Die Karolinger (751–887) waren eine Familie fränkischer Adliger, die während des frühen Mittelalters über Franken und seine Nachfolgekönigreiche in West- und Mitteleuropa herrschten. Ihre Dynastie dehnte sich von Franken bis ins heutige Italien, Spanien und Ungarn aus und regierte das nach ihnen benannte Karolingerreich (800–887) – eine politische Einheit, die erst im 19. Jahrhundert an Größe übertroffen werden sollte.
Der Name „Karolinger“ leitet sich von dem im Herrschergeschlecht gebräuchlichen Namen Karl ab und bezieht sich zunächst auf Karl Martell (688–741), an den man sich heute wegen seiner Rolle bei der Zurückdrängung der Mauren in Gallien erinnert, und auf Karl den Großen, König der Franken (regierte 768 bis 814) und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (regierte 800 bis 814). Mit der Krönung Karls des Großen zum römischen Kaiser im Jahr 800 wurde das Heilige Römische Reich gegründet, obwohl diese Bezeichnung anachronistisch ist und sich erst im 12. Jahrhundert etablierte.
Die karolingischen Könige und Kaiser beherrschten zu ihrer Zeit die Politik Mitteleuropas, sahen sich jedoch ständigen Anfechtungen ihrer Herrschaft ausgesetzt. Trotz seiner Macht nagten Erbfolgestreitigkeiten, Bürgerkriege und Gebietsaufteilungen Mitte des 9. Jahrhunderts am karolingischen Herrschergeschlecht. Die Teilungen bildeten die politische Grundlage für das Heilige Römische Reich sowie für das moderne Frankreich, Deutschland und Italien. Die territoriale Ausdehnung der Karolinger, ihre Politik und ihr Verhältnis zur mittelalterlichen Kirche werden oft als grundlegend für die Entwicklung des modernen Europas angesehen.
Aufstieg der Karolinger
Die Karolingerdynastie entstand aus der Vereinigung der Häuser der Pippiniden und Arnulfinger und gelangte im 8. Jahrhundert in Franken an die Macht, als ihr politischer Vorgänger, die Merowingerdynastie (458–751), zusammenbrach. Das Reich der Merowinger, die von Chlodwig I., dem König der Franken (reg. 481–511/513), abstammten, umfasste Burgund, Gallien, Schwaben und die Westschweiz, einschließlich der Routen durch die Alpen in die Lombardei. Die merowingischen Herrschaftsgebiete unterlagen dem Teilungserbrecht, das die Königreiche dezentralisierte und sie anfällig für interne Konflikte machte. Die daraus resultierenden Territorialkriege unter den Merowingern führten dazu, dass der dynastische Einfluss an die Hausmeier – Beamte, die einem modernen Premierminister ähnelten – verloren ging. Die Hausmeier fungierten de facto als politische Verwalter und beaufsichtigten alle Hofgeschäfte und Teilungsvereinbarungen. Als der Einfluss der Merowinger aufgrund von Unruhen und Kriegen schwand, übernahmen die Hausmeier die Rolle der eigentlichen Machthaber, während die Könige als nur noch als zeremonielle Aushängeschilder fungierten.
Mitglieder des karolingischen Geschlechts trugen seit dem Ende des 7. Jahrhunderts den Titel des Hausmeiers in Austrasien, der nordöstlichen Region Frankens am heutigen Schnittpunkt von Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden, aber die historische Bedeutung der Familie wurde erst zu Lebzeiten von Karl Martell erreicht. Karl wurde nach dem Tod seines Vaters, Pippin dem Mittleren von Herstal, Hausmeier von Austrasien (regierte 714 bis 741) und beendete die Bürgerkriege der Merowingerzeit. Ende 718 vereinigte Karl die verschiedenen Regionen Frankens unter seiner alleinigen Herrschaftsgewalt. Nach dem Tod des Merowingerkönigs Theuderich IV. im Jahr 737 weigerte sich Karl, einen neuen Monarchen einzusetzen, und regierte bis zu seinem Tod praktisch allein über Franken.
