Nero

Der Künstlerkaiser
Harrison W. Mark
von , übersetzt von Lara Mennel
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Roman Emperor Nero (by cjh1452000, CC BY-SA)
Der römische Kaiser Nero cjh1452000 (CC BY-SA)

Nero (37–68 n. Chr.) war der fünfte und letzte Kaiser der Julisch-Claudischen Dynastie und regierte von 54 bis 68 n. Chr. Durch die Unterstützung seiner Mutter Agrippina der Jüngeren kam er im Alter von nur 16 Jahren an die Macht. War er zu Beginn ein durchaus beliebter Herrscher, so war seine Regentschaft von Kunst als auch Tyrannei geprägt. So liebte es Nero, zu singen und auf der Leier zu musizieren, nahm an Wagenrennen teil, und spielte oft in Tragödien mit. Auf der anderen Seite hingegen ermordete er seine Mutter, war für den Tod zwei seiner Ehefrauen verantwortlich und eliminierte seine Gegner in der Armee und dem Römischen Senat. Nach dem großen Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr. verlor Nero beträchtlich an Beliebtheit und beging 68 n. Chr. Selbstmord, nachdem er vom Senat zum Staatsfeind deklariert worden war. Seinem Tod folgte ein kurzer Bürgerkrieg, der als das Vierkaiserjahr bekannt wurde.

Kindheit und Familie

Nero wurde als Lucius Domitius Ahenobarbus am 15. Dezember 37 n. Chr. in Antium, einer Küstenstadt südlich von Rom, geboren. Sein Vater, Gnaeus Domitius Ahenobarbus, war ein römischer Politiker. Der Historiker Sueton beschrieb ihn als „in jeder Hinsicht verabscheungswürdigen Mann“ (Suet, Nero, 5). Domitius sollte angeblich das Auge eines Mannes herausgerissen haben, nachdem dieser ihn kritisiert hatte. Anschließend soll Domitius, während er mit seinem Wagen die Via Appia hinunterpreschte, absichtlich ein Kind überrollt haben. Neros Mutter, Agrippina die Jüngere, hat mit nur 13 Jahren Domitius geheiratet. Sie war die Urenkelin von Augustus und Schwester des Caligula, doch trotz dieses edlen Stammbaumes musste sie fortwährend um ihr Überleben kämpfen. Sie erlebte den Zerfall ihrer Familie und verbrachte einige Zeit im Exil. Diese Erfahrung machte sie ehrgeizig, gerissen und gefährlich. Domitius und Agrippina waren zweifellos ein beeindruckendes Paar. Nach der Geburt seines Sohnes sagte Domitius: „Es ist undenkbar, dass aus der Vereinigung von mir und dieser Frau ein guter Mann entspringen soll“ (zitiert in Strauss, 86).

Agrippina versuchte, Nero als rechtmäßigen Erben des Römischen Reiches darzustellen und somit den jugendlichen Britannicus, Claudius’ leiblichen Sohn, zu verdrängen.

Domitius starb, als Nero gerade einmal drei Jahre alt war, und konnte somit nicht miterleben, ob seine Prophezeiung eintreten würde. Der Junge wurde von Agrippina aufgezogen und von ihr als Figur in ihrem eigenen Spiel um die Verbesserung ihrer Stellung eingesetzt. Im Jahr 49 n. Chr. erhielt sie eine Chance, als sie ihren Onkel, den Kaiser Claudius, heiratete Claudius’ vorherige Ehefrau, Valeria Messalina, wurde aufgrund angeblicher Intrigen gegen ihn hingerichtet. Da sie Valeria nicht ins Grab folgen wollte, war Agrippina in ihren eigenen Intrigen gegen ihren Ehemann vorsichtiger. Nach und nach füllte sie den Hof mit ihren eigenen Unterstützern. So gewann sie den Verwalter der kaiserlichen Finanzen, einen freigelassenen Sklaven namens Pallas, für sich und setzte ihren treuen Freund Sextus Afranius Burrus als Prätorianerpräfekten ein. Sie überzeugte Claudius, ihren eigenen Sohn zu adoptieren, woraufhin dieser den ausgefallenen Namen Nero Claudius Caesar Drusus Germanicus annahm. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Nero im Alter von 13 Jahren, als er eine Rede vor dem Senat hielt. Einige Jahre später heiratete er die Tochter des Claudius, Claudia Octavia. Es war offensichtlich, dass Agrippina versuchte, Nero als den rechtmäßigen Erben des römischen Imperiums darzustellen und Claudius’ leiblichen Sohn Britannicus zu ersetzen.

