beobachtungen in der Bucht von Campeche von Affen, Spinnen, Schlangen und Gürteltieren. Dampiers Zeichnungen sowie die Einführung des Begriffs „Unterart“ (subspecies) in die englische Sprache beeinflussten später Darwins Evolutionstheorie.
Nach einem Hurrikan, der im Juni 1676 die Bucht von Campeche heimsuchte, gab Dampier sein Leben als Holzfäller auf. Seine detaillierte Beschreibung dieses Hurrikans gilt unter Wissenschaftlern als die „erste genaue Beschreibung dieses Phänomens“ (Preston, 109).
Kurz darauf schloss sich Dampier einer Gruppe von Freibeutern an (ein Begriff, der speziell für die Karibik und die Pazifikküste Mittelamerikas angegewendet wird) und verdiente sein Geld mit dem Kapern von Schiffen. Als seine Reiseberichte später unter großem Anklang veröffentlicht wurden, versuchte er, seine Zeit als Freibeuter zu verharmlosen, und beschrieb seine Erzählungen stattdessen als wissenschaftliche Forschungsreisen, die aufgrund unglücklicher Umstände in der Gesellschaft von betrunkenen Dieben und Halunken stattfinden mussten. Allerdings betrachteten die Engländer die Freibeuterei als kostengünstiges Mittel gegen die Spanier, die Jamaika vor dessen Eroberung durch England im Jahr 1655 für sich beansprucht hatten. Freibeuter wurden nicht selten in die höchsten Gesellschaftskreise aufgenommen: So wurde etwa Sir Henry Morgan (ca. 1635–1688), ein skrupelloser walisischer Freibeuter, 1674 von König Karl II. von England (Regierungszeit 1660–1685) zum Ritter geschlagen und zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt.
Die folgenden zwölf Jahre verbrachte Dampier auf hoher See und segelte auf verschiedenen Freibeuterschiffen, während er gleichzeitig unablässig seine Beobachtungen über Tiere, Pflanzen und die Menschen, denen er begegnete, festhielt. An Bord der Revenge bei den Kapverdischen Inseln beschrieb er 1683 den Flamingo mit den Worten:
Ich sah einige Flamingos, eine Art großer Vogel, der in seiner Gestalt einem Reiher ähnelt, jedoch größer und von rötlicher Farbe ist. Sie bleiben gern als große Schwärme zusammen und suchen ihre Nahrung im Schlamm oder in Teichen oder an Orten, an denen nur wenig Wasser vorhanden ist… (A New Voyage Round the World, Kap. 4).
Erster Besuch in Neuholland
Im Jahr 1687 schloss sich Dampier dem britischen Kaperschiff Cygnet an, unter dem Kommando von Charles Swan (gest. 1690), und verbrachte drei Jahre an Bord, die ihn über den Pazifik führten. Seine Aufgabe als Navigator ermöglichte es ihm, Winde und Meeresströmungen zu kartieren – die von ihm angefertigten Karten und Diagramme wurden später von Kapitän James Cook genutzt und trugen zu dem Wissensschatz bei, auf dem die im 18. Jahrhundert erstellten Karten der Passatwinde im Pazifik basierten.
Nach einem längeren Aufenthalt in Mindanao auf den Philippinen und einer Beinahe-Meuterei gegen Swan segelte die Cygnet unter dem Kommando von John Read in Richtung der Insel Timor. Dampier hielt in seinen Tagebüchern fest, dass die Nordküste Neuhollands, so wie sie von den Kartografen der Niederländischen Ostindien-Kompanie während Abel Tasmans Entdeckungsfahrten aufgezeichnet worden war, nur 250 Seemeilen (463 km) weiter im Süden lag. Ungeklärt war zu dieser Zeit immer noch, ob die kartierte Küstenlinie Neuhollands zu einer einzigen gewaltigen Landmasse gehörte oder ob sie sich aus mehreren Inseln zusammensetzte.
Die Cygnet musste außerdem gekielholt werden, um den Schiffsrumpf abzudichten und zu reparieren und so lief das Schiff im Januar 1688 in den King Sound ein. Dampier und die Besatzung blieben dort zwei Monate lang, um die Cygnet zu reparieren. Dampier sammelte Pflanzenproben und bewahrte seine Zeichnungen der australischen Flora und Fauna in wasserdichten, mit Wachs versiegelten Bambusrohren auf. Zu den gesammelten Exemplaren gehörte auch die Wüstenerbse (Sturt's Desert Pea) deren Entdeckung dem Binnenforscher Charles Sturt (1795–1869) zugeschrieben wurde, obwohl Dampier sie bereits mehr als 150 Jahre vor Sturt gesammelt hatte.