Karl Martell baute seinen Einfluss weiter aus, indem er die rebellischen Königreiche Frankens unterwarf, die benachbarten Staaten zu Tributzahlungen verpflichtete und die christlichen Missionsziele im heidnischen Osten unterstützte, insbesondere die des Bonifatius. Als christlicher Kriegsherr erlangte Karl zeitgenössischen und historischen Ruhm für seine Erfolge gegen die muslimische Expansion des Umayyaden-Kalifats in Frankreich und insbesondere für seinen Sieg in der Schlacht von Tours und Poitiers im Jahr 732. Im Jahr 739 bat Papst Gregor III. (amtierte 731 bis 741) Karl Martell um sein Eingreifen auf der italienischen Halbinsel, um die päpstlichen Ländereien gegen die Langobarden zu verteidigen. Karl Martell starb 741, doch die päpstlich-karolingische Beziehung sollte sich im Laufe der Zeit festigen.
Nach Karls Tod ging die Herrschaft über Franken auf seine Söhne Pippin den Jüngeren und Karlmann über, die jedoch 747 abdankten. Um ihre Herrschaft zu stabilisieren, stellten die Brüder die Monarchie der Merowinger wieder her und machten Childerich III. (regierte 743 bis 751) zu ihrem Marionettenkönig. Im Jahr 751 setzte Pippin der Jüngere (auch bekannt als Pippin III. oder Pippin der Kurze) Childerich ab und bestieg den Thron selbst. Pippin wurde anschließend von Papst Zacharias (amtierte 741 bis 752) zum ersten karolingischen König der Franken (regierte 751 bis 768) gekrönt, wodurch die Merowinger offiziell entmachtet und die Herrschaft des karolingischen Geschlechts legitimiert wurde.
Pippin nutzte seine neue Rolle, um den Einfluss des fränkischen Königreiches in Europa auszuweiten. Im Jahr 754 stellte er sich auf Geheiß von Papst Stephan II. (amtierte 752 bis 757) dem Einfall der Langobarden in das päpstliche Gebiet entgegen. Die Franken besiegten die Langobarden erfolgreich und eroberten die Provinz Ravenna, die Pippin anschließend dem Papst schenkte. Die Pippinsche Schenkung, wie diese Transaktion bezeichnet und bekannt wurde, begründete den Kirchenstaat und unterstützte künftige päpstliche Ansprüche auf weltliche Autorität.
Karl der Große
Pippin der Jüngere war zwar der erste der karolingischen Könige, doch erst sein Sohn Karl der Große machte die Dynastie unsterblich. Karl der Große, der für seine militärische Führung, seine Intoleranz gegenüber Heiden und seinen aggressiven Expansionismus bekannt war, regierte nach dem Tod seines Vaters als König der Franken von 768 bis 814 und nach seiner Krönung durch Papst Leo III. (amtierte 795 bis 816) als römisch-deutscher Kaiser von 800 bis 814. Von seiner Hauptstadt Aachen in Austrasien aus regierte er an der Seite seines Bruders Karlmann I. als Mitkönig, aber das schlechte Verhältnis zwischen den Geschwistern führte zu Streitigkeiten, bis Karlmann 771 starb. Karl der Große regierte dann allein nur mit der Unterstützung des fränkischen Adels und der Kirche.
