Etruskische Keramik wurde über fünf Jahrhunderte hinweg produziert und war äußerst vielfältig. Einheimische Waren wie der schwarz glänzende Bucchero wurden neben rot- und schwarzfiguriger Keramik – modifizierte Imitationen von Produkten aus der griechischen Welt – hergestellt. Die Künstler schätzten geometrische, florale, figürliche und narrative Verzierungen und übernahmen Motive aus dem Nahen Osten und Ionien. Die Nachfrage der Etrusker nach feiner Keramik für den täglichen Gebrauch, für besondere Bankette und als Opfergaben für Götter und Verstorbene war so groß, dass sich sogar ausländische Töpfer und Künstler in den Städten Etruriens niederließen. Keramik war ebenso ein beliebtes Material für figürliche Skulpturen, die besonders auf den Deckeln großer Graburnen zu finden sind, sowie für die Dekoration von Gebäuden in Form von Statuen und dekorativen Plaketten. Neben ihren eigenen Werken, die sie uns hinterlassen haben, bewahrten die Etrusker als große Sammler feiner Keramik für die Nachwelt einige der schönsten jemals hergestellten griechischen Vasen, die heute in den Sammlungen von Museen weltweit zu bewundern sind.
Villanova-Keramik
Die Villanovakultur bestand von etwa 1000 bis 750 v. Chr. während der Eisenzeit in Mittelitalien und war ein Vorläufer der weiter entwickelten etruskischen Zivilisation. In dieser Zeit wurde Keramik von Hand und nicht auf der Töpferscheibe hergestellt. Dabei wurde Ton mit Verunreinigungen aus Glimmer oder Stein verwendet und bei niedriger Temperatur gebrannt, wodurch relativ primitive Waren entstanden. Diese Art von Keramik, bekannt als Impasto, wurde zur Herstellung von Schalen, Vorratsgefäßen, Kochtöpfen, Bechern und Kohlenbecken verwendet. Zum Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. hin gelang es den Töpfern durch langjährige Praxis und Verfeinerung ihrer Technik, die Qualität des Impasto zu verbessern.
Auf den Friedhöfen von Villanova wurden die eingeäscherten Überreste von Verstorbenen in bikonischen Urnen (zwei Vasen, wobei die kleinere als Deckel für die größere diente), die oft mit einfachen eingeritzten geometrischen Mustern, Wirbeln und Swastiken oder sogar einfachen menschlichen Strichfiguren verziert waren, beigesetzt. Einige Urnen sind von Metallstreifen aus Blei oder Zinn umgeben. Eine seltenere Urnenart hat anstelle eines Keramikdeckels einen Bronzehelm mit einer imposanten eckigen Haube und Reliefverzierungen.
Eine weitere verbreitete Form der Verwendung von Terrakotta war die Herstellung kleiner Modelle von Häusern, die zur Aufbewahrung der Asche der Verstorbenen dienten. Vielleicht in Anlehnung an echte Architektur sind diese Modelle an den Außenwänden mit geometrischen Mustern verziert und haben eine Öffnung über der Tür, um Rauch entweichen zu lassen. Sie haben auch Dachverzierungen, die wahrscheinlich die in der späteren etruskischen Architektur so typischen Terrakotta-Verzierungen imitieren.
Keramik in Rot auf Weiß
Diese Art von Keramik, die ihren Ursprung in Phönizien hat, wurde in Etrurien vom Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. hergestellt, insbesondere in Cerveteri und Veji. Die rot gefärbten Gefäße wurden oft mit weißem Schlicker überzogen und dann mit roten geometrischen oder floralen Mustern verziert. Alternativ wurde Weiß verwendet, um Muster auf dem unbemalten roten Hintergrund zu schaffen. Typisch für diesen Stil sind große Vorratsgefäße mit kleinen Deckeln mit Henkeln und Kratere, die auch Szenen wie Seeschlachten und marschierende Krieger zeigen.
Bucchero-Keramik
Bucchero ersetzte weitgehend die Impasto-Keramik aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. und wurde für Alltagsgegenstände sowie für Grabbeigaben und Votivgaben verwendet. Ihm ging eine Zwischenform voraus, die als buccheroides Impasto bezeichnet wird. Diese neue Art von Keramik wurde auf der Töpferscheibe gedreht, gleichmäßiger gebrannt und erhielt durch die Reduzierung der Sauerstoffzufuhr im Brennofen eine gleichmäßige und charakteristische glänzende dunkelgraue bis schwarze Oberfläche (das rote Eisenoxid des Tons wurde in schwarzes Eisenoxid umgewandelt).
