Kriegsführung im alten China

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Definition

Mark Cartwright
von , übersetzt von Pia Myeong-Jin Lampert
Veröffentlicht am 07 November 2017
In anderen Sprachen verfügbar: Englisch, Französisch
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Chinese Warrior (by Sam Steiner, CC BY-NC-SA)
Chinesischer Krieger
Sam Steiner (CC BY-NC-SA)

Im alten China war die Kriegsführung ein Instrument, um die Vorherrschaft über eine andere Region zu erlangen, die Staatsgrenzen auszudehnen beziehungsweise zu schützen und nicht zuletzt bestehende Herrscherdynastien zu stürzen. Die Kriegsführung wurde zunehmend technologisch fortschrittlicher und immer zerstörerischer, mit Armeen, die im ersten Jahrtausend v. Chr. bereits Zehntausende von Soldaten umfassten und im ersten Jahrtausend n. Chr. auf mehr als hunderttausend Soldaten heranwuchsen. Die Streitwagen wichen der Kavallerie, die Bögen wurden durch Armbrüste verdrängt und schließlich wurden auch die Steingeschoße, mit Schwarzpulver gefüllten Bomben ersetzt. Die chinesischen Intellektuellen mögen die Kriegsführung und ihre Beteiligten verpönt haben, und es gab bemerkenswerte Perioden relativen Friedens im alten China, aber wie in den meisten anderen antiken Gesellschaften war es für die einfachen Menschen schwierig, sich der unersättlichen Nachfrage des Krieges zu entziehen: Kämpfen oder sterben, Wehrpflicht oder Versklavung, Plünderung oder Hab und Gut verlieren.

Die Rolle der Kriegsführung im alten China

In der chinesischen Bronzezeit kam es häufig zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen lokalen Kriegsherren, die sich die Reichtümer ihrer Nachbarn unter den Nagel reißen wollten. Zweifellos legitimierte der Erfolg dieses Unterfangens deren Herrschaft und erhöhte den Wohlstand der Sieger und ihres Volkes. Diejenigen, die nicht kämpften, wurden ihres Besitzes beraubt, die Behausungen zerstört und in der Regel entweder versklavt oder getötet. Ein Großteil der chinesischen Geschichte wurde bestimmt durch Kriege zwischen verschiedenen Staaten. Trotz allem wurde die Kriegsführung im alten China vielleicht etwas weniger verherrlicht als dies in anderen antiken Gesellschaften der Fall war.

"ES GIBT KEINEN FALL, IN DEM EINE NATION VON EINEM LÄNGEREN KRIEG PROFITIERT HÄTTE" - SUNZI.

Das in China der Krieg wenig Verherrlichung erfuhr, lag vor allem an der konfuzianischen Philosophie und ihrer Literatur, welche die Bedeutung anderer Bereiche des Alltags betonte. Es wurden zwar militärische Abhandlungen verfasst, aber ansonsten sind mitreißende Geschichten von Heldentaten in der Schlacht und kriegerische Themen im Allgemeinen in der chinesischen Mythologie, Literatur und Kunst seltener anzutreffen als beispielsweise in den zeitgenössischen westlichen Kulturen. Selbst so berühmte Werke wie "Die Kunst des Krieges"(5. Jahrhundert v. Chr.) von Sunzi warnten: Es gibt keinen Fall, in dem eine Nation von einem längeren Krieg profitiert hätte.(Sawyer, 2007, 159). Generäle und ehrgeizige Offiziere studierten und memorierten die Literatur darüber auswendig, wie man einen Krieg gewinnt, aber ausgehend vom Kaiser, galt Kriegsführung grundsätzlich als der letzte Ausweg. Die Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.) einschließlich einiger Kaiser der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) trug wesentlich zur Expansion Chinas bei, aber im Wesentlichen wurde die Strategie, die Nachbarn mit riesigen Summen an Silber- und Seide zu entschädigen und gleichzeitig die eigene "zivilisierte" Kultur zu exportieren, als der beste Weg angesehen, die Grenzen des kaiserlichen Chinas zu verteidigen. Erwies sich Krieg schließlich als unvermeidbar, wurden bevorzugt ausländische Truppen zum Kämpfen angeworben.