Während seiner Herrschaft baute Karl der Große das fränkische Reich zu einem blühenden west- und mitteleuropäischen Imperium aus, indem er seinen Einfluss in allen Gebieten durch Eroberungen stärkte. Im Jahr 772 begann er die Sachsenkriege, eine gewaltsame Eroberung des heidnischen Sachsens bis zur vollständigen Unterwerfung unter die karolingische Gerichtsbarkeit im Jahr 804. Karl der Große setzte das päpstliche Bündnis von Pippin fort und trat 773 zur Verteidigung des Papsttums gegen die Langobarden an. Als Sieger eroberte er 774 das Langobardenreich, gliederte es in sein aufstrebendes Reich ein und nahm den Titel König der Franken und Langobarden an. Bis zu seinem Tod im Jahr 814 hatte Karl der Große die Größe des fränkischen Königreiches verdoppelt und es durch Eroberungen nach Westen bis nach Barcelona, Katalonien und in die Bretagne, nach Süden durch Italien bis nach Rom und nach Osten bis nach Bayern, Böhmen, Kärnten, Kroatien und Ungarn auf seinen territorialen Höhepunkt ausgedehnt.
Gleichzeitig führte Karl der Große erfolgreich im ganzen Reich ein religiöses und moralisches Reformprogramm durch, das als Karolingische Renaissance bezeichnet wird. Neben der Christianisierung der eroberten Völker umfassten die karolingischen Reformen auch die Vereinheitlichung der kirchlichen Praktiken und des Kanons, Entwicklungen in Bildung und Alphabetisierung des Adels sowie die Erstellung religiöser und bildender Texte.
Karl der Große schloss ein Bündnis mit Papst Leo III. (amtierte 795 bis 816), der Schutz vor seinen lokalen Widersachern und ausländischen Bedrohungen der kirchlichen Autorität suchte. Am 25. Dezember 800 krönte der Papst Karl den Großen zum römischen Kaiser. Obwohl die Krönung einen Versuch des Papstes darstellte, das Römische Reich unter päpstlicher Aufsicht wiederzubeleben, war der Titel eine reine Ehrung und schuf stattdessen die Grundlage für ein neues Karolingisches Reich (800–887) sowie dessen Nachfolger, das Heilige Römische Reich. Die unmittelbaren Folgen waren jedoch konkreter: Der römische Titel Karls des Großen verschaffte ihm legitime Ansprüche auf die lombardischen und italienischen Königreiche.
Teilung und Niedergang
Der letzte lebende Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme (Ludwig I.; regierte 813 bis 840), erbte das Karolingerreich nach dem Tod Karls des Großen im Jahr 814, nachdem er eine kurze Zeit als Mitkaiser regiert hatte. Obwohl er kein Krieger wie sein Vater war, trug Ludwig Konflikte mit benachbarten Völkern wie den Basken, Dänen und Wikingern aus. Er führte auch viele der Reformprogramme Karls des Großen fort und setzte sich für die Einheit der Christen in seinem Reich ein, bleibt aber vor allem durch seine Neuordnung der politischen Struktur des Reiches in Erinnerung. In seinen ersten Jahren als Kaiser verteilte Ludwig die Kontrolle über die regionalen Königreiche innerhalb des Reiches an verschiedene Verwandte und entschied sich für die „kaiserliche Führung untergeordneter Königreiche anstelle eines zentralisierten Einheitsstaates“ (Wilson, 41).
Im Jahr 817 wählte Ludwig seinen ältesten Sohn Lothar I. (regierte 840 bis 855 als römisch-deutscher Kaiser) zum Erben und Mitkaiser und übertrug seinen anderen Söhnen die Kontrolle über die untergeordneten Regionen. Diese territorialen Aufteilungen und Nachfolgepläne führten zu Rivalitäten und Auseinandersetzungen zwischen den Karolingern und anderen fränkischen Adligen. Die Dezentralisierung des karolingischen Reiches verlieh den lokalen Regierungen und Herrschern mehr Autorität und förderte so die Entwicklung des europäischen Feudalismus und schwächte den Einfluss des Kaiserthrons. Wie die vorangegangenen merowingischen Herrscher verloren auch die Karolinger aufgrund der von ihnen geförderten Dezentralisierung allmählich an Macht.