Möglicherweise war sich Claudius der Machenschaften Agrippinas bewusst, denn als Britannicus älter wurde, versuchte er dessen Karriere voranzutreiben. Doch dann, im Oktober 54 n. Chr., verstarb Claudius unerwartet. Es hätte sich um einen natürlichen Tod handeln können, denn in diesem Jahr wurde Rom von einem Fieber heimgesucht. Viele der antiken Quellen sprechen jedoch von der Möglichkeit, dass Agrippina ihren Ehemann vergiftet hatte, um den Thron für ihren Sohn zu sichern. Zwar ist es unmöglich, eine zweifelsfreie Beteiligung Agrippinas an Claudius’ Tod festzustellen, doch sie hat aus der Situation gewisse Vorteile ziehen können. So überschüttete sie die Prätorianergarde mit Bestechungsgeldern, die im Gegenzug Nero zum Kaiser erklärten. Mit seinen nicht einmal 17 Jahren stellte der junge Nero einen willkommenen Kontrast zu seinem betagten und schwächelnden Vorgänger dar. Er hatte blaue Augen, rotblonde Haare und ein Gesicht, dessen Züge „ebenmäßig, aber nicht außerordentlich ansprechend“ waren. Seine Jungenhaftigkeit begeisterte die Bevölkerung Roms, die in ihm einen Neuanfang sah (zitiert in Strauss, 81). In seiner ersten Rede vor dem Senat versprach Nero, dem Machtmissbrauch vorheriger Kaiser wie den gefürchteten Verräterprozessen ein Ende zu bereiten und dem Senat Teile seiner Macht zurückzugeben.

The Julio-Claudian Dynasty, The Rise of Imperial Rome
Die Julisch-Claudische Dynastie, der Aufstieg des Römischen Reiches Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Feindschaft mit Agrippina

Obwohl er nun Kaiser war, konnte Nero sich dem dominanten Wesen seiner Mutter nicht entziehen. Nach wie vor wählte sie seine Kleidung aus, gleich wie die Männer um ihn herum und selbst sein Erziehungsbeistand, der Philosoph Lucius Annaeus Seneca (Seneca der Jüngere) wurde von ihr beauftragt. Agrippinas Bildnis erschien auf Münzen, auf welchen sie gegenüber ihrem Sohn dargestellt wurde; fast so, als wären sie gleichberechtigte Regenten. Agrippina wurde, wohin sie auch ging, von zwei Liktoren und einem germanischen Leibwächter begleitet. Sie nutzte ihre neue Macht, um politische Widersacher zu eliminieren und nahm an Sitzungen des Senats teil. Da es Frauen nicht erlaubt war, senatorischen Vorgehen beizuwohnen, beobachtete sie das Geschehen versteckt hinter einem Vorhang. Zu dieser Zeit hielt Agrippina die Macht in Rom inne, ein Umstand, der ihrem eitlen und eifersüchtigen Sohn nicht passte.

Das Fass zum Überlaufen brachte Agrippinas Forderung an Nero, seine sexuelle Affäre mit der Sklavin Acte zu beenden, woraufhin Nero es seiner Mutter öffentlich verbot, ihn zum Tribunal für die Anhörung einer ausländischen Botschaft zu begleiten. Weiter entließ er Pallas, einen von Agrippinas stärksten Unterstützern am Hof. Außer sich vor Wut ging Agrippina auf ihren Sohn zu und drohte, ihn abzusetzen und durch den formbareren Britannicus zu ersetzen, sollte sich Nero nicht verbessern. Nero gab keine unmittelbare Antwort, sondern ließ seine Frustration an seinem Stiefbruder aus, indem er sich mehrfach an ihm verging. Am 11. Februar 55 n. Chr. lud Nero einen Großteil der Familie zu einem Festmahl ein, darunter auch Agrippina und Britannicus. Während des Essens begann Britannicus plötzlich zu krampfen und war nicht mehr in der Lage, zu atmen. Er wurde aus dem Raum getragen und das Fest ging weiter, wobei die geladenen Gäste Neros Blick nervös auswichen. Am nächsten Tag wurde Britannicus eingeäschert. Nach der offiziellen Version starb Britannicus an einem epileptischen Anfall, und nur wenige sahen einen Grund für Neros Beteiligung am Tod seines Stiefbruders.

