Die Hanse (auch bekannt als Hansa, 1356–1862 n. Chr.) war ein Bündnis norddeutscher Städte und Gemeinden, die sich im 12. Jahrhundert n. Chr. zusammenschlossen, um Handel zu erleichtern und gemeinsame Interessen durchzusetzen. Mit ihrem Hauptsitz in Lübeck umfasste die Hanse weitere deutsche Fürstentümer und gründete Handelszentren, die sich von der Kiewer Rus über die Niederlande und Skandinavien bis nach Großbritannien erstreckten.
Während des 13. Jahrhunderts n. Chr. wuchs die Macht des Bündnisses stetig und 1356 n. Chr. wurde die Hanse offiziell als Handelsverbund mehrerer Städte gegründet. Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Gründung hatte sie durch ihr Handelszentrum auf der schwedischen Insel Gotland bereits ein Handelsmonopol im Baltikum etabliert. Von Gotland aus konnte die Hanse feste Handelsbündnisse eingehen und lukrative Abkommen mit anderen Nationen abschließen.
Indem sie ihre individuellen Ziele zurückstellten und sich für das Wohl der gemeinsamen Interessen einsetzten, konnten die Mitglieder der Hanse beträchtliche Gewinne erwirtschaften, bis ihre Macht im 15. Jahrhundert n. Chr. zu schwinden begann. Dieser Niedergang war auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, darunter wirtschaftliche Krisen, der zunehmende Einfluss nichthanseatischer Kaufleute und des sie unterstützenden Adels, die Erschöpfung verschiedener Ressourcen, die Pest des späten 14. Jahrhunderts n. Chr. und Klimawandel, der Vegetationsperioden verkürzte. Im 17. Jahrhundert n. Chr. war die Zahl der Mitglieder und der Einfluss der Hanse so stark zurückgegangen, dass sie nahezu bedeutungslos geworden war; im 19. Jahrhundert n. Chr. wurde sie formal aufgelöst.
Gründung der Hanse
Die Hanse ging aus der mittelalterlichen Gilde hervor. Das mittelalterliche Gesellschaftssystem kannte drei Stände – den Adel, die Kirche und den Bauernstand – und das Feudalsystem bestimmte, dass der Adel die Bauern, zu denen auch Kaufleute und Handwerker gezählt wurden, nach Belieben besteuern konnte. Die mittelalterlichen Gilden wurden gegründet, um Kaufleute und Handwerker vor Schikanen und Erpressung durch die Oberschicht zu schützen. Für einen Einzelnen wäre es nahezu unmöglich, sich gegen den Adel zu behaupten; eine organisierte Gruppe hingegen hatte deutlich bessere Chancen.
Die mittelalterlichen Gilden schützten nicht nur ihre Mitglieder, sondern wirkten sich auch vorteilhaft für die Gemeinde aus. Die Bäckergilde beispielsweise sorgte dafür, dass alles Brot nach einem bestimmten Standard gebacken und zu einheitlichen Preisen verkauft wurde. Gilden sorgten auch für die Armen, Alten und Waisen in ihren jeweiligen Gemeinden und wurden daher vom Adel geduldet, der dadurch von seiner eigenen „christlichen Pflicht“ entbunden wurde, dasselbe zu tun. Er konnte zudem einfach den Gildenmeister besteuern (der Beträge von den Mitgliedern einzog), anstatt jeden einzelnen Händler oder Handwerker ausfindig machen zu müssen.
Lübeck war bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein wichtiges Handelszentrum, nachdem es 1159 n. Chr. von Heinrich dem Löwen, Herzog von Sachsen und Bayern (reg. 1142–1180 n. Chr.), wieder aufgebaut worden war. Wie andere wichtige Handelsstädte hatte auch Lübeck Gilden, deren Mitglieder durch Handel mit den Mitgliedern anderer Gilden in verschiedenen Städten in Kontakt standen. Wahrscheinlich tauschten sie sich untereinander aus über die Schwierigkeiten ihrer Handelsgeschäfte: exzessive Steuern, Raubüberfälle und die Gefahren des Seehandels im Allgemeinen. Irgendwann im späten 12. Jahrhundert n. Chr. beschlossen diese Gilden, sich zu einer Hansa (einer Flotte) zusammenzuschließen, um ihre Ressourcen zu bündeln, sich gegenseitig zu schützen und ihre Gewinne zu steigern.