Im Jahr 830 lösten familiäre Rivalitäten über Ludwigs Machtverteilung und seine Pläne für die kaiserliche Nachfolge für die nächsten zehn Jahre unterbrochen andauernde karolingische Bürgerkriege aus. Nach dem Tod Ludwigs des Frommen im Jahr 840 beanspruchte Lothar I. die Herrschaft über das gesamte Karolingerreich, was den Konflikt auf seinen Höhepunkt brachte. Im Jahr 843 wurde der Krieg durch den Vertrag von Verdun beendet, der das karolingische Reich in drei Domänen – Ostfrankenreich, Mittelreich und Westfrankenreich – aufteilte, die den Söhnen Ludwigs des Frommen zugeteilt wurden. Den Kaisertitel trug Lothar I. allein. Er beanspruchte Mittelfranken, den zentralen Teil des Reiches, der sich von Italien im Süden bis nach Friesland im Norden erstreckte. Ostfranken fiel an Ludwig den Deutschen, während Karl der Kahle, der jüngste Sohn, König von Westfranken wurde. Von diesem Zeitpunkt an erlebte die karolingische Dynastie einen starken Niedergang, da die drei Erben und ihre Nachkommen untereinander und mit regionalen Adligen um Machtansprüche stritten.
Das Königtum Ludwigs des Deutschen (regierte 843 bis 876) in Ostfranken stieß in Sachsen und an seiner Ostgrenze auf Konflikte. Während die rheinischen Gebiete des Königreiches fest etabliert waren und den königlichen Hof beherbergten, waren die östlichen Gebiete weitgehend dezentralisiert und anfällig für äußere Bedrohungen. In Sachsen sah sich Ludwig mit dem Stellingaaufstand konfrontiert, einem Aufstand sächsischer Bauern, die sich während der vorangegangenen Bürgerkriege mit Lothar I. verbündet hatten, nachdem dieser versprochen hatte, ihnen die Rechte zurückzugeben, die ihnen von Karl dem Großen vor ihrer Bekehrung vom Heidentum zum Christentum entzogen worden waren. Das Militär Ludwigs des Deutschen schlug den Aufstand der Sachsen und die östlichen Konflikte mit Böhmen und Mähren nieder. Ludwig der Deutsche starb 876, und seine Territorien gingen an seine drei Söhne Karlmann von Bayern (regierte 876 bis 879), Ludwig III. den Jüngeren von Sachsen (regierte 876 bis 882) und Karl III. (auch bekannt als Karl der Dicke; regierte 876 bis 887).
Nach dem Tod Lothars I. im Jahr 855 wurde Mittelfranken durch die Teilung von Prüm weiter in die Königreiche Lotharingien, Italien und Provence aufgeteilt. Lothars Sohn, Ludwig II. von Italien, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (regierte 855 bis 875) und König von Italien (regierte 843 bis 875), erbte den Kaisertitel und regierte Italien mit breiter aristokratischer Unterstützung, während Lotharingien Lothar II. zugewiesen wurde (regierte 855 bis 869) und die Provence an den jüngsten Sohn Karl (regierte 855 bis 863), ging. Ab dem Erbe Ludwigs II. im Jahr 855 bis 924 trug der König von Italien in der Regel den Kaisertitel.
Während seiner Herrschaft als Kaiser unternahm Ludwig II. einen langwierigen Angriff auf das Emirat von Bari in der süditalienischen Region Benevento. Er war erfolgreich, doch die Beneventer lehnten seine Herrschaft zugunsten des Byzantinischen Reiches ab. Nach dem Vertrag von Meerssen im Jahr 870 wurde die nördliche Region Mittelfrankens weiter zersplittert und an die benachbarten fränkischen Königreiche übertragen, so dass den Lotharingiern nur noch die burgundischen und italienischen Gebiete blieben. Ludwig II. starb 875 ohne einen legitimen Erben, was zum Aussterben der Lotharingischen Linie und zu einer Reihe von Nachfolgekonflikten um die Übertragung Italiens führte.