Nero and Agrippina
Nero und Agrippina Carole Raddato (CC BY-NC-SA)

Agrippina jedoch verstand die Botschaft, die ihr allein gegolten hatte. Ohne weitere Karten in der Hinterhand verließ sie den kaiserlichen Palast und hielt sich die nächsten Jahre bedeckt. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie versuchte, sich zurück ins Machtzentrum zu bewegen und den Einfluss über ihren Sohn zurückzugewinnen. Im Jahr 59 n. Chr. hatte Nero genug. Er lud sie zum Abendessen in seine Villa in Antium ein. Bevor sich die beiden verabschiedeten, küsste Nero sie und sagte: „Für dich lebe ich, denn dank dir herrsche ich“ (zitiert in Holland, 360). Agrippina bestieg ein Schiff, welches so manipuliert worden war, dass es sinken würde. Das Schiff ging unter, doch es gelang ihr, an Land zu schwimmen und zur Villa zurückzukehren. Bei ihrer Ankunft wurde sie von einer Gruppe bewaffneter Männer in Empfang genommen und ihr wurde bewusst, was sich hier genau abspielte. Sie flehte nicht um ihr Leben, sondern zeigte auf ihren Bauch und befahl den Männern, sie dort zu schlagen. Mit Agrippina starb eine der außergewöhnlichsten Frauen des antiken Roms. Ihre Leiche wurde zurück nach Rom gebracht und entkleidet, um den Körper für die Einäscherung vorzubereiten. Beim Anblick des nackten Körpers seiner Mutter soll Nero gesagt haben: „Ich habe nicht gewusst, dass ich eine so schöne Mutter gehabt habe“ (zitiert in Holland, 361).

Künstler und Liebhaber

Nach seiner Rückkehr nach Rom unternahm Nero keinerlei Anstrengungen, sein Verbrechen zu verschleiern. Er ließ Agrippina vom Senat als Verräterin ausrufen und präsentierte sich selbst als tragischen Helden, der keine andere Wahl gehabt hatte als sie zu töten, bevor ihr Machthunger Rom zerstörte. Einige Zeitgenossen waren ob dieses Muttermordes entsetzt, andere hingegen waren verwirrt. Der Historiker Tom Holland erklärt, dass Nero von einer Steigerung seines Charismas aufgrund dieses Verbrechens ausging und dass „die Massen ihn für seine Tat feiern würden“ (362). Er ging sogar so weit, dass er Spiele veranstaltete, um seinen Sieg über Agrippina zu feiern. Er lud alle römischen Bürger ein, ließ innerhalb der Stadt mehrere Veranstaltungsorte errichten, und trug Spiele – darunter Theaterstücke, Gladiatorenkämpfe, und Wagenrennen – aus. Der Kaiser ließ seinem ihn bewundernden Volk großzügige Geschenke zukommen. Während eines Festes, das im Spätsommer ausgetragen wurde, erschien Nero als Sänger und Lyraspieler selbst auf der Bühne.

Obwohl Nero seine Pflichten als Staatsoberhaupt ernst nahm, sah er sich doch hauptsächlich als Künstler.

Obwohl Nero seine Pflichten als Staatsoberhaupt ernst nahm, sah er sich doch hauptsächlich als Künstler. Er hatte immer gerne gesungen, doch war gezwungen, dies zu Agrippinas Lebzeiten nur im Privaten zu tun. Nun, da sie nicht mehr war, konnte er auftreten, wann immer er wollte, und trat immer häufiger vor Publikum auf. Eine weitere Vorliebe Neros war das Schreiben von Gedichten. Zwar überlebte keines davon, doch zeitgenössische Kritiker bewerteten sein Werk als relativ gut. Seine größte Leidenschaft jedoch war das Schauspiel und er war bekannt für seine Darbietung tragischer Rollen wie die des Herakles oder des Ödipus. Doch Auftritte auf Theaterbühnen waren ihm nicht genug, sodass er auch an Wagenrennen im Circus Maximus teilnahm. Diese Art des Zeitvertreibs missfiel einigen der alteingesessenen Senatoren, doch sie brachte ihm große Sympathie des Volkes ein. Nachts trieb sich Nero mit seinen Freunden, darunter der zukünftige Kaiser Marcus Salvius Otho, oft in den Straßen Roms herum. Mit Perücken und Sklavenkleidung verkleidet besuchten sie Bars und Theater, wo sie sich mit Prostituierten trafen und Schlägereien anzettelten.