Während seines Aufenthalts in Neuholland knüpfte Dampier Kontakte zu eingeborenen Australiern, höchstwahrscheinlich den Bardi, aber sein Eindruck war wenig wohlwollend. In seinem 1697 erschienenen Buch A New Voyage Round the World („Neue Reise um die Welt“) schrieb er:
Die Bewohner dieses Landes sind die elendsten Menschen der Welt. … abgesehen von ihrer menschlichen Gestalt unterscheiden sie sich nur wenig von Tieren. … Sie haben lange Gesichter und ein äußerst unansprechendes Aussehen; in ihren Gesichtern findet sich kein einziger anmutiger Zug. (Kap. 16)
Dampiers Beschreibung und seine Haltung beeinflussten später Sir Joseph Banks, der in seinem Endeavour Journal schrieb:
… fünf Menschen, die durch unsere Fernrohre außerordentlich schwarz erschienen. So sehr waren wir von den Vorurteilen beeinflusst, die wir aufgrund von Dampiers Bericht entwickelt hatten, dass wir glaubten, ihre Hautfarbe erkennen zu können, obwohl wir kaum unterscheiden konnten, ob es überhaupt Menschen waren. (22. April 1770)
Prinz Jeoly und Ruhm als Reiseschriftsteller
Dampier war des Lebens als Freibeuter überdrüssig geworden und kehrte 1691 nach England zurück, nachdem er auf seinen Wunsch hin, die Cygnet zu verlassen, mit zwei Schiffskameraden auf den Nikobaren ausgesetzt worden war. Es gelang ihm, eine einheimische proa (ein Doppelhüllenboot) von den Inseln nach Achin auf Sumatra zu segeln, wo er ein Jahr blieb, bevor er mit dem Handelsschiff Curtana zu den Londoner Docks zurückkehrte.
Auf dem Heimweg wurde William Dampier zum Sklavenhändler. Er kaufte in Fort Saint George (Indien) einen stark tätowierten Mann, der als der bemalte Prinz Jeoly bekannt war und ursprünglich aus Miangas (dem heutigen Palmas in Nord-Sulawesi) stammte. Als gewissenhafter Berichterstatter beschrieb Dampier Prinz Jeoly folgendermaßen:
…bemalt über seine gesamte Brust, zwischen seinen Schultern hinten; auf seinen Oberschenkeln (größtenteils) vorne; und in Form mehrerer breiter Ringe oder Armreifen um seine Arme und Beine. (Mundle, 206).
Trotz seiner Jahre als Freibeuter auf See hatte Dampier kaum Einnahmen vorzuweisen; er besaß lediglich seine Tagebücher und gesammelten Exemplare. Er verkaufte Prinz Jeoly (in England als Prinz Giolo bekannt) für eine beträchtliche Summe, woraufhin dieser öffentlich als Kuriosität ausgestellt wurde. Jeoly starb einige Monate später in Oxford an Pocken, und seine Haut wurde konserviert und jahrhundertelang in der Anatomieschule der Universität Oxford aufgehängt.
Dampier verbrachte die nächsten Jahre damit, sein erstes Buch A New Voyage Round the World zu schreiben, das 1697 veröffentlicht wurde und auf seinen zahlreichen Tagebüchern beruhte. Außerdem nahm er wieder Kontakt zu seiner Frau Judith auf, die er seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Sein Buch wurde sofort ein Bestseller und soll den englischen Dichter und Literaturkritiker Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) zu seinem Gedicht The Rime of the Ancient Mariner („Die Ballade vom alten Seemann”) beeinflusst haben. Auch Jonathan Swift soll sich für seine fiktive Figur Kapitän Lemuel Gulliver in Gullivers Reisen an Dampiers Erlebnissen orientiert haben.
A New Voyage Round the World brachte Dampier die Aufmerksamkeit der britischen Admiralität und der Royal Society ein, die ihn einluden, Vorträge über seine Abenteuer und seinen Besuch in Neuholland zu halten. Die Regierung beauftragte ihn dann mit der Leitung der ersten wissenschaftlichen Forschungsexpedition nach Neuholland.
Zweiter Besuch in Neuholland
Die Expedition war von Anfang an von Problemen heimgesucht. Dampier wurde die HMBS Roebuck zugeteilt – ein 29 Meter langes ehemaliges Kriegsschiff mit 26 Kanonen, das sich als nicht seetüchtig erwies. Die Roebuck überquerte den Indischen Ozean und erreichte im August 1699 die Westküste Neuhollands in einer Bucht, die Dampier Shark’s Bay nannte (in der Nähe des heutigen Carnarvon und heute als Shark Bay bekannt).
