Die Skythen

Definition

Patrick Scott Smith, M. A.
von , übersetzt von Andrea Stoellner
veröffentlicht am 18 März 2021

Ursprünglicher Text auf Englisch: Scythians

Scythian Funeral Procession (by The Creative Assembly, Copyright)
Skythische Begräbnisprozession
The Creative Assembly (Copyright)

Die Skythen waren ein Nomadenvolk, das zwischen dem 7. und 3. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet von Thrakien im Westen über die Steppen Zentralasiens bis zum Altaigebirge in der Mongolei im Osten lebte. Dieses Gebiet entspricht einer Fläche mit einer Länge von rund 4000 km. Die Geographie der offenen Steppenebenen, Wüstensteppen und Waldsteppen dieses Gebiets war besser für Weidewirtschaft geeignet, als für ein sesshaftes Leben und Ackerbau. Dadurch hatten die Skythen nur wenige städtische Gebiete und lebten einen nomadisches Lebensstil, bei dem sie Pferde ritten, sich um Herden kümmerten und in bedeckten Wagen lebten.

Ursprung

Die Skythen hatten eine gemeinsame kulturelle Identität, die sich in ihrem Kriegernomadentum, ihrer Regierungsform und ihrer einzigartigen Kunst und Kleidung ausdrückte.

Während es viel Debatte über skythische Ursprünge gibt, "Herodot behauptet, und die meisten modernen Wissenschaftler*innen stimmen zu, dass sie sich [westlich] von Asien nach Europa über den großen Steppenkorridor bewegten." (A. Yu Alexejew, Scythians, 23) Doch im 1. Jahrhundert v. Chr., gibt der griechische Historiker Diodor an, die Skythen zogen zunächst vom Armenischen Fluss Arax nach Norden. Eine andere moderne Ansicht ist, dass sie sich "in mehreren Wellen von den Wolga-Ural-Steppen ins nördliche Schwarze Meer" nach Süden bewegten (A.I. Melyukova, Scythians and Sarmatians, 99). Im 5. Jahrhundert v. Chr. schreibt Herodot zudem über die Sarmaten, die sich von den Schwarzmeer-Skythen trennten und nach Osten bewegten. Weiters deuten die jüngsten archäologischen Funde in Tuwa im Altaigebirge, welche skythische Siedlung auf das späte 9. Jahrhundert v. Chr. datieren, auf frühe Ursprünge im Osten hin. Da chinesische Geschichtsschreiber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. jedoch von ihren roten Haaren und blauen Augen sprechen, befürworten ihre kaukasischen Züge und ihre indoeuropäische Sprache einen Ursprung der Skythen im bronzezeitlichen Westen, wahrscheinlich von den Kelten.

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Angesichts der Bewegungsfreiheit, welche die zentralasiatische Steppe zulässt, ist es nicht verwunderlich, dass viele deklarierte Migrationen von verschiedenen Orten die Ermittlung von Anfängen erschweren. Letztlich ist es durchaus möglich, dass es nach einer frühen, weitreichenden Expansion aus dem Westen tatsächlich zu Folgewanderungen von vielen Herkunftspunkten kam. Während ihre Herkunft diskutiert wird, herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass skythische Kulturen größtenteils aus vier Hauptgruppen bestand:

  • Pontische Skythen, rund um das Schwarze Meer
  • Sarmaten, aus dem nördlichen Kaspischen Meer und Don und Wolga, im heutigen Russland
  • Massageten in der Wüstensteppe Zentralasiens
  • Saken in Ost-Zentralasien

Alle vier hatten eine gemeinsame kulturelle Identität, die sich in ihrem Kriegernomadentum, ihrer Regierungsform und ihrer einzigartigen Kunst und Kleidung ausdrückte.

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Skythische Kriegsführung

Die militäre Ausrüstung der Skythen umfasste eine breite Palette von Waffen. Neben dem Schießen von Pfeilen vom Pferderücken aus, benutzten sie auch Kampfachsen, Keulen, Lanzen, Schwerter, Schilde und für persönlichen Schutz, Schuppenpanzer und Helme. Aufgrund ihrer kollektiven Fähigkeit, in Bewegung zu bleiben, und mit flinker Kavallerie, so Herodot, seien die Scythen "unbesiegbar und unmöglich zu nähern" gewesen (Historien des Herodot, 4.46). Mit solchen Waffen und taktischen Fähigkeiten ist es nicht verwunderlich, dass verschiedene Nationen oft skythische Militärdienste anforderten.