Die frühen Jahre
Der genaue Gründungszeitpunkt der Hanse ist unbekannt, war jedoch höchstwahrscheinlich zur Zeit der Herrschaft Heinrichs des Löwen, der Gesetze zum Schutz ausländischer Händler im Baltikum, insbesondere der Gotländer, erließ. Heinrichs Gesetze förderten freien Handel, stellten aber möglicherweise auch eine Bedrohung für die Sicherheit der norddeutschen Kaufleute dar. Wann auch immer er gegründet wurde, ein Bündnis existierte bereits im Jahr 1241 n. Chr., als Hamburg und Lübeck eine offizielle Partnerschaft eingingen, die den Salz- und Fischhandel monopolisierte. In den Jahren 1241–1282 n. Chr. schlossen sich Gilden weiterer Städte diesem Verbund an.
Vor dem Aufstieg der Hanse hatten Adel und Kirche so viel Macht, dass die Kaufleute ihnen praktisch ausgeliefert waren und ihre wirtschaftliche Stellung kaum besser war als die der Leibeigenen. Der Bund war mächtig genug, um durch die Gründung von Kontoren (Zählhäuser oder Büros) in Städten von Brügge über London bis Nowgorod und darüber hinaus diese Gesellschaftsstruktur aufzubrechen, was ihnen ein riesiges Vermögen einbrachte. Der Gelehrte Norman Cantor kommentiert:
Eine der fundamentalen Tatsachen der Zivilisation des 13. Jahrhunderts war das Versagen der industriellen und kommerziellen Klassen, ihre wirtschaftliche und intellektuelle Bedeutung zu nutzen, um ein gewisses Maß an politischer Führung in der Gesellschaft zu erlangen... Die größte Klasse der mittelalterlichen Gesellschaft, die sicherlich die Mehrheit der Gesamtbevölkerung ausmachte, war stumm. (472)
Dieses Bündnis konnte der Kaufmannsklasse allerdings eine Stimme geben, die eine allgemein verständliche Sprache sprach: die des finanziellen Erfolges. Immer mehr Städte und Gemeinden bewarben sich um die Mitgliedschaft in dem ursprünglich zwischen Lübeck und Hamburg geschlossenen Verbund, bis die Hanse im Jahr 1356 n. Chr. offiziell gegründet wurde. Die Mitglieder schworen, sich an das Lübecker Gesetz zu halten, das vorschrieb, dass jeder im Bund die anderen Mitglieder schützen und verteidigen und ihnen seine persönlichen Armeen zur Verfügung stellen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hanse etwa 80 Mitglieder, aber sie würde stetig an Zahl und Macht zunehmen.
Die Hanse auf ihrem Höhepunkt
Der Bund brachte seinen Mitgliedern dringend benötigten Schutz, nicht nur vor feindlichen politischen Rivalen, sondern auch vor Raubüberfällen zu Lande und zu Wasser. Kriminalität war im Mittelalter aufgrund der Unfähigkeit – oder Unwilligkeit – der Regierungen, Kriminelle festzunehmen und strafrechtlich zu verfolgen, weit verbreitet. Die Wissenschaftlerin Carolly Erickson schreibt:
In ihren wiederkehrenden Krisen verloren die fragilen Regierungen des Mittelalters rasch die Macht der rechtlichen Vergeltung, die sie in Zeiten der Stabilität aufgebaut hatten. In Krisenzeiten wurde das Verfolgen, Vor-Gericht-Stellen und Verurteilen von Verbrechern praktisch eingestellt; die unmittelbare Wirkung der königlichen Justiz schwand, und die Zahl und die Ambition derjenigen, die außerhalb des Gesetzes lebten, stieg. (Nardo, 110)
Ein wesentlicher Aspekt dieses Problems war die Vorliebe der Monarchie dafür, Verbrecher zu begnadigen, die sie für ihre eigenen Zwecke einsetzen wollten. Erickson stellt fest, dass „keine Straße und kein öffentlicher Platz vor denen sicher war, die ‚Tag und Nacht öffentlich sowie heimlich bewaffnet wie im Krieg ritten‘. Es wurde befohlen, Hecken auf beiden Seiten von Straßen auf eine Entfernung von 60 Metern abzuholzen, um Hinterhalte zu verhindern“ (Nardo, 107–108). Dennoch musste sich ein Bandit mit seiner Truppe lediglich als nützlich für einen lokalen Adligen oder den König erweisen, um begnadigt und in den Dienst aufgenommen zu werden. Die Hanse begegnete diesem Problem, indem sie eigene Militärwachen bildete, um ihre Interessen bei Landreisen zu schützen, und dafür sorgte, dass schwer bewaffnete Transportschiffe ihre Schiffe auf See begleiteten.