Er segelte entlang der Westküste nach Norden und kartierte 1.400 Kilometer Küstenlinie zwischen Shark’s Bay und der Lagrange Bay südlich von Broome. Dampier sammelte 20 Exemplare australischer Pflanzen, die im British Museum aufbewahrt sind, und führte detaillierte Aufzeichnungen seiner ethnografischer Beobachtungen.
Über die Landschaft sagte Dampier:
Das am Meer liegende Land ist über etwa etwa 450 bis 550 Meter hinweg trockener Sandboden, der nur verschiedene Arten von Sträuchern und Büschen hervorbringt. Einige von ihnen trugen zu dieser Jahreszeit gelbe Blüten oder Blumen, einige blaue und einige weiße; die meisten von ihnen verströmten einen sehr angenehmen Duft. (A Voyage to New Holland, Kap. 3).
Dampier berichtete auch über die Entdeckung eines Dugongs (einer Seekuh) im Magen eines großen Hais, der in der Shark Bay gefangen worden war. Er beschrieb das Tier als mit dem Kopf und den Knochen eines Nilpferds und mit Zähnen von bis zu zwanzig Zentimeter Länge.
Nach zwei Monaten Forschung und erfolgloser Suche nach Wasser verließ Dampier Neuholland, da die Wasservorräte der Roebuck dringend aufgefüllt werden musste. Er segelte nach Timor und kartierte dabei die Nordküste Neuguineas, wodurch er bewies, dass Neubritannien eine eigenständige Insel war.
Dampiers Hoffnungen, die unerforschte Ostküste von Neuholland zu kartieren, wurden nie erfüllt. Die Roebuck erwies sich wegen ihres wurmzerfressenen Rumpfes als nicht seetüchtig und nachdem sie im Februar 1701 für Reparaturen in die Clarence Bay an der Westküste der Insel Ascension eingelaufen war, sank das Schiff. Dampier gelang es, seine botanischen Exemplare aus der Shark Bay, einige Muscheln, Karten und Illustrationen zu retten. Im August 1701 kehrte er nach London zurück, wo ihn ein unerwartetes Militärgericht sowie eine Untersuchung zum Untergang der Roebuck erwarteten.
Leutnant George Fisher
Als Dampier das Kommando über die Roebuck übernahm, eilte ihm sein Ruf als Freibeuter voraus, was zu Konflikten innerhalb der 50-köpfigen Besatzung führte. Leutnant George Fisher wurde von der Marine als stellvertretender Kommandeur der Roebuck eingesetzt und stiftete Unruhe, indem er andeutete, dass Dampier die Roebuck erneut für Freibeuteraktivitäten nutzen würde.
Vor der Ankunft in Bahia (Brasilien) hatte Dampier Fisher wegen Insubordination auspeitschen lassen, da er befürchtete, der Leutnant könnte eine Meuterei anzetteln. Anschließend übergab er ihn dem Gouverneur von Salvador, der damaligen Hauptstadt des portugiesischen Brasiliens, um auf ein Schiff zu warten, das Fisher nach London zurückbringen würde.
Als Dampier wieder in London eintraf, hatte Fisher bereits seit zwei Jahren gegen Dampier aufgewiegelt und ihn der Grausamkeit beschuldigt. Die Untersuchung zum Untergang der Roebuck – bei der Dampier von aller Verantwortung freigesprochen wurde – fand vor dem Hintergrund der Enttäuschung statt, dass die Ostküste Neuhollands weiterhin ein Rätsel blieb. Dampiers Militärgerichtsverfahren wurde im Juni 1702 an Bord der HMS Royal Sovereign abgehalten. Er wurde der Grausamkeit für schuldig befunden, dazu beordert, das während seiner Zeit als Kommandant der Roebuck erhaltene Gehalt zurückzahlen, und wurde für unfähig erklärt, je wieder eines der Schiffe Seiner Majestät zu befehligen.
Die Überreste der Roebuck wurden 2001 von einem Team im Auftrag des Western Australian Maritime Museums entdeckt. Das Wrack enthielt einige von Dampiers gesammelten Exemplaren, darunter eine Muschelschale, sowie die bronzene Schiffsglocke.