Im Jahre 490 v. Chr. unterstützten berittenen Bogenschützen der Saken die Perser gegen die Griechen in der Schlacht von Marathon und erneut in der Schlacht von Plataiai 479 v. Chr. Weiters kämpften Skythenkrieger für Dareios III. (r. 336-330 v. Chr.) gegen Alexander den Großen (356-323 v. Chr.) in der Schlacht von Gaugamela im Jahre 331 v. u. Z.. Appian, der römische Historiker, nennt "Skythische Prinze" vom Schwarzen Meer als maßgeblich beteiligt an Gnaeus Pompeius‘ (106-48 v. Chr.) Sieg über Mithridates VI. (r. 120-63 v. Chr.) im Jahre 63 v. Chr. (Mithridatic Wars, 17.119) Zudem kamen die Skythen ihren Cousins und Nachbarn, den Parthern, zu Hilfe, als nach dynastischen Schwierigkeiten der parthische König Sinatrukes I. (r.c. 75-69 v. Chr.) mit Skythenhilfe auf den Thron gesetzt wurde. Laut Cassius Dio spielten die Skythen auch eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung von Artabanos II. (r. 12-38/41 n. Chr.), der selbst halb Skythe war, Armenien für das Partherreich zu sichern. (57.26) Tacitus unterstützt diesen Behauptung, in dem er Artabanos dabei zeigt, wie er "Hilfskräfte in Skythien sammelt", bevor er sich der Schlacht anschließt. (Annals, 6.44.1)

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Scythian Warriors
Skythische Krieger
1900 edition of Encyclopedie Larousse Illustree (Public Domain)

Die Scythen waren jedoch nicht nur Königsmacher oder potente Verbündete. Skythiens spektakulärster Sieg war wohl der gegen das persische Achämenidenreich. Mit einer Strategie der Zermürbung - indem sie den Feind tief in freundliches Gebiet führten, Versorgungslinien ausdehnten und dann mit Angriff-und-Flucht- und Hinterhalt-Taktiken ihre Gegner mit Pfeilen, die vom Pferd aus geschossen wurden, erledigten - verhinderten die Skythen den Übergriff von Dareios dem Großen (r. 522-486 v. Chr.) auf skythisches Territorium. Dies gab ihnen den Ruf, unbesiegbar zu sein. Zusätzlich zu diesem Erfolg erweiterte Atheas (429-339 v. Chr.), König der Pontischen Skythen, das skythische Reich bis nach Thrakien und etablierte so Skythiens westlichste Reichweite vom Don bis zur Donau.

Nach Atheas' Niederlage und Tod durch Philipp II. von Makedonien (r. 359-336 v. Chr.) im Jahre 339 v. Chr. und nachdem sie in einer Falle am Fluss Jaxartes von Alexander dem Großen gefangen wurden, konnten die Skythen nie wieder ihren Ruf als unbesiegbar zurückgewinnen. Weitere Rückschläge kamen, als die Skythen versuchten, das Schwarzmeer-Handelsmonopol der Griechen zu übernehmen, indem sie ihre Kolonien angriffen. Als Mithridates VI. den Griechen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. zu Hilfe kam, zwangen sie die Skythen in eine vernichtende Niederlage, ebenso wie die Römer im Jahr 63 n. Chr., als die Skythen erneut Chersones angriffen. Schließlich verschwanden die Skythen im 4. Jahrhundert n. Chr. vollständig aus den historischen Aufzeichnung, als sie von den Hunnen verwüstet und von den Goten assimiliert wurden.

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Skythische Regierung

Während Herodot sich auf skythische "Könige" bezieht, und auch einige beim Namen nennt, war die skythische Regierung, wie bei den meisten Stammesvölkern, eher eine Konföderation von Stämmen und Häuptlingen. Skythiens konföderierte Stammesstruktur wird in Herodots Bericht über Persiens Invasion in Skythien offenbart, als Dareios Skythiens hohen König Idanthyrsos verspottete und ihn aufforderte, aufzustehen und zu kämpfen oder sich "mit deinem Meister abzufinden". Idanthyrsos antwortete und sagte, das sei nicht Skythiens Kriegsart; sie würden zu ihren eigenen Bedingungen kämpfen. Aber als andere "Skythenkönige" Dareios' Drohung hörten, waren sie apoplektisch. Diese Könige führten sofort Angriff-und-Flucht-Taktiken durch. Sie riefen dann zur Zerstörung der Brücke auf, die die Perser für ihre Flucht nutzen würden. Obwohl es den Skythen nicht gelang, die Brücke zu zerstören, veranlasste das Handeln der Könige Darios zum Rückzug. (Histories, 4.126-142) Letztlich enthüllt Herodots Bericht, dass, während ein hoher König oder Häuptling die Skythen-Nation in der Botschaft zwischen Honoratioren repräsentierte, auch andere Unterhäupter ihre Meinung äußerten und ein bedeutendes Mitspracherecht bei der Umsetzung von Maßnahmen hatten.