Kuan Ti - God of War
Kuan Ti- Kriegsgott
Mark Cartwright (CC BY-NC-SA)

Zu den Intellektuellen, die die Kriegsführung ablehnten, gesellten sich auch die Bürokraten, die keine Verwendung für unkultivierte Militärs hatten. Zweifellos war auch die große Mehrheit der chinesischen Bauernschaft nicht besonders kriegsbegeistert, denn letztendlich waren sie diejenigen, die Wehrpflicht, hohe Naturalsteuern zur Finanzierung der kostspieligen Feldzüge und die Überfälle und Plünderungen ihrer Höfe ertragen mussten.

Da die Kaiser, der Landadel, die Intellektuellen und die Bauern sich dessen bewusst waren, was sie in einem Krieg alles zu verlieren hatten, war es, um so enttäuschender dass es in China zu bestimmten Epochen genauso viele Konflikte gab wie anderswo auf der Welt. Befestigungsanlagen waren während der Bronzezeit in so chaotischen Jahrhunderten wie der Herbst- und Frühlingsperiode (722-481 v. Chr.), mit ihren mehr als hundert rivalisierenden Staaten allgegenwärtig, genau wie zur Zeit der Streitenden Reiche (481-221 v. Chr.), die in unglaublichen 358 kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt waren. Mit dem Untergang der Han-Dynastie kam es erneut zu unaufhörlichen Kämpfen zwischen rivalisierenden chinesischen Staaten. Nördliche Nomadenstämme stießen immer wieder bis an die Grenzen Chinas vor, und die chinesischen Kaiser waren ebenfalls nicht abgeneigt, solche Torheiten zu begehen, wie etwa Korea anzugreifen.

Waffen

Die bevorzugte und gebräuchlichste aller Waffen der chinesischen Kriegsführung war der Bogen und daher war die Geschicklichkeit im Umgang mit ihr am meisten geschätzt. Die seit der Jungsteinzeit verwendeten Kompositbögen traten erstmals während der Shang-Dynastie (ca. 1600-1046 v. Chr.) in Erscheinung und wurden so zu einem sehr nützlichen und mächtigen Bestandteil der Angriffsstrategie einer Armee. Die Bogenschützen eröffneten oft die Schlacht, indem sie den Feind mit Massensalven beschossen, um die Flanken der Infanterie zu schützen, wenn diese vorrückte bzw. sich wieder zurückzog. Streitwagen wurden ebenfalls mit Bogenschützen besetzt und auch bei der Kavallerie wurde der Bogen als Hauptwaffe genutzt.

Die vielleicht markanteste und symbolträchtigste Waffe der chinesischen Kriegsführung war die Armbrust. Sie wurde während der Zeit der Streitenden Reiche eingeführt und zeichnete China als eine Nation aus, die zu technischen Innovationen fähig war und über die nötige Ausbildung verfügte, um diese effektiv zu nutzen. Die Han Chinesen setzten Armbrüste mit großem Erfolg gegen "barbarische" Stämme ein, um ihr Reich zu vergrößern, wobei ihre disziplinierten Armbrustschützen sogar in der Lage waren gegnerische Kavallerieeinheiten auszuschalten. Wie die Bogenschützen waren auch die Armbrustschützen in der Regel an den Flanken der Infanterieeinheiten aufgestellt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Armbrust mit fortschreitender Entwicklung leichter, konnte mit einer Hand gespannt werden und mehrere Bolzen abfeuern. Weiter, präziser und kraftvoller als je zu vor. Eine mobile Feldartillerie wurde entwickelt, die auf einem schwenkbaren Sockel montiert werden konnte. Abgesehen von ihrem Potenzial als Offensivwaffe wurde die Armbrust zu einem viel genutzten Mittel zur Verteidigung gut befestigter Städte.