Im Jahr 59 n. Chr. verliebte sich Nero in die schönste Frau Roms. Poppaea Sabina war für ihre Schönheit berühmt. Es wurde erzählt, dass sie in Milch von 500 Eseln badete, um ihr Aussehen zu bewahren und dass sie gesagt haben soll, dass sie lieber jung sterben wolle anstelle alt und hässlich zu werden. Sie hatte sogar ihre eigene erfolgreiche Kosmetikmarke. Nero war sofort Hals über Kopf in sie verliebt und verfasste ein Gedicht, in dem er ihr braunes Haar lobte. Der Umstand, dass sie bereits mit Neros Freund Otho verheiratet war, machte für ihn keinen Unterschied. Otho wurde von Nero mithilfe einer Neuanstellung als Statthalter im weit entfernten Lusitanien aus dem Wege geräumt. Nero und Poppaeas Affäre zog sich bis ins Jahr 62 n. Chr., als Poppaea schwanger wurde. Der Kaiser reagierte umgehend auf diese Neuigkeiten: Er ließ sich von seiner Frau Octavia scheiden und schickte sie auf die Insel Pandateria ins Exil. Die Öffentlichkeit reagierte auf dieses Vorgehen mit großer Empörung, worauf Nero Octavia hinrichten und ihren Kopf Poppaea als Geschenk zukommen ließ. Nero und Poppaea heirateten noch im selben Jahr, doch ihr gemeinsames Kind starb im Säuglingsalter.

Poppaea and Nero Have the Head of Octavia Brought Forward to Them
Poppaea und Nero wird der Kopf der Octavia überreicht  Giovanni Muzzioli / Bardazzi/Museo Civico di Modena (CC BY-SA)

Der Große Brand

Am Abend des 18. Julis 64 n. Chr. brach in einem der Ladengeschäfte auf dem Aventin, einem den Circus Maximus überblickenden Hügel, ein Feuer aus. Es vebreitete sich rasend schnell über die eng aneinander gebauten Holzgebäude und zerstörte innerhalb von sechs Tagen ganze Quartiere. Viele Bewohner der Stadt starben und viele weitere verloren ihr Zuhause. Als das Feuer ausbrach, hielt sich Nero gerade in seiner Küstenvilla auf und kehrte erst nach Rom zurück, als sein eigener Palast Gefahr lief, den Flammen zum Opfer zu fallen. Sobald er in der Stadt angekommen, wurde er aktiv. Er öffnete die öffentlichen Gebäude und Parks für all jene, die in dem Feuer ihr Zuhause verloren hatten, organisierte Lebensmittel aus benachbarten Städten und kürzte den Getreidepreis. Aber für viele Römerinnen und Römer kam all dies zu spät. Neros anfängliche Untätigkeit war nicht vergessen und bald entstanden die ersten Gerüchte, nach denen Nero auf seiner Lyra gespielt und über das brennende Troja gesungen haben soll, während Flammen seine eigene Stadt verschlangen. (Die Aussage, dass er während des Brandes auf der Geige gespielt haben soll, ist eine spätere Hinzudichtung; Geigen wurden erst im 16. Jahrhundert erfunden.)