Kul-Oba Beaker
Kul-Oba Trinkbecher
Joanbanjo (CC BY-SA)

Genauso wichtig wie ihre Stammesstruktur wäre die kommunale Organisation des skythischen Militärs ein ungesungener Teil ihres Erfolgs gewesen. Ein goldener Becher aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. aus dem Kul-Oba-Kurgan (Grabhügel) auf der Krim zeigt biwakierte Soldaten. Während zwei, mit Speeren und Bögen bewaffnet, das auf sie zukommende Schicksal erwägen zu scheinen, zeigt ein Weiterer vor, wie man einen Bogen spannt; einer entfernt seinem Kameraden den Zahn, während ein anderer das verletzte Bein eines Anderen bindet. Ein weiteres Artefakt in Goldrelief aus dem gleichen Kurgan zeigt ein gemeinsames Ritual, bei dem zwei Krieger zusammen aus einem Horn trinken. Solche Darstellungen offenbaren Lebensweisen, die einen gemeinsamen Zweck und Kameradschaft unter Soldaten bezwecken sollen, wo Individuen, die für Freunde gegen Feinde kämpfen, eine vereinte, widerstandsfähigere Front schaffen. Doch während die skythische Loyalität zwischen den Soldaten in der Tat robust war, war die Gruppe vor allem ihrem Stamm und Stammesoberhaupt treu.

Nomadentum & skythische Architektur

Obwohl die Skythen nicht für ihre Infrastruktur bekannt sind, bedeutet das nicht, dass ihnen architektonische Typen fehlten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Obwohl weithin angenommen wird, dass sie völlig nomadisch waren, erwähnt Herodot zwei andere Arten von Skythen: die "königliche" und die "Landwirtschaftliche" Art. Mehr als nur subsistente Ackerbauern, verkauften oder exportierten einige Bauern ihre Produkte sogar. Diese hätten nicht nur dauerhafte Behausungen gebaut, sondern, da ihre Bemühungen wahrscheinlich kooperativ waren, hätten sie auch Siedlungen entwickelt. Nördlich des Schwarzen Meeres in der Heutigen Umgebung des Dneper-Flusses erwähnt Herodot Bauern, die ein Land "drei Tage Reise" breit und "elf Tage Reise" lang bewohnen (Histories, 4.17-20). Die Größe dieses Bezirks spiegelt eine erhebliche Nachfrage nach Getreideprodukten wider. Architektonisch würden solche Unternehmen auch ein System von Lagerhallen für die Lagerung und Straßen zu Transferstellen benötigen.

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SKYTHISCHE HAUSWAGEN WURDEN VON GRUPPEN VON OCHSEN GEZOGEN & KONNTEN ZWEI ODER DREI ZIMMER HABEN.

Was die königlichen Skythen betrifft, so haben wir einerseits die Architektur ihrer Grabhügel, die Kurgane, mit sorgfältig aufgeschüttetem Erdwerken und Katakomben, andererseits scheint es, dass sie aber auch mit einem gewissen Maß an Beständigkeit in befestigten Siedlungen residierten. Die Größe der Erdwerke der Belsk-Festung im Dneper-Flusstal in der Ukraine spiegelt nicht nur die Überwindund eines erheblichen Überbaus (20 Meilen oder 33 km Umfang) wider, sondern deutet auch darauf hin, dass es ein Zentrum des Handwerks, des Reichtums und des weit verbreiteten Handels war. Trotzdem waren die Skythen, wie alte Quellen bezeugen, meist nomadisch. Mehr als eine Quelle erwähnt ihre Häuser auf Rädern. Diese überdachten Hauswagen wurden von Gruppen von Ochsen gezogen und konnten zwei oder drei Räume haben. Je nach Rang des Bewohners konnten Böden und Wände opulent geschmückt sein. Wenn versammelt, sahen die Hauswagen aus wie eine Stadt.