Karl der Kahle, der jüngste Sohn Ludwigs des Frommen, regierte als König von Westfranken von 843 bis 877 und Italien von 875 bis 877 und nach dem Tod seines Neffen Ludwig II. als Kaiser von 875 bis 877. Von den drei Nachfolgern Ludwigs des Frommen hatte Karl die meisten Konflikte zu bewältigen. Während seiner gesamten Regierungszeit war das Westfrankenreich ständig von dänischen Wikingern und von einem anderen Neffen, Pippin II., bedroht, der 838 Aquitanien erbte und dort bis 864 als König herrschte. Pippin II. weigerte sich, sich Karl dem Kahlen zu unterwerfen, nachdem ihm im Vertrag von Verdun das gesamte westliche Königreich zugesprochen worden war, was mehr als zwei Jahrzehnte lang zu ununterbrochenen Kriegen führte. Kurz nach dem Tod Ludwigs II. im Jahr 875 fiel Karl in Italien ein und übernahm die Herrschaft von seinem Neffen, Karlmann von Bayern. Karl der Kahle starb 877 und gab Italien an Karlmann zurück. In Westfranken folgten ihm seine Söhne, Ludwig der Stammler (Ludwig II. von Westfranken; regierte 877 bis 879) und Karlmann II. von Westfranken (regierte 879 bis 884). Der Kaiserthron blieb jedoch bis 881 unbesetzt.
Sturz von der Macht
Der Tod der karolingischen Könige zwischen 875 und 880 brachte die Dynastie ins Wanken, da regionale Adlige in jedem der Königreiche versuchten, die Macht an sich zu reißen. Nach dem Tod der Könige von Lotharingien und des Westens gingen die Königreiche an den letzten lebenden Sohn Ludwigs des Deutschen über, Karl III., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (regierte 881 bis 887), König des Ostfrankenreiches (regierte 876 bis 887), Italiens (regierte 879 bis 887) und des Westfrankenreiches (regierte 884 bis 887). Ab 876 regierte Karl als Mitkönig des Ostfrankenreiches zusammen mit seinem Bruder Ludwig III. und als alleiniger König nach dessen Tod im Jahr 882. Er erbte Italien 879 nach der Abdankung seines ältesten Bruders Karlmann und verteidigte 880 den Kirchenstaat gegen eine Invasion von Wido von Spoleto (regierte 872 bis 882), einem entfernten Verwandten der Karolinger. Im Gegenzug für sein militärisches Eingreifen wurde Karl III. von Papst Johannes VIII. (amtierte 872 bis 882) zum Kaiser gekrönt. Nach dem Tod seines Neffen Karlmann II. von Westfranken im Jahr 884 wurde Karl III. von den Adligen des Königreiches eingeladen, die Königswürde von Westfranken zu übernehmen.
Karl III. vereinigte das Karolingerreich kurzzeitig wieder, nachdem er 894 zum Herrscher über drei karolingische Hauptkönigreiche geworden war, doch seine Vormachtstellung wurde im ganzen Land angefochten. Das Reich brach endgültig zusammen, als er 887 von regionalen Adligen abgesetzt wurde, nachdem sein unehelicher Neffe Arnolf von Kärnten (regierte 887 bis 899) die Herrschaft über Ostfranken durch einen Staatsstreich an sich gerissen hatte. Die karolingische Dynastie wird in der Regel mit der Absetzung Karls als beendet angesehen. Zwar überlebte die karolingische Linie, und einige Vertreter behielten die Kontrolle über lokale Herzogtümer und Grafschaften, doch erreichte ihre Macht nie die Höhe der ihrer Vorfahren.