The Great Fire of Rome, 64 CE.
Der Große Brand von Rom, 64 n. Chr. Hubert Robert (Public Domain)

Nero tat sich selbst im Angesicht dieser Gerüchte keinen Gefallen, denn nach dem Brand beanspruchte er einen Großteil der römischen Innenstadt für sich mit dem Plan, dort einen neuen Palast zu errichten. Die Domus Aurea (das Goldene Haus) sollte über prächtige Wohnräume für den Kaiser verfügen und mit wunderschönen Kunstwerken ausgestattet sein. Weiter war ein prachtvoller Park für die Öffentlichkeit geplant. Diese Darstellung von Überfluss und Protz kam bei vielen nicht gut an und verleitete zum Glauben, dass Nero das Feuer selbst gelegt hatte, um seine Pläne für eine Neugestaltung Roms umsetzen zu können. Nero fürchtete, das Wohlwollen des Volkes zu verlieren und wusste, dass er einen Schuldigen präsentieren musste. Laut einigen antiken Quellen fand er einen geeigneten Sündenbock in den Christen, einer kleinen, aber wachsenden Sekte. Er ließ die Christen zusammentreiben und am Kreuz hinrichten, wilden Tieren zum Fraß vorwerfen oder als menschliche Fackeln in seinem Garten in Brand stecken. Trotz seiner Anstrengungen gelang es ihm nicht, die Zweifel seiner Untertanen auszumerzen, und nach dem Großen Brand gelang es ihm nicht, seine bisherige Beliebtheit wiederzuerlangen.

Spätere Regierungszeit

Im Jahr 62 n. Chr. starb der Prätorianerpräfekten Burrus. Dieser Todesfall markierte einen Wendepunkt in Neros Herrschaft. Burrus hatte einen mäßigenden Einfluss auf den Kaiser gehabt, während sein Nachfolger Ofonius Tigellinus selbst die schlechtesten Impulse Neros bestärkte. Auf Tigellinus’ Drängen hin setzte Nero die Verräterprozesse, deren permanente Abschaffung er einst versprochen hatte, wieder ein. Später im selben Jahr ordnete er die Hinrichtung zweier Senatoren an, die ihn beleidigt hatten, und machte Witze, als ihm die abgetrennten Köpfe gezeigt wurden. Dieser Vorfall, sowie die Scheidung und Hinrichtung von Octavia, sorgte im Senat für Aufruhr und ließ Befürchtungen auftauchen, Nero könnte sich zum Tyrannen entwickeln.

Gaius Calpurnius Piso, einer der berühmtesten Senatoren, inszenierte 65 n. Chr. ein Komplott, um Nero zu stürzen. Die Beteiligten wurden jedoch verraten, und die Verschwörer verhaftet. 19 Männer wurden zum Tode verurteilt, 13 weitere ins Exil geschickt. Piso selbst wurde zum Selbstmord gezwungen; dasselbe Schicksal ereilte auch Neros früheren Lehrer Seneca. Dieser war zwar nicht direkt an der Verschwörung beteiligt gewesen, doch hatte er davon gewusst und Stillschweigen darüber bewahrt. Zwar konnte Pisos Verschwörung im Keim erstickt werden, doch Neros Zorn kannte keine Grenzen. Einige Monate später gerieten Nero und Poppaea in eine Auseinandersetzung, in der sie ihn mit seinen nächtlichen Eskapaden zu den Rennen konfrontierte. Der Streit endete damit, dass Nero seine Frau in den Bauch trat, was kurz darauf zu ihrem Tod führte. Poppaea war mit ihrem zweiten Kind schwanger gewesen.

Nero (Artistic Facial Reconstruction)
Nero (künstlerische Gesichtsrekonstruktion) Daniel Voshart (Copyright)

Während seiner Herrschaft erlebte das Römische Reich eine Vielzahl an Krisen. Im Jahr 60 n. Chr. führte die Icener-Königin Boudicca einen Aufstand gegen die römischen Besetzung Britanniens an, welcher ein Jahr später nach tausenden Toten beigelegt wurde. Ein weiterer Aufstand brach im Jahr 66 n. Chr. aus, als die Spannungen zwischen griechischen und jüdischen Bevölkerungsgruppen in Judäa ihren Höhepunkt erreichten. Diese Rebellion wurde von Vespasian, einem von Neros Generälen, im Jahr darauf niedergeschlagen. In beiden dieser Fälle überließ es Nero seinen Generälen, die Unruhen unter Kontrolle zu bekommen. Er selbst verließ Italien während seiner Regierungszeit nur einmal; im Jahr 66 reiste er ins griechische Achaia, wo er an den Olympischen Spielen teilnahm. Er trat in vier Kategorien an, in denen er wenig überraschend als Sieger hervorging. Während dieser ausschweifenden Reise traf Nero auf einen Sklavenjungen namens Sporus. Die Ähnlichkeit des Jungen mit Poppaea verleitete Nero in einem möglichen Anflug von Trauer oder Bedauern dazu, den Jungen zu kastrieren und ihn zu heiraten.