Skythische Kultur: Kunst, Musik & Kleidung

Vieles von dem, was über skythische Kultur gelernt wird, stammt aus den jüngsten Kurganfunden nördlich des Schwarzen Meeres. Während alte schriftliche Quellen sich auf ihren nomadischen, kriegerischen Charakter konzentrieren, fügen skythische Begräbnisgüter ihrer bemerkenswerten kulturellen Raffinesse und sozialen Lebendigkeit eine weitere Ebene des Verständnisses hinzu. Neben dem Maß an aufwendiger Handwerkskunst in glitzerndem Gold erzählen viele Stücke eine Lebensgeschichte und so ist ein Kamm nicht nur ein Kamm, sondern wird gefertigt, um Krieger in heftigen Kämpfen zu zeigen. Eine Pektorale oder Gorget, aus dem Tovsta Mohyla Kurgan, die im oberen Register, mit exquisiten segmentierten Details, Szenen aus dem täglichen Leben zeigt: das Melken eines Schafes, zwei Männer, die ein Hemd nähen, Kalb und Fohlen beim Säugen. Im Gegensatz dazu zeigt das untere Register dramatische Beute-/Raubtierszenen von Katzen, die einen Hirsch erlegen und Greife, die Pferden beißen und verkrallen. An ausgewählten Stellen zum Hals hin sind Miniaturversionen von Ziegen, Kaninchen, Hunden, Heuschrecken und Vögeln.

Scythian Golden Pectoral from Tovsta Mohyla
Skythische Pektorale
Terminator (Public Domain)

So bieten die Artefakte des Schwarzen Meeres einzigartige, manchmal dramatische Momentaufnahmen der skythischen Mode, Interessen, Überzeugungen, Gewohnheiten und Alltagsbilder, wie es nur wenige Grabbeigaben tun. Viele, wie der Ringkragen, haben Beute/Raubtier-Themen, während ruhende Katzen oder liegende Hirsche ebenfalls üblich waren. Die skythische Vorliebe schwankte zwischen bemerkenswert realistischen Darstellungen inmitten der Handlung und der abstrakten Darstellung der Realität. So könnte ein Hirsch oder eine Katze genau dargestellt oder einzigartig stilisiert werden.

Gleich ihrem phantasievollen Geschmack in Gold bieten "die gefrorenen Gräber des Altai eine unvergleichliche Vision des schieren Ausgelassenheit des Nomadenkleides: die Liebe zu hellen, kontrastierenden Farben und komplizierten Dekorationen, die durch Nähte, Stickereien und die Befestigung von Lederausschnitten entstehen" (Cunliffe, 207). Zu den Kleidungsstücken gehören aufwendig verzierte Schuhe, Leggings, Ärmel und ein Damencape mit Pelzrand. Ebenso wurde die Raffinesse ihrer Kleidungsstücke durch eine Affinität zu Tätowierungen ergänzt. Tattoo-Kenner heute würden sich über die Schulter-zu-Hand-Kunst freuen, die auf den Armen einer Person aus Pazyrk zu sehen ist. Unauslöschlich tätowiert sind abstrakte Bilder von eingerollten Katzen, Hirschen, Widdern, Antilopen und Ziegen.

Mummy of the Ukok Princess
Mumie der Ukok Prinzessin
Kobsev (Public Domain)

Darüber hinaus zeigen die Entdeckungen am Schwarzen Meer nicht nur die praktische Wahl von Hosen und Tunika für Pferdemenschen in einem kalten Klima, sondern auch die skythische Liebe zu Musik und Tanz. Einige Gegenstände zeigen erotische Tänzer (wieder fachmännisch inmitten des Moments eingefangen) zur Musik schwingen. Am Sachnovka Kurgan wurde ein goldenes Stirnband gefunden, das einen Mann zeigt, der die Lyre spielt. Panflöten aus Vogelknochen wurden bei Kurgan 5 in Skatovka gefunden. In mehreren Gräbern in Pazyryk wurden Ochsenhorntrommeln ausgegraben, und ein erstaunlicher Fund eines harfenartigen Instruments, das mindestens vier Saiten hatte, stammt aus Kurgan 2. Barry Cunliffe beschreibt es als "aus einem einzigen ausgehöhlten hölzernen Resonator gemacht, der mittlere Teil des Körpers war mit einem hölzernen Resonanzbrett bedeckt, während klingende Membranen über den offenen Teil des Körpers gespannt wurden" (226-27). Die Töne, die ein erfahrener Musiker aus diesem Instrument hervorbrachte, müssen bemerkenswert gewesen sein.