Wieder Freibeuter
Trotz des Untergangs der Roebuck und Dampiers Militärgerichtsverfahren führten der Erfolg seiner veröffentlichten Reiseberichte und der wissenschaftliche Wert seiner gesammelten Pflanzenproben dazu, dass Dampier 1703 wieder als Freibeuter tätig wurde. Auch wenn die Royal Navy seinem Ruf geschädigt haben mochte, stellte ein Konsortium britischer Kaufleute eine Expedition aus zwei Schiffen zusammen, die spanische Schatzschiffe vor der Küste Südamerikas überfallen sollte. Die Spanier waren durch den Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) abgelenkt, und Dampiers erste Reise war als Kommandeur der St. George.
Wie schon bei der Roebuck kam es zu Meinungsverschiedenheiten unter der Besatzung, wobei einige Dampiers Fähigkeit zum Kommandieren und die Seetüchtigkeit der St. George infrage stellten. Das zweite Schiff, die Cinque Ports, wurde von Thomas Stradling befehligt und hatte an Bord außerdem den schottischen Quartiermeister Alexander Selkirk (1676–1721), der 1704 auf eigenen Wunsch auf einer der Juan-Fernández-Inseln vor der chilenischen Küste ausgesetzt wurde. Daniel Defoes Hauptfigur in Robinson Crusoe war von Selkirk inspiriert, und ironischerweise half Dampier 1709 dabei, den Schotten zu retten.
Dampier wurde beschuldigt, eine geheime Vereinbarung mit den Spaniern getroffen zu haben, insbesondere weil er einem mit feinem Leinen, Wein und Wertgegenständen beladenen Schiff erlaubt hatte, seine Reise fortzusetzen, ohne dessen Ladung zu beschlagnahmen. Dennoch kehrte er Ende 1707 nach England zurück und hatte aus seinen Plünderungen feindlicher Schiffe nur wenig vorzuweisen.
Dampiers letzte Reise
Im Jahr 1708 unternahm Dampier seine dritte und letzte Reise, bei der er erneut die Welt umrundete – wiederum als Freibeuter. Ein in Bristol ansässiges Konsortium erwarb zwei Schiffe: die 320 Tonnen schwere Duke mit 30 Kanonen und die 260 Tonnen schwere Duchess mit 26 Kanonen. Dampier war Pilot der Duke; er war jedoch nicht der Kapitän. Die beiden Schiffe umsegelten Kap Hoorn und fuhren in den Südpazifik. Ihr endgültiges Ziel war Brasilien.
Als sie im Februar 1709 in Sichtweite der Juan-Fernández-Inseln kamen, sahen sie Rauch über einem dichten Blätterdach. Der Kapitän der Duke, Woodes Rogers (1679–1732), schickte eine Gruppe an Land, die dort Alexander Selkirk bei guter Gesundheit vorfand. Selkirk hatte sich an das einsame Leben als Schiffbrüchiger gewöhnt, wurde jedoch als zweiter Offizier an Bord der Duke eingesetzt.
Dampiers letzte Expedition war äußerst erfolgreich. Am Neujahrstag 1710 erbeuteten Dampier und die Freibeuterflotte eine Manila-Galeone, die Nuestra Señora de la Encarnación y Desengaño – übersetzt „Unsere Liebe Frau der Menschwerdung und der Enttäuschung“ – vor der Westküste Mexikos. Ihre Ladung bestand aus Moschus, Zimt, chinesischem Porzellan, Silbergeschirr und Juwelen: eine Beute mit einem geschätzten Wert von über 150.000 Pfund (heute etwa 200.000 Dollar). Dampier und die Flotte hatten zwei Monate lang auf der Lauer gelegen und auf spanische Schatzschiffe gewartet, die die Route zwischen Acapulco in Mexiko und Manila auf den Philippinen befuhren.
Dampier kehrte nach London zurück und starb 1715 im Alter von 63 Jahren mit Schulden in Höhe von 2.000 Pfund. Trotz der Erbeutung der spanischen Galeone und ihrer Schätze kam es zu Streitigkeiten darüber, welchen Anteil jeder einzelne erhalten sollte. Dampier starb im Haus seiner Cousine Grace Mercer; seine Frau Judith war bereits Jahre zuvor verstorben. Er ist als brillanter Seefahrer und Navigator in Erinnerung geblieben, mit einem großen wissenschaftlichen Wissensdurst und einer Neugier auf andere Länder und Kulturen. Charles Darwin nahm Dampiers Bücher in seiner Bibliothek an Bord der Beagle mit und Dampiers Einfluss und sein Beitrag zur Entwicklung der Evolutionstheorie könnten so weitaus größer sein, als wir jemals wissen werden.