Qin Dynasty Crossbow
Armbrust aus der Qin-Dynastie
Deadkid dk (CC BY-SA)

Schwerter tauchten erst relativ spät auf den chinesischen Schlachtfeldern auf, wahrscheinlich um 500 v. Chr., und es gelang ihnen nie den Bogen oder die Armbrust als Prestigewaffen der chinesischen Armeen zu verdrängen. Das echte Schwert entwickelte sich aus Langdolchen und Speerspitzen, die zum Stechen verwendet wurden, und bestand erst aus Bronze und später aus Eisen. Während der Han-Periode wurden die Schwerter dank besserer Metallbearbeitungstechniken effektiver und die Klingen stärker und schärfer. Weitere Waffen, die von der chinesischen Infanterie eingesetzt wurden, waren unter anderem die allseits beliebte Hellebarde (eine Mischung aus Speer und Axt), Speere, Wurfspeere, Dolche und Streitäxte.

Artillerie kam in der Han-Periode auf, als die ersten steinschleudernden, einarmigen Katapulte zum Einsatz kamen. Die Anwendung war höchstwahrscheinlich auf Belagerungskriege beschränkt, wurde aber sowohl von Angreifern als auch von Verteidigern eingesetzt. Größere Katapulte mit einem Gegengewicht erschienen in China erst ab dem 13. Jahrhundert. Die Artillerie schleuderte Steine, Wurfgeschosse aus Metall oder Terrakotta, Brandbomben mit Naphtha-Öl ähnlich dem "griechischen Feuer" (ab dem 10. Jh. n. Chr.) und, ab der Song-Dynastie (960-1279 v. Chr.), kamen auch Bomben mit Schießpulver zum Einsatz. Der älteste Text über Schießpulver stammt aus dem Jahr 1044 n. Chr., während ein Seidenbanner seine Verwendung bereits im 9. Jahrhundert n. Chr. erwähnt (bei korrekter Datierung). Der Nutzen von Schießpulver wurde im alten China nie vollständig ausgeschöpft, und der Einsatz beschränkte sich auf Wurfgeschosse, die aus einer weichen Hülle aus Bambus oder Papier bestanden und so konstruiert waren, dass sie beim Aufprall Feuer fingen. Die echte Bombe, die bei der Explosion tödliche Splitter verstreute, wurde erst im 13. Jahrhundert n. Chr. entwickelt.

Warring States Helmet
Helm aus der Zeit der Streitenden Staaten
Gary Lee Todd (CC BY-SA)

Rüstungen

Mit zunehmender Tödlichkeit von Pfeilen und Armbolzen, ist es nicht verwunderlich, dass die Entwicklung der Rüstungen sprunghaft anstieg, um einen besseren Schutz für die Krieger zu gewährleisten. Die frühesten Rüstungsexemplare, die unter anderem aus Tigerfellen bestanden, waren zweifellos die beeindruckendsten, ihre Wirksamkeit zum Schutz jedoch gering. Mit Beginn der Shang-Dynastie wurde gehärtetes Leder zur Bedeckung von Brust und Rücken getragen, um Schläge zu dämpfen und abzuwehren. In der Zhou-Dynastie (1046-256 v. Chr.) bestanden flexiblere Rüstungstuniken aus gegerbtem und lackiertem Leder oder Bronze, die in rechteckiger Form hergestellt wurden und mit Hanf verbunden oder vernietet waren. Beispiele für diesen Rüstungstypus sind die Qin-Krieger der Terrakotta-Armee aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Während der Han-Periode wurde Eisen immer häufiger für Rüstungen verwendet.

„HELME UND RÜSTUNGEN WAREN GELEGENTLICH MIT FEDERN, GRAVUREN UND MALEREIEN FURCHTERREGENDER KREATUREN VERZIERT.“

Zusätzlichen Schutz boten Schilde, die anfangs nur aus Bambus oder Leder bestanden, später aber, wie die Körperpanzer, auch Metallelemente enthielten. Helme entwickelten sich auf ähnliche Weiße und schützten in der Regel die Ohren und den Nacken. Helme und Rüstungen wurden gelegentlich mit Federn, Gravuren und Malereien furchterregender Kreaturen verziert oder mit Applikationen aus Edelmetall oder Elfenbein verschönert. Spezialrüstungen wurden zum Schutz für die Kämpfer auf den Streitwägen entwickelt, da eine geringere Mobilität einen vollständigen Rüstungsschutz ermöglichte. Auch bei der schweren Kavallerie waren die Beine des Reiters und das gesamte Schlachtross extra geschützt.