Religiöse Ursprünge

Die Funde aus den Skythenkurganen zeigen auch einen Glauben an das Jenseits auf. Neben Kunstgegenständen wurden in den Hügeln der verstorbenen Elite auch Waffen, Rüstungen, Wagenteile, Teppiche, Textilien verschiedener Art, Haushaltsgegenstände, Lebensmittel und in Amphoren versiegelter Wein platziert. Eine solche Fürsorge und Versorgung ihrer Verstorbenen spiegelt wider, wie Renate Rolle sagt, "eine Erwartung des Jenseits" (The Scythians, 118).

VEREHRUNG & SYMBOLIK DER ELEMENTE WAREN EIN INTEGRALER TEIL DES SKYTHISCHEN GLAUBENSSYSTEMS.

Wie in allen alten Kulturen waren Verehrung und Symbolik der Elemente ein integraler Bestandteil des skythischen Glaubenssystems. Mit der flachen Weite der Steppe, über die sie reisten, wäre ein markantes Merkmal in ihrem täglichen Leben der Himmel gewesen, als er die Erde am Horizont traf. Ein weiteres manifestes Merkmal, aus dem die Steppe wenig Flucht bietet, wäre die Sonne gewesen. Dann war da noch das Feuer. Mit der Sicherheit gegen wilde Bestien in der Nacht und dem täglichen praktischen Nutzen in der Küche und Metallurgie, war Feuer in der Antike wesentlich und hatte erheblichen symbolischen Bedeutung. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Erde, der Himmel, die Sonne und das Feuer einen besonderen theologischen Wert für die Skythen hatten. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass Idanthyrsos in seiner Zurückweisung an Darius sagte, Hestia (Feuergöttin) und Zeus (Gott des Himmels) seien die einzigen Götter, denen er sich beugen würde (Herodot, Histories, 4.127.4.).

Herodot erzählt von acht Gottheiten, die die Skythen verehrten. Neben Hestia und Zeus, bei den Skythen als Tabitha und Papaeus bekannt, gab es Api (Mutter Erde), Goetosyrus (Apollo) und Argimpasa (Aphrodite). Obwohl Herodot ihre Skythennamen auslässt, erwähnt er auch Herkules, Ares und Poseidon. Diese Götter stellten Elemente dar, mit denen die Skythen vertraut waren: Ares wurde mit Krieg und Apollo mit der Sonne in Verbindung gebracht. Das Erde-trifft-Himmel-Bild drückte sich im Glauben aus, dass alle anderen Götter geboren wurden, als der Himmelsgott Papaeus sich mit Mutter Erde vereinte. Während wenig über sie bekannt ist, wird angenommen, dass das Skythenäquivalent zu Aphrodite Argimpasa war, verwandt mit Arti, der iranischen Göttin des materiellen Überflusses. Schließlich, als ein wesentliches Element ihres militärischen Erfolgs – dem Pferd – erwähnt Herodot Thagimasadas als Äquivalent von Poseidon, jedoch nicht als Gott des Meeres, sondern als Schutzpatron des Pferdes.

Während Herodot den skythischen Glauben aus seiner Perspektive des griechischen Pantheons aus verstand, sagt er, dass die Skythen keine Bilder, Altäre oder Tempel hatten. Und tatsächlich offenbaren die Kurganfunde nur wenige Götter und wenn, nur von Argimpasa, ihre Muttergöttin. Wie Cunliffe erwähnt: "Die Gottheiten der oberen Bereiche des Pantheons scheinen nicht anthropomorphisiert worden zu sein, oder zumindest sind keine bestimmten Darstellungen von ihnen bekannt" (276).

