Uluru

Jack Coller
von , übersetzt von Lara Mennel
veröffentlicht
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Uluru (by Angelo Giordano, Public Domain)
Uluru Angelo Giordano (Public Domain)

Uluru (auch bekannt als Ayers Rock) ist ein großer, natürlich vorkommender Inselberg im australischen Northern Territory. Er erhebt sich auf 348 Meter über die umgebende Buschlandschaft und hat einen Umfang von 9,4 Kilometern. Das Alter des Sandsteins wird auf etwa 600 Millionen Jahre geschätzt. Für die Stämme der zentralaustralischen Anangu, den Ureinwohnern der Western Desert, ist der Uluru eine heilige Stätte. Obwohl der Uluru offiziell von William Goose, einem Angestellten der südaustralischen Regierung, im Jahr 1873 ‚entdeckt‘ wurde, lebten die Anangu-Völker seit mehr als 30‘000 Jahren in diesem Gebiet und sind auch heute noch in der Gegend beheimatet. Den Namen ‚Ayers Rock‘ wählte Goose zu Ehren von Sir Henry Ayers, der zur diesem Zeitpunkt Premierminister Südaustraliens war. Der Uluru beheimatet viele antike Petroglyphen und Felszeichnungen. Für die Einheimischen, unter anderem Mitglieder der indigenen Sprachgruppen der Pitjantjatjara und Yankunytjatjara, besitzt die Stätte auch eine große Bedeutung in heiligen Traditionen und Kultur und eine reiche Geschichte. Heute zählt der Uluru mit dem ihn umgebenden Nationalpark von Uluru-Kata Tjuta zum UNESCO Weltnaturerbe.

BEDEUTUNG

ULURu und DIE mENSCHEN DER REGION VERFÜGEN ÜBER EINE UNMENGE von ALTEN TRADITIONEN, wISSEN, WEISHEITEN, ERZÄHLUNGEN, LIEDERn, ZEREMONIEN UND GESCHICHTE.

Die religiösen und kulturellen Traditionen der Anangu-Völker sind als Tjukurpa bekannt. Das Wort selbst hat mehrere Bedeutungen, symbolisiert aber die Lebensweise und religiöse Kultur der Anangu. Viele der Geschichten, Lieder, Zeremonien und Tänze der Tjukurpa stellen die Kreation des Uluru sowie die Flora, Fauna und die Menschen der Region in den Fokus. Darüber hinaus ist der Uluru untrennbar mit Tjukurpa oder der traditionellen Rechtsprechung verbunden. Die Anangu verstehen sich selbst als verbunden zu den traditionellen Schöpferahnen des Landes und glauben, dass sie direkt von ihnen abstammen. Sie sehen den Schutz und die Erhaltung der angestammten Gebiete, auf denen sie leben, als ihre Aufgabe an. So war und ist der Uluru eine heilige und geschützte Stätte für die Anangu-Völker. Die Bevölkerung der Gegend bewahrt eine Vielzahl von alten Traditionen, Wissen, Weisheiten, Erzählungen, Liedern und Zeremonien, wovon viele über Jahrtausende von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Von den ursprünglichen Jägern und Sammlern bis zu den heutigen Anangu sind diese Traditionen und die Religion ein bedeutender Aspekt der Kultur und Gesellschaft der Anangu geblieben.

FELSZEICHNUNGEN UND PETROGLYPHEN

Die Felszeichnungen der Anangu wurden mit einer Mischung aus natürlichen Mineralien wie rotem und gelbem Ocker, eisenhaltigem Ton, Wüsteneiche, Kohle und weißer Asche auf den Steinen verewigt und tauchen auf der gesamten Fläche des Uluru und der Parklandschaft auf. Die Zeichnungen und Petroglyphen haben alle eine direkte Verbindung zur Kultur der Anangu-Tjukurpa. Ähnlich wie andere Religionen, die Schriften zur Vermittlung von Ideen und Philosophien verwenden, dienen die Darstellungen der Schöpfungsgeschichte und anderer Legenden religiösen Zwecken. Mithilfe dieser Felszeichnungen lehren die Anangu Stammesmitglieder und Außenstehende die spirituellen Geschichten der Traumzeit und stellen so sicher, dass ihre Tradition fortlebt.

Mutitjulu Waterhole
Mutitjulu-Wasserloch Pitsch22 (CC BY-SA)

Im Gegensatz zu anderen alten Geschichten und Traditionen überlebt die Anangu-Kultur bis heute. Aufgrund der heiligen Bedeutung der Stätten und der Auffassung, dass „Wissen verdient werden muss“ (Uluru-Kata Tjuta National Park Visitor's Guide), ist das Fotografieren vieler dieser alten Felszeichnungen und Petroglyphen leider nicht erlaubt.