Streitwagen und Kavallerie

Streitwagen wurden in der chinesischen Kriegsführung ab etwa 1250 v. Chr. eingesetzt, fanden aber zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. die häufigste Verwendung. Zunächst galten sie als reines Prestigeobjekt von Feldherren. Später fungierten sie als nützliche Stoßwaffe, die in der Regel mit einem Reiter, einem Bogenschützen und einem Speerträger besetzt waren und aktiv in das Kampfgeschehen eingriffen. Streitwagen wurden sehr oft in Fünfergruppen eingesetzt und von zwei, drei oder vier Pferden gezogen. Sie waren in verschiedenen Ausführungen erhältlich: leicht und schnell, um die Truppen auf dem Schlachtfeld zu bewegen, schwer und gepanzert, um einen massiven Einschlag in die feindlichen Linien zu ermöglichen, umgebaut für den Fernkampf mit schweren Armbrüsten, oder sogar mit einer Plattform versehen, um den Befehlshabern eine bessere Sicht auf das Schlachtgeschehen zu ermöglichen. Das Streitwagenkorps konnte auch eine Armee auf dem Rückzug verfolgen. Da sie aufgrund ihrer Manövrierfähigkeit einen weiten Bereich zum Wenden und flaches Gelände benötigten, wurden sie aufgrund mangelnder Flexibilität ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. durch die Kavallerie abgelöst.

Chinese Qin Chariot
Streitwagen aus der Qin-Dynastie
Erwyn van der Meer (CC BY-NC-ND)

Die Kavallerie war wahrscheinlich eine Erfindung der nördlichen Steppenstämme, die, wie die Chinesen erkannten, viel schneller und beweglicher waren als Streitwagen. Das Problem bestand darin, sich die Fähigkeit anzueignen, nicht nur auf den Pferden zu reiten, sondern auch von ihnen aus Waffen abzufeuern, zu einer Zeit, als der Sattel nicht viel mehr als eine Decke war und die Erfindung des Steigbügels in weiter Ferne lag. Aus diesen Gründen wurde die Kavallerie erst in der Han-Zeit zu einem wichtigen Bestandteil einer Feldarmee. Die Kavalleriekämpfer waren mit Bogen, Lanze, Schwert oder Hellebarde bewaffnet. Ähnlich wie die Streitwagen wurde sie zum Schutz der Flanken und der Rückseite von Infanterieverbänden, als Schockwaffe und zum Beschuss eines Feindes auf dem Vormarsch oder zur Durchführung von Überraschungsangriffen eingesetzt.

Festungsanlagen

Befestigte Siedlung mit einem schützenden Graben (der manchmal geflutet wurde, um einen Wassergraben zu bilden) findet man in China ab dem 7. Jahrhundert v. Chr., während der Bau von Festungsmauern mithilfe getrockneter Erde aus dem späten Neolithikum stammt. Belagerungskriege waren in China jedoch erst ab der Zhou-Dynastie üblich, als die Kriegsführung die vollständige Vernichtung des Feindes und nicht nur seiner Armee zum Ziel hatte. In der Han-Periode war es üblich, die Stadtmauern in der Regel bis zu sechs Meter hoch und aus verdichteter Erde zu errichten. Auch Zinnen, Türme und monumentale Tore trugen zur Verteidigung einer Stadt bei. Die Mauern wurden mit der Zeit auch witterungsbeständiger, indem das Fundament mit Rohstein verkleidet wurden, um Gewässerumleitungen von Angreifern zu verhindern in dem Versuch die Mauern zu untergraben. Eine weitere Technik zur Verstärkung der Mauern war das Vermischen von Erde mit Tonscherben, Pflanzenmaterial, Ästen und Sand. Bis zu 50 Meter breite Gräben, die oft mit Wasser gefüllt waren, und sogar ein Doppelring aus Umfassungsmauern waren weitere Techniken, die sicherstellen sollten, dass eine Stadt einem Angriff lange genug standhalten konnte, damit ein Entsatzheer von anderswo eintreffen konnte.