Die Mitglieder der Hanse handelten unter anderem mit Kupfer, Fisch, Flachs, Pelzen, Getreide, Honig, Eisen, Harz, Salz und Textilien. Lübeck – die sogenannte „Königin der Hanse“ – blieb die führende Stadt und häufte beträchtlichen Reichtum an. Freie Städte (wie Lübeck) waren nur dem Heiligen Römischen Reich verpflichtet, das ihnen diesen Status verliehen hatte, und mussten sich daher gegenüber lokalen Behörden von Städten außerhalb des Verbundes, die mit ihren Ambitionen möglicherweise nicht einverstanden waren, nicht verantworten.
Das wohl beste Beispiel für die Macht der Hanse ist der neunjährige Krieg zwischen ihr und König Waldemar IV. von Dänemark (reg. 1340–1375 n. Chr.) und seinem Verbündeten und Schwiegersohn Håkon VI. von Norwegen (reg. 1343–1380 n. Chr.). Die Hanse war mächtig genug, um zwischen 1361 und 1370 n. Chr. Krieg gegen Dänemark zu führen, siegreich hervorzugehen und Bedingungen zu diktieren, die dem Land freie Hand im Handel in ganz Skandinavien ermöglichten. Weitere militärische Konflikte mit Dänemark festigten die Macht der Hanse noch weiter. Cantor fasst die Hanse auf ihrem Höhepunkt so zusammen:
Die bedeutendste Gruppe unabhängiger Kommunen war die Hanse, die sich aus deutschen Handelsstädten im Baltikum zusammensetzte. Die norddeutschen Kaufleute trieben nicht nur weitreichenden Handel von Russland bis England, sondern schlossen auch politische und militärische Bündnisse und kämpften gegen skandinavische Könige um die Vorherrschaft im Baltikum. (471–472)
Das Bündnis organisierte sich durch Versammlungen in Lübeck, in denen Geschäfte besprochen und Strategien entwickelt wurden. Die einzelnen Mitgliedsstädte waren nicht verpflichtet, an diesen Treffen teilzunehmen und scheinen auch nicht an die dort beschlossenen Richtlinien gebunden gewesen zu sein. Solange ein Mitglied einen guten Ruf wahrte und sich nicht in Opposition mit anderen Mitgliedern fand, konnte es offenbar tun und lassen, was es wollte.
Trotz alledem wuchs mit zunehmender Macht der Hanse auch der Neid einiger Mitglieder auf den Erfolg anderer. Gleichzeitig begann der politische Einfluss der Hanse und ihre Fähigkeit, rivalisierende Ansprüche auf Königskronen zu finanzieren, das Missfallen einiger Monarchen zu erregen. Im 15. Jahrhundert n. Chr. war die Hanse in Russland nicht mehr willkommen und verlor alle Handelsprivilegien, als ihre Niederlassungen 1494 n. Chr. von Iwan dem Großen (reg. 1462–1505 n. Chr.) geschlossen wurden. Andere Staaten folgten diesem Beispiel mit der Begründung, dass die Hanse dazu tendiere, lokale Kaufleute beiseite zu drängen und die Gewinne von Händlern, die nicht zur Hanse gehörten, zu minimieren.
