Karthago prägte erstmals ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. Münzen. Während die Karthager zunächst die Drachme übernahmen, prägten sie später silberne Schekelmünzen. Motive waren, wie beabsichtigt, auf den ersten Blick erkennbar und umfassten berühmte Persönlichkeiten wie Hannibal sowie einheimische Flora und Fauna wie Palmen und Elefanten.
Vom Tauschhandel zur Münzprägung
Karthago trat, wie auch seine phönizischen Gründer und viele andere antike Handelskulturen im Mittelmeerraum, der Welt der Münzen relativ spät bei. Griechenland und seine Kolonien nutzten Münzen bereits seit mehreren Jahrhunderten. Tauschhandel war in der Antike vor der Einführung von Münzen die übliche Zahlungsform, und dieses System kam Nationen wie Karthago besonders zugute, da sie an weit entfernten Orten Handel trieben, wo der Wert geprägter Münzen nicht immer anerkannt wurde. Letztendlich überzeugte jedoch die Bequemlichkeit des Transports von Barren mit bestimmten Gewichten aus Edel- und Halbedelmetallen die Karthager davon, diese Methode zu übernehmen, und von da an war es nur noch ein kleiner Schritt zur Prägung noch handlicherer Zahlungsmittel in Form von Münzen.
Die ersten karthagischen Münzen wurden tatsächlich nicht in Karthago geprägt, sondern im späten 5. Jahrhundert v. Chr. in Sizilien – kein Zufall, da dort schon lange eigene Münzen hergestellt wurden. Die Einführung von durch Karthago kontrollierter Münzprägung wurde wahrscheinlich von der Notwendigkeit getrieben, Söldnertruppen zu bezahlen – dies war bereits zuvor im griechischen Raum der Fall gewesen. Schwere Metallbarren waren für aktive Soldaten unhandlich, und sie konnten auch keine großen Mengen an Gütern wie Getreide oder anderen Lebensmitteln zum Tausch bequem mit sich führen. Die Feldzüge Karthagos in Westsizilien zwischen 409 und 405 v. Chr. und die Einführung des Münzwesens standen wohl also in Zusammenhang.
Die Drachme und der Schekel
Die ersten karthagischen Münzen bestanden entweder aus Silber oder Bronze und ahmten die aus Athen bekannte griechische Tetradrachme (Vier-Drachmen-Münze) sowie deren Nennwerte nach. Sie wurden nach der für die Zeit typischen Art und Weise geprägt, indem eine glatte Metallscheibe zwischen zwei gravierten Stempeln gehämmert wurde. Eine karthagische Silber-Tetradrachme wog etwa 17 Gramm. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. kamen neue, wertvollere Münzen hinzu: Münzen aus Elektron (einer Gold-Silber-Legierung) und der reine Goldstater, der 20 Drachmen entsprach. Im 4. Jahrhundert v. Chr. prägte Karthago auch im eigenen Land Münzen, und gegen Ende dieses Jahrhunderts wurde die Drachme zugunsten einer neuen Stückelung, des Schekels, einer etwa 11 Gramm schweren Silbermünze, aufgegeben. Es gab Schekel-Bruchteilsmünzen für kleinere Käufe und für größere Zwei-, Drei- oder sogar Sechs-Schekel-Münzen (ca. 44 Gramm).
Als Karthago im 3. Jahrhundert v. Chr. Südspanien eroberte und die Kontrolle über die dortigen reichen Silberminen erlangte, wurden lokale Münzstätten eingerichtet, um sofort von diesem neuen Reichtum zu profitieren. Sardinien war eine weitere wichtige Münzstätte, insbesondere als Sizilien während des Ersten Punischen Krieges (264–241 v. Chr.) bedroht war. Aufgrund des schlechten Kriegsverlaufs für Karthago gegen die Macht Roms enthielten ihre Silbermünzen zu jener Zeit immer weniger Silber.
Münzmotive
Münzen dienten in der Antike als ein wichtiges Medium für politische und kulturelle Botschaften, indem sie Abbildungen von Herrschern und Figuren aus der lokalen Mythologie zeigten. Karthago bildete darin keine Ausnahme, und auf seinen Münzen waren so bedeutende Persönlichkeiten wie Dido (auch bekannt als Elissa und erkennbar an ihrer weichen phrygischen Kappe mit langem Nackenteil und Ohrenklappen), die legendäre Gründerin Karthagos, zu sehen, der Gott Melqart (typischerweise mit einem Löwenfell-Kopfschmuck und/oder einer Keule), die Göttinnen Tanit, Astarte und seltener Isis sowie die großen Feldherren Hamilkar Barkas und Hannibal. Weitere beliebte und sofort erkennbare Motive waren der Schiffsbug, die Palme, das Pferd (entweder nur der Kopf oder die ganze Figur), der Löwe und der Kriegselefant.
Karthagische Münzen trugen manchmal neben Abbildungen auch Inschriften, die den Ausgabestandort angaben, wie Sys (Panormos) und Qart-hadasht, oder Begriffe, die auf ihren unmittelbaren Bestimmungsort hinwiesen: mhnt (Armee), 'm mhnt (Mitglieder der Armee), mhsbm (Zahlmeister) und b'rst („in den Herrschaftsgebieten“, z. B. Sizilien und Spanien).
Karthagische Münzen waren also eine eklektische Mischung aus griechischen Motiven und Karthagos eigener künstlerischer Tradition, was den Historiker Dexter Hoyos zu der Schlussfolgerung veranlasste, dass „die Fähigkeit der Karthager, nach Belieben Elemente aus anderen Kulturkreisen zu übernehmen, anzupassen und weiterzuentwickeln, in ihrer Münzprägung nicht weniger offensichtlich ist“ (121). Dass die Münzen erfolgreich dazu beitrugen, Karthagos auf Handel basierenden Wohlstand voranzutreiben, belegen archäologische Funde nicht nur in Spanien, Sizilien und auf dem italienischen Festland, sondern auch an so weit entfernten Orten wie dem Balkan und den Azoren.