The Great Wall of China
Chinesische Mauer
Emily Mark (CC BY-SA)

Nicht nur Städte, sondern auch Staatsgrenzen waren durch hohe Mauern und Wachtürme geschützt. Die ersten Mauern wurden wahrscheinlich um das 8. Jahrhundert v. Chr. in Nordchina errichtet. Durchgesetzt hat sich die Praxis des Mauerbaus jedoch erst zur Zeit der Streitenden Reiche, als viele verschiedene mächtige Staaten um die Kontrolle über China wetteiferten. Die meisten dieser Bollwerke wurden vom Siegerstaat, der späteren Qin-Dynastie ab 221 v. Chr., abgerissen, bis auf eine Mauer, die später als die Chinesische Mauer in die Geschichte einging. Sie wurde von den nachfolgenden Dynastien weiter ausgebaut und erstreckte sich schließlich auf über 5.000 km von der Provinz Gansu im Osten bis zur Halbinsel Liaodong. Es handelt sich hierbei um ein Konstrukt, das aus mehreren Mauerabschnitten besteht und mehrere Jahrhunderte lang als Grenzbefestigung diente, um die Nordgrenze Chinas vor Invasionen nomadischer Steppenstämme zu schützen.

Organisation und Strategien

Die Wurzeln der chinesischen Geschichte reichen weit in die Vergangenheit zurück und jede Periode und jede Dynastie zeichnete sich durch ihre eigenen Praktiken und Innovationen in der Kriegsführung aus. Einige Themen ziehen sich jedoch wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kriegsführung in China. Offiziere waren häufig Berufssoldaten (auch wenn ihr Status häufig vererbt war). Einfache Truppen bestanden aus Wehrpflichtigen oder gefangene Soldaten und auch Sträflinge konnten zum Wehrdienst gezwungen werden. Es gab auch Freiwillige, in der Regel stammten diese jungen Männer jedoch aus adligen Familien, die sich als Kavalleristen verdingten auf der Suche nach Abenteuer und Ruhm. Die Organisation einer Feldarmee in drei Divisionen hatte eine lange Tradition in China. Das Gleiche galt für die Fünf-Mann-Einheit, die gewöhnlich aus zwei Bogenschützen und drei Speerträgern bestand und typischerweise bei der Infanterie eingesetzt wurde. Ab der Zeit der Streitenden Reiche, war ein Heer in der Regel in fünf Divisionen unterteilt, die jeweils durch eine Fahne repräsentiert wurden, die ihre Funktion bezeichnete:

  • Roter Vogel - Vorhut
  • Grüner Drache - Linker Flügel
  • Weißer Tiger - Rechter Flügel
  • Schwarze Schildkröte - Nachhut
  • Großer Bär - Kommandant und Leibwächter

Als die Armbrust immer mehr Verbreitung fand bildeten Truppen, die diese Waffe beherrschten, oft ein Elitekorps, während andere Spezialeinheiten als Stoßtruppen eingesetzt wurden, um bei Bedarf auszuhelfen oder den Feind zu verwirren. Wie bereits erwähnt, schützten Bogenschützen und Kavallerie die Flanken der schwereren Infanterie. Auch Streitwagen konnten, wenn sie eingesetzt wurden, die gleiche Funktion erfüllen oder die Nachhut bilden. Diese als in den militärischen Abhandlungen ideal beschriebene Position, kann man auch bei der Terrakotta-Armee von Shi Huangti beobachten. Fahnen, Einheitsfahnen, Trommeln und Glocken wurden auf dem Schlachtfeld verwendet, um die Truppen besser zu organisieren und sie nach den Wünschen des Befehlshabers einzusetzen.