Die frühesten bekannten Exemplare stammen aus der Zeit um 675 v. Chr. und wurden in Cerveteri gefunden. Bucchero wurde in vielen etruskischen Zentren (insbesondere Cerveteri, Tarquinia, Veji und Vulci) hergestellt und ist zu einem Markenzeichen der etruskischen Präsenz an archäologischen Stätten in Mittel- und Norditalien geworden. Die Etrusker waren auch als Händler im gesamten Mittelmeerraum tätig, und so wurde Bucchero über Italien hinaus in weit entfernte Gebiete wie Iberien, die Levante und das Schwarze Meer exportiert.
Zu gängigen Formen gehören Schalen, Becher mit einem oder zwei Henkeln, Amphoren, Kelche und Krüge. Aufwendigere Stücke wurden mit dreidimensionalen Figuren von Menschen und Tieren verziert. Votiv- und Grabbeigaben hatten in der Regel die Form von Figuren und Serviertabletts (Focolare) mit Schalen, Tellern, Bechern und Besteck. Die Verzierungen ähneln denen von Metallgefäßen, wobei vor dem Brennen zusätzliche Dekorationen hinzugefügt und eingeritzt wurden, um eine reliefartige Wirkung zu erzielen. Einige Bucchero-Vasen waren mit Blattgold oder Blattsilber überzogen, oder manchmal auch mit einer dünnen Zinnschicht. Die Gefäße waren meist schlicht, aber es wurden teilweise zur Zierde einfache Linien, Spiralen und gepunktete Fächer in die Oberfläche eingeritzt. Manchmal wurde mit rotem Ocker in diese Einschnitte gemalt. Muster und einfach dargestellte Szenen aus der Mythologie konnten vor dem Brennen mit einem Stempel angebracht werden.
Erstaunlicherweise zeigen Bucchero-Gefäße den umgekehrten Trend der Verfeinerung, den man bei vielen anderen historischen Entwicklungen von Keramik beobachten kann. Die Gefäße aus der Frühzeit sind feiner, haben viel dünnere Wände und sind sorgfältiger gefertigt. Diese werden als sottile oder fein bezeichnet und wurden zwischen 675 und 626 v. Chr. hergestellt. Es folgte dann von 625 bis 575 v. Chr. eine Übergangsphase, als transizionale bezeichnet, bevor in der letzten Phase von 575 bis 480 v. Chr. die Waren als pesante oder schwer beschrieben werden. Feinere Waren werden im Allgemeinen mit den südlichen etruskischen Städten assoziiert, während die schwereren Typen eher aus dem Norden stammen. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurde Bucchero durch feinere etruskische Keramik wie schwarz- und rotfigurige Waren ersetzt.
Etruskisch-griechische Waren
Zwischen 670 und 600 v. Chr. wurden viele Tongefäße vor allem aus Korinth, Attika, Ionien und dem Nahen Osten importiert. Beliebte Importwaren aus Phönizien waren Krüge mit Schnabeltülle und die „Pilgerflasche”, eine runde, flache Flasche mit geometrischen Verzierungen. Diese Importwaren und manchmal auch die Einwanderung der Künstler selbst inspirierten etruskische Künstler dazu, ihre eigenen Versionen herzustellen und den neuen Dekorationsstil in ihren eigenen Werken zu kopieren. Pflanzen-, Tier- und Menschenfiguren ersetzten nun die eher strengen geometrischen Muster, die bis dahin vorherrschend waren. Die Waren wurden in so großen Mengen hergestellt, dass Kunsthistoriker anhand des Stils und der Motive mehrere verschiedene etruskische Keramikmaler identifizieren konnten. Einer dieser Künstler ist der Micali-Maler aus Vulci, dem über 200 erhaltene Vasen zugeschrieben werden. Typische Abbildungen sind Szenen aus der griechischen Mythologie, jedoch mit lokalen Ergänzungen und Erfindungen. Die große Caeretaner Hydria, eine Vase mit zwei Henkeln zur Aufbewahrung von Wasser, war eine Spezialität von Cerveteri.
Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich der Brauch, Kolonettenkratere als Urnen zu verwenden, oft mit zwei großen, einander gegenüberstehenden Köpfen bemalt – einem männlichen und einem weiblichen. Obwohl es sich nicht um Porträts im eigentlichen Sinne handelt, wirken sie natürlicher als ähnliche Darstellungen auf griechischer Keramik. Es wurde auch eine einfallsreiche Methode entwickelt, um Metallwaren kostengünstig zu imitieren, indem Tongefäße in ein Becken mit Zinn getaucht wurden, um ihnen eine dünne, ähnlich wie Silber glänzende Beschichtung zu verleihen, woher auch ihre Bezeichnung als „ceramica argentata” stammt. Schließlich wurden auch einzigartig in der faliskischen Region mit Pressformen aufrecht stehende Köpfe einer Göttin (vielleicht Demeter) hergestellt und als Wächter in Gräbern deponiert.