Skythien‘s Krieger-Frauen: Die Amazonen-Verbindung

Ein erstaunlicher Aspekt bei der Untersuchung von Skythien ist schließlich die herausragende Rolle, die Frauen im militärischen und politischen Leben ihres Volkes gespielt haben. Unerreicht bis in die Neuzeit, scheint es, dass einige - als Gruppe - sozialen Status gleich ihren Männern gewonnen haben. Während Erzählungen der Amazonen ihren Weg in die moderne Geschichte fanden (Wonder Woman), ist die Realität ihrer Geschichte seit langem umstritten. Herodots Bericht erzählt die Geschichte einer fremden Rasse von Kriegerfrauen, die an die Küsten von Skythien kamen. Als Gruppe behielten sie ihre Unabhängigkeit bei, vermischten sich aber schließlich mit einer Gruppe junger Skythen, die ihnen von skythischen Ältesten geschickt wurden. Obwohl sie verschiedene Sprachen sprachen, reisten die beiden Gruppen nach Osten, um ihren eigenen Stamm zu bilden. Herodot behauptet, die Sarmaten seien das Ergebnis dieser Vereinigung gewesen und sprachen eine hybride Skythensprache. Darüber hinaus behielten diese Kriegerfrauen ihre Unabhängigkeit, indem sie ihren alten Gewohnheiten beibehielten, oft auf eigene Faust jagten und an der Seite ihrer Männer kriegten. Sie untersagten auch ihren Töchtern, zu heiraten, bis sie einen Mann im Kampf getötet hatten. (Geschichten, 4.110-117)

Amazonomachy Detail
Amazonomachie Detail
Daderot (Public Domain)

Appian bestätigt den Souverän-Krieger-Status der Skythenfrauen. Wenn er Pompey‘s Triumph vom Sieg über Mithridates VI. beschreibt, inkludiert er zur Prozession der gefangenen Könige und Generäle, "weibliche Herrscher von Skythien" (Mithridatic Wars, 17.116-17). Die Tatsache, dass Appian weibliche Herrscher erwähnt, Plural und gegenwärtig, deutet auf einen breiten, gemeinsamen, üblichen und kooperativen Status der Herrschaft hin. Darüber hinaus deutet Herodots Bezug auf Tomyris, die skythische Kriegerkönigin, die Cyrus den Großen (ca. 600-530 v. Chr.) im Kampf Jahrhunderte zuvor besiegte, erneut auf eine Tradition weiblicher Souveränität hin (Geschichten, 1.205-14).

Die archäologischen Aufzeichnungen zeigen auch einen breiten kriegerischen, wenn nicht gar souveränen Status für Skythenfrauen. 1993 fanden Ausgrabungen im östlichsten Bereich der Skythenkonföderation Ak-Alakha auf dem Ukok-Plateau im Altai-Gebirge die Grabstätte einer reichen Skythenfrau. Dass sie die zentrale Figur der Grabstätte war, begraben mit Statusgegenständen, umgeben von sechs gesattelten Pferden, macht es wahrscheinlich, dass sie zumindest eine der wichtigsten Eliten ihres Volkes war. Schließlich, so Cunliffe, sind auf sarmatischem Territorium "ein Fünftel der ausgegrabenen Kriegerbestattungen aus dem fünften bis vierten Jahrhundert sind weiblich, während auf skythischem Territorium mehr als vierzig weibliche Kriegerbestattungen bekannt sind" (219).

Literaturverzeichnis

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Übersetzer

Andrea Stoellner
Andrea ist eine begeisterte Wissenschaftlerin und Wissenschaftskommunikatorin. Mit ihrem Studium der Physik ist sie vor allem den Naturwissenschaften zugetan, aber freut sich genauso über den gelegentlichen Abstecher in die Welt der antiken Geschichte!

Autor

Patrick Scott Smith, M. A.
Patrick Smith, M.A., hat Forschungen für die American Schools of Oriental Research und die Missouri Academy of Science vorgestellt. Als Autor der Association for the Scientific Study of Religion gewann er 2015 den Frank Forwood Award für exzellente Forschung.

Dieses Werk Zitieren

APA Stil

A., P. S. S. M. (2021, März 18). Die Skythen [Scythians]. (A. Stoellner, Übersetzer). World History Encyclopedia. Abgerufen auf https://www.worldhistory.org/trans/de/1-645/die-skythen/

Chicago Stil

A., Patrick Scott Smith, M.. "Die Skythen." Übersetzt von Andrea Stoellner. World History Encyclopedia. Letzte Änderung März 18, 2021. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-645/die-skythen/.

MLA Stil

A., Patrick Scott Smith, M.. "Die Skythen." Übersetzt von Andrea Stoellner. World History Encyclopedia. World History Encyclopedia, 18 Mär 2021. Internet. 02 Aug 2021.