ERWÄHNENSWERTE STÄTTEN

Nachfolgend ist eine Liste von einigen bedeutenden religiösen oder heiligen Stätten, an welchen Zeremonien, Lehren oder andere Handlungen, die in Zusammenhang mit den Ureinwohnern des Uluru stehen, abgehalten wurden. In kulturell sensiblen Bereichen ist das Fotografieren untersagt.

  • Mutitjulu-Wasserloch – Eine dauerhafte, von Klippen und Wasserfällen überragte alte Wasserquelle auf der Südseite des Uluru. Als natürliche Quelle sichert das Wasserloch das Überleben der Flora und Fauna des umgebenden Areals und bietet verschiedenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat.
  • Kulpi Mutitjulu (Mutitjuluhöhle) – Die Höhle wurde von alten Stämmen genutzt, um die gefangene Beute des Tages zu teilen und zu verteilen, oder um Kindern die Geschichten der Traumzeit, die auf vielen Felszeichnungen in der Höhle dargestellt sind, näherzubringen. Die vielen Symbole und Abbildungen innerhalb der Höhle könnten „eine Wasserstelle, einen Lagerplatz oder einen anderen bedeutenden Ort“ darstellen (Webseite Parks Australia, Kulpi Mutitjulu).
  • Taputji (kulturell sensibler Bereich) – Etwas abseits im Nordosten des Uluru gelegen, in der Nähe von Kuniya Piti. Taputji war ein Ort, wo die frühen Jäger und Sammler Nahrung und Pflanzen gesammelt und an die Mitglieder der Stämme verteilt haben.
  • Tjukatjapi, Pulari und Mala Puta (kulturell sensibler Bereich) – Diese heiligen Stätten für Frauen befinden sich jeweils an der nördlichen, nordwestlichen und südlichen Seite des Uluru. Die Felszeichnungen und Petroglyphen sind von tiefer Bedeutung für die Frauen der Anangu und stellen ein Pendant zu den religiösen Schriften anderer Kulturen und Religionen dar.
  • Kantju-Schlucht – Mit ihrem Wasserfall und Klippen ähnelt die Kantju-Schlucht dem Mutitjulu-Wasserloch. An der nordnordwestlichen Seite des Uluru, zwischen Mala Puta und Warayuki gelegen, bietet sie für viele Tiere und Pflanzen einen wasserreichen Rückzugsort.
  • Warayuki (kulturell sensibler Bereich) – Warayuki ist eine höhlenähnliche Anlage für Männer und liegt neben Tjukatjapi auf der Nordseite des Uluru. Die Stätte ist Männern der Anangu heilig und von großer religiöser Bedeutung.
  • Kuniya Piti (kulturell sensibler Bereich) – Stätte für Männer mit ähnlichen Felszeichnungen und Petroglyphen wie in Mala Puta und Pulari. Befindet sich auf der östlichen Seite des Uluru in der Nähe von Taputji und hat bis heute eine vergleichbare Bedeutung für die Ureinwohner.

ULURU HEUTE

Seit der Übertragung der Eigentümerschaft des Uluru in 1985 zurück an die Pitjantjatjara wird der Uluru von den Ureinwohnern der Gegend und der National Parks and Wildlife Agency of Australia gemeinsam verwaltet. Das Gebiet rund um den Uluru ist unglaublich reich an interessanten und historisch bedeutenden Stätten. Berühmten oder wichtigen Besuchern wie Staatsoberhäuptern wird von den Ältesten das Mutitjulu-Wasserloch gezeigt. Die Anangu selbst steigen nicht auf den Uluru und, obwohl es grundsätzlich nicht verboten ist, fordern sie Besucher auf, aufgrund der heiligen Natur und historischen Bedeutung der Stätte nicht auf den Berg zu steigen. Die Stätte ist nicht nur essentiell für die Bewahrung von Erinnerungen und Traditionen der australischen Ureinwohner, sondern spielt auch eine große Rolle in der Weitergabe genau dieser immateriellen Güter. Wie es der Archäologe R. G. Gunn so treffend ausdrückte:

Bis zum heutigen Tag ist die zentralaustralische Felskunst von realer Bedeutung für ihre Hüter – eine Bedeutung, die von Verwaltern der Stätte und Wissenschaftlern gleichermaßen anerkannt werden muss. (Gunn, 125)

Literaturverzeichnis

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Übersetzer

Lara Mennel
Unendliche Neugierde war und ist eine treibende Kraft in Laras Leben. Mit einem Abschluss in Linguistik und einer Faszination für Geschichte kann sie zwei große Interessen miteinander verbinden. Lara arbeitet als Freelancer für Übersetzungen und Korrekturlesen.

Dieses Werk Zitieren

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Coller, J. (2025, Juli 27). Uluru. (L. Mennel, Übersetzer). World History Encyclopedia. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-17941/uluru/

Chicago Stil

Coller, Jack. "Uluru." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, Juli 27, 2025. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-17941/uluru/.

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Coller, Jack. "Uluru." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, 27 Jul 2025, https://www.worldhistory.org/trans/de/1-17941/uluru/.

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