Das karolingische Reich wurde erneut in einzelne Territorien aufgeteilt: die Königreiche Ostfrankenreich, Westfrankenreich, Burgund und Italien. Die Adligen des westlichen Königreiches wählten Odo von Paris (regierte 888 bis 898), einen Vorfahren der Kapetinger von Frankreich, zu ihrem König, während Rudolf I. von Burgund in gleicher Weise zum König von Burgund gewählt wurde. Arnolf behielt das Ostfrankenreich und versuchte, das Karolingerreich wiederzubeleben. Im Jahr 894 fiel er in Italien ein, das von Wido von Spoleto und Berengar I. von Friaul (regierte 888 bis 924), einem matrilinearen Enkel Ludwigs des Frommen, umkämpft wurde. Widos Stärke machte ihn zum Hauptherrscher Italiens über Berengar, und seine Nähe zum Papsttum beeinflusste Papst Stephan V. (amtierte 885 bis 891), ihn 891 zum ersten nicht-karolingischen Kaiser zu krönen. Arnolf besiegte Wido erfolgreich im Jahr 896 und wurde zum Kaiser gekrönt, doch gelang es ihm nicht, seine Macht zu festigen und das Reich wieder zu errichten, bevor er 899 starb.
Ostfranken wurde von Arnolfs Sohn, Ludwig IV. (auch bekannt als Ludwig das Kind; regierte 899 bis 911), geerbt, aber die Herrschaft von Regenten und der Aufstand örtlicher Adliger machten seine Herrschaft unwirksam. Als Ludwig im Alter von 17 oder 18 Jahren ohne Erben starb, erlosch auch die östliche königliche Linie der Karolinger. Bei einer Wahl im östlichen Königreich ging die Herrschaft an den nicht-karolingischen Konrad I. (regierte 911 bis 918) und dann an Heinrich I. (auch bekannt als Heinrich der Vogler; regierte 919 bis 936), den sächsischen Patriarchen des ottonischen Geschlechts (919–1024).
Nach Arnolfs Tod fiel Ludwig III., König der Provence (regierte 887 bis 928) und ein matrilinearer Enkel von Ludwig II., in Italien ein. Nach seinem Erfolg im Jahr 900 wurde Ludwig III. zum König von Italien (regierte 900 bis 905) und zum römisch-deutschen Kaiser (regierte 901 bis 905) gekrönt. Berengar vertrieb Ludwig III. 905 aus Italien und ließ ihn dabei erblinden (weshalb er auch als Ludwig der Blinde bekannt ist). Berengar wurde später zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt (regierte 915 bis 924), aber sein Tod im Jahr 924 leitete ein kaiserliches Interregnum ein, das erst 962 mit der Krönung Ottos I., Sohn Heinrichs des Voglers, zum römisch-deutschen Kaiser endete (regierte 962 bis 973).
Vermächtnis
Die karolingischen Teilungen von 843, 855 und 887 werden alle als Ursprung der modernen europäischen Staaten angesehen. Während die erste Teilung als das Ende des großen Reiches Karls des Großen interpretiert wurde, da sie die Gründung separater Königreiche zur Folge hatte, trennte die zweite Teilung Westfranken, Ostfranken und Italien dauerhaft voneinander und brachte die drei Regionen auf ihre jeweils eigenen Entwicklungswege. In Westfranken regierten nach dem Zusammenbruch der Karolinger fränkische Adlige als Könige weiter, während das östliche Königreich in sächsische Herrschaft überging. Dieser Unterschied wird in der Regel als die endgültige Aufspaltung des ehemaligen fränkischen Reiches in eigenständige französische und deutsche politische Körperschaften angesehen. Auch die Wiedererlangung des Kaisertitels im Jahr 962 durch Otto I., der ethnisch eher sächsisch als fränkisch war, wird als Geburtsstunde Deutschlands interpretiert. Italien wurde jedoch noch mehrere Jahrhunderte lang von Herzögen, Grafen und Königen umkämpft, obwohl es im Einflussbereich des Heiligen Römischen Reiches blieb.