Schwindende Macht
Während die Hanse aus ihren internationalen Märkten ausgeschlossen wurde, litt Europa unter einer allgemeinen Wirtschaftskrise, die sich immer weiter verschärfte. Der Schwarze Tod der Jahre 1348 bis 1349 n. Chr. hatte fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahingerafft, was zu einem gravierenden Arbeitskräftemangel führte, der die Ernte, den Warentransport und alle anderen Bereiche des Handels beeinträchtigte. Cantor schreibt:
Das 14. und 15. Jahrhundert war eine Zeit von Krise und Zerfall. Seuchen und Kriege wurden häufiger und extremer, und eine erschöpfte und demoralisierte Gesellschaft erholte sich nur schwer von den wiederholten Schlägen, die sie erlitt. (481)
Auch die Hanse hatte Schwierigkeiten, ihren früheren Status und Einfluss wiederzuerlangen. Ressourcen, auf die sie angewiesen war, waren nicht mehr in der gleichen Menge vorhanden. Cantor nennt als Beispiel den Rückgang von Silber:
In manchen Fällen versiegten die auf dem Höhepunkt der Expansion entdeckten Ressourcen einfach und hinterließen eine Lücke, die die mittelalterliche Welt mit ihrer begrenzten Technologie nicht füllen konnte. Die Versorgung mit neuem Metall, insbesondere Silber – die Grundlage für Tauschgeschäfte in Nordeuropa – wurde durch die Erschöpfung der reichen Silberminen im Norden drastisch eingeschränkt. Die Goslarer Bergwerke in Sachsen liefen mit Wasser voll, und es gab keine technologischen Mittel, mit denen dieses Problem gelöst werden konnte. (482)
Die „Kleine Eiszeit“ des 15. Jahrhunderts n. Chr. trug ebenfalls zum Niedergang der Hanse bei, da nicht nur weniger Menschen für die Ernte und den Transport von Erntegütern zur Verfügung standen, sondern auch die Ernteerträge selbst aufgrund der kürzeren Vegetationsperioden zurückgingen. Die Erntegüter, die es gab, scheinen außerdem von schlechter Qualität gewesen zu sein. Den Handel mit Hering, eines der frühen Monopole der Hanse, verlor sie an niederländische Kaufleute, da Klimawandel dazu führte, dass die Fische ihr Laichverhalten änderten und sich näher an Holland und an Kaufleuten, die nicht zur Hanse gehörten, bewegten.
Der Neid einiger Mitglieder der Hanse auf andere trug ebenfalls zum Niedergang des Bündnisses bei. Brügge beispielsweise wurde Teil des Herzogtums Burgund und konkurrierte mit Lübeck und der Hanse um Märkte, und dasselbe taten Holland und andere Länder. Gleichzeitig war die Machtgrundlage des europäischen Adels – der durch den Tod so vieler Leibeigener in der Pest geschwächt war – destabilisiert und der Adel war gezwungen, Söldnertruppen anzuheuern, um seine Ländereien und andere Besitztümer zu beschützen. Diese Adligen waren mehr als bereit, dasjenige Handelsunternehmen zu unterstützen, das ihnen den größtmöglichen Gewinn einbringen würde, und die Hanse stand seit Langem im Ruf, solche Gewinne für sich zu behalten.
Das Ende
Die Zeit der Hanse war vorbei und ihr Einfluss schwand während das 15. Jahrhundert n. Chr. zunehmend, als immer mehr Mitglieder austraten und die Macht des lokalen Adels zunahm. Im 16. Jahrhundert n. Chr. versuchte die Hanse, wieder zur Geltung zu kommen und sich zu reformieren, doch sie agierte nun innerhalb anderer politischer und sozialer Umstände und keine ihrer Strategien erwies sich als wirksam. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648 n. Chr.) beschleunigte den Niedergang des Bündnisses im 17. Jahrhundert, und als sich die Mitglieder 1669 n. Chr. in Lübeck versammelten, waren weniger als zehn Städte vertreten. Die Hanse war effektiv zu Ende, auch wenn sie dem Namen nach weiter bestand.
Von den fast 200 Städten und Gemeinden, die einst Teil der Hanse gewesen waren, blieb nur eine Handvoll übrig, und nur drei – Lübeck, Hamburg und Bremen – blieben bis ins 19. Jahrhundert n. Chr. dem ursprünglichen Bündnis treu. Die Hanse wurde 1862 n. Chr. offiziell aufgelöst.
Die Erinnerung und Mission des Bündnisses lebt jedoch weiter in der Neuen Hanse, die sich aus einer „Neue Hanse“-Initiative im Jahr 1980 n. Chr. entwickelte und 2018 n. Chr. gegründet wurde. Sie hat derzeit 192 Mitglieder in 16 verschiedenen Ländern. Die Webseite Städtebund Die Hanse , die die Geschichte der Hanse sowie Berichte über die Visionen und Aktivitäten der heutigen Mitglieder präsentiert, wird vom Hansebüro der Hanse betreut, das die reiche Tradition der Hanse heute von seinem Sitz in Lübeck, der traditionellen „Königin der Hanse“, aus fortführt.