Die Soldaten wurden von engagierten Offizieren unterstützt, die für die Logistik und die Versorgung der Armee mit den notwendigen Lebensmitteln (Hirse, Weizen und Reis), Wasser, Brennholz, Futter, Ausrüstung und Unterkünften zuständig waren, die sie während des Feldzugs benötigten. Sofern die Möglichkeiten es zuließen wurde die Ausrüstung bevorzugt auf Flüssen transportiert. Alternativ hat man auch Ochsenkarren und Pferde eingesetzt und ab der Han-Zeit fanden auch Schubkarren Verwendung. Während der Zeit der Streitenden Reiche und insbesondere in der Han-Dynastie, waren Teile der Armeen mit der Aufgabe betraut, sich durch Ackerbau mit den notwendigen Lebensmitteln zu versorgen, die durch Sammeln, Konfiszierung von Einheimischen oder Erbeutung durch den Feind nicht beschafft werden konnten. Die Einrichtung von Garnisonen mit eigener Nahrungsmittelproduktion und die Verbesserung der Versorgungsstraßen und -kanäle trugen ebenfalls dazu bei, dass die Zeit, die eine Armee effektiv im Feld bleiben konnte, erheblich verlängert wurde.

Die chinesische Kriegsführung war geprägt von schonungslosen Infanterieschlachten, Kavalleriegefechten, Aufklärung, Spionage, List und Hinterhalt. In der Shang- und Zhou-Zeit wurde viel Aufhebens um Kriegsethik gemacht. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass es sich hierbei um eine Erfindung späterer Autoren oder bestenfalls um eine Übertreibung handelt. Als sich die Kriegsführung im 4. Jh. v. Chr. weiter mobilisierte und mehr auf dem Spiel stand, wurde von einem Feldherrn erwartet, dass er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln siegte.

Ein letztes Thema, das sich durch einen Großteil der chinesischen Geschichte zieht, ist der Einsatz von erfahrenen Wahrsagern, die Vorzeichen studieren, die Bewegung und Position von Himmelskörpern beobachten, die Bedeutung von Naturphänomenen einschätzen und Kalender konsultieren konnten, um den günstigsten Zeitpunkt und Ort für die Kriegsführung zu bestimmen. Ohne diese Überlegungen, so glaubte man, würden die besten Waffen, Männer und Taktiken nicht ausreichen, um den endgültigen Sieg zu erringen.

Übersetzer

Pia Myeong-Jin Lampert
Pia hat eine Passion für Geschichte. Sie hat in neun Ländern gelebt und arbeitet als freiberufliche Übersetzerin (EN->DE). Ihr vielfältiger Hintergrund erzählt die Geschichte eines jeden Landes und seiner Menschen: deutsch, finnisch, mongolisch, südkoreanisch, japanisch und nordchinesisch (Han).

Autor

Mark Cartwright
Mark ist hauptberuflich als Autor, Forscher, Historiker und Redakteur tätig. Zu seinen Spezialinteressen gehören Keramik, Architektur, Weltmythologie und die Entdeckung der Ideen, die alle Zivilisationen vereinen. Er hat einen MA in politischer Philosophie und ist Verlagsleiter bei WHE.

Dieses Werk Zitieren

APA Stil

Cartwright, M. (2017, November 07). Kriegsführung im alten China [Ancient Chinese Warfare]. (P. M. Lampert, Übersetzer). World History Encyclopedia. Abgerufen auf https://www.worldhistory.org/trans/de/1-14420/kriegsfuhrung-im-alten-china/

Chicago Stil

Cartwright, Mark. "Kriegsführung im alten China." Übersetzt von Pia Myeong-Jin Lampert. World History Encyclopedia. Letzte November 07, 2017. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-14420/kriegsfuhrung-im-alten-china/.

MLA Stil

Cartwright, Mark. "Kriegsführung im alten China." Übersetzt von Pia Myeong-Jin Lampert. World History Encyclopedia. World History Encyclopedia, 07 Nov 2017. Internet. 15 Jul 2024.