Trotz dieser vielfältigen heimischen Produktion wurden originale griechische Vasen weiterhin hoch geschätzt und häufig in etruskischen Gräbern beigesetzt – für Archäologen eine der besten Quellen für diese Waren außerhalb Griechenlands. So wurden beispielsweise in dem passend benannten Grab der griechischen Vasen in Cerveteri über 150 rot- und schwarzfigurige Tongefäße aus Attika gefunden, die über mehrere Generationen hinweg ab 550 v. Chr. dort beigesetzt worden waren.
Terrakotta-Dachdekorationen
Ein ungewöhnlicher Bereich der Töpferei, der zu einer besonderen Spezialität der Etrusker wurde, war die Herstellung von Terrakotta-Dachdekorationen. Die Idee ging auf die Villanovakultur zurück, wo die Giebeldächer einfacher Hütten mit solchen Verzierungen versehen wurden. Die Etrusker gingen noch einen Schritt weiter als die Griechen, die ähnliche Verzierungen an Gebäuden schätzten, und stellten lebensgroße Figuren her, um die Dächer ihrer Tempel zu verzieren. Auch private Gebäude wurden mit Terrakotta-Verzierungen in Form von Pflanzen, Palmen und Figuren geschmückt. Das beeindruckendste erhaltene Beispiel aus diesem Bereich ist die schreitende Figur des Apollon aus dem Portonaccio-Tempel in Veji (um 510 v. Chr.). Das Innere dieses Tempels war zusätzlich mit Terrakotta-Tafeln verziert, die Szenen aus der Mythologie darstellten.
Terrakotta-Tafeln wurden auch an der Außenseite von Gebäuden verwendet, in der Regel an Giebelenden, und das Format lässt sich am besten an Beispielen aus Acquarossa aus dem 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. erkennen. Sie zeigen Szenen eines Abendmahls oder Trinkgelages mit Gästen, die auf Bänken faulenzen, Musikern und Tänzern, darunter einer, der akrobatisch ein Rad schlägt, und einer Prozession von Kriegern, die Speere und Schilde tragen und von Wagenlenkern begleitet werden. Die Tafeln sind derzeit im Etruskischen Nationalmuseum in Viterbo ausgestellt.
Sarkophage und Urnen
Die Etrusker bestatteten die Asche ihrer Verstorbenen in Urnen aus Terrakotta. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurden auch teilweise Leichen in verzierten Sarkophagen bestattet. Unabhängig von der Art der Bestattung wurde der Deckel von Urne oder Sarkophag oft mit einer Skulptur des Verstorbenen geschmückt, im Falle von Sarkophagen manchmal auch mit einem Paar. Das berühmteste Beispiel für letzteren Typ ist der Ehegatten-Sarkophag von Cerveteri, der sich heute in der Villa Giulia in Rom befindet. Die beiden Figuren liegen auf einer Liege oder einem Bett, wobei der rechte Arm des Mannes um die Schultern seiner Frau gelegt ist. Ursprünglich enthielten sie als Grabbeigaben Gegenstände wie Parfümflaschen oder Eier, Symbole der Wiedergeburt.
In Chiusi findet sich eine weitere interessante Verwendung von Keramik. Frühe Gräber dort enthielten große Terrakotta-Gefäße, in denen „Kanopenkrüge” mit den eingeäscherten sterblichen Überresten der Verstorbenen aufbewahrt wurden. Die Krüge, die in der Regel einen halben Meter hoch sind, wurden so gestaltet, dass sie menschlichen Figuren ähneln, manchmal mit einer Bronzemaske versehen, mit Kleidung, Gürteln und Schmuck bekleidet und auf Miniaturthronen aus Stein, Bronze oder Terrakotta sitzend.
In der hellenistischen Zeit erlebte die Grabkunst einen Aufschwung, und die Figuren, obwohl sie in ähnlichen Posen wie die Sarkophage aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. dargestellt waren, wurden weniger idealisiert und realistischere Darstellungen der Verstorbenen. Sie zeigen in der Regel nur eine Person und waren ursprünglich in leuchtenden Farben bemalt. Die Seiten des unteren Teils der Sarkophage sind oft verziert mit Reliefskulpturen, die Szenen aus der Mythologie oder architektonische Motive darstellen, zum Beispiel Triglyphen und Rosetten. Der Sarkophag der Seianti Hanunia Tlesnasa aus Chiusi ist ein hervorragendes Beispiel dafür und befindet sich heute im British Museum in London.