Niedergang und Tod

Bis zum Jahr 67 n. Chr. hatte sich Nero als ein verbitterter und eifersüchtiger Mann erwiesen, der zu allen möglichen Grausamkeiten fähig war. Nie waren diese Eigenschaften klarer erkennbar als als Nero seinem besten General, Gnaeus Domitius Corbulo, befahl, Suizid zu begehen. Corbulos einziges Vergehen war seine Beliebtheit beim Volk und pflichtschuldig stürzte er sich in sein Schwert. Verständlicherweise waren die anderen Generäle dadurch äußerst verunsichert; sie waren sich bewusst, dass ihnen dasselbe Schicksal drohen könnte. Während sie über ihre eigene Sicherheit nachdachten, waren Mitglieder des Senats besorgter über die Gerüchte, nach denen Nero Rom sich zu Ehren in ‚Neropolis‘ umzubenennen plante. Solch egomane Vorhaben stellten selbst die Taten Caligulas in den Schatten. Die römische Elite war sich bewusst, dass Nero gestoppt werden musste.

Der Anfang von Neros Ende begann im März 68 n. Chr., als sich Gaius Iulius Vindex, Statthalter von Gallia Lugdunensis, gegen Neros Steuerpolitik aussprach. In seinem Brief, den er nach Rom schickte, erklärte er Rebellion gegen Nero. Weiter verhöhnte er ihn, indem er den Kaiser mit seinem Geburtsnamen ‚Ahenobarbus‘ ansprach und seine musikalischen Fähigkeiten beleidigte. Nero reagierte umgehend. Er verlangte nach Vindex’ Kopf und befahl Lucius Verginius Rufus, mit einer Armee gegen die Rebellen vorzugehen. Im Mai besiegte Verginius in einer Schlacht die Rebellenarmee, woraufhin Vindex Suizid beging.

Vindex’ Abtrünnigkeit und sein Aufstand gegen Nero ebneten den Weg für eine Welle an Rebellionen. In Hispanien begehrte Servius Sulpicius Galba auf, und viele namhafte Römer vereinigten sich unter seinem Wappen. Armeen in Afrika und Norditalien rebellierten, und Verginius Truppen versuchten gar, ihren General als den neuen Kaiser auszurufen (Verginius weigerte sich und blieb für die restliche Dauer des Konflikts neutral). Nero wurde immer verzweifelter und versuchte, die Prätorianergarde auf seine Seite zu ziehen, doch selbst diese Soldaten erkannten die Zeichen der Zeit. Ein Prätorianer sagte Nero sogar, er solle sein Schicksal akzeptieren und sich der Passage aus Vergils Aeneis besinnen: „Ist zu sterben wirklich ein so schrecklich Ding?“ (zitiert in Holland, 414).

Nero dachte über seine verbleibenden Möglichkeiten nach, kam jedoch zu keinem Ergebnis und beschloss, sich schlafen zu legen. Als er um Mitternacht des 9. Juni wieder erwachte, musste er feststellen, dass seine Leibwächter ihn verlassen hatten und sein Palast fast völlig leer war. Von Panik gepackt verkleidete sich Nero und floh gemeinsam mit Sporus und drei Freigelassenen aus dem Palast. Sie machten sich auf den Weg zu einer etwa 6.4 Kilometer von Rom entfernten Villa, wo Nero seinen Begleitern befahl, ein Grab für ihn zu schaufeln. Nur kurze Zeit später erfuhren sie, dass der Senat Nero zum Staatsfeind erklärt hatte. Nero hatte Kontrolle über die Armee und den Senat verloren, und bald würde der Verlust seines Reiches folgen. Er wusste, dass es nur einen einzigen Ausweg gab. Mit der Hilfe eines der Freigelassenen hob er seinen Dolch und stach sich in die Kehle. „Welch Künstler geht mit mir zugrunde!“ soll er immer wieder ausgerufen haben, bevor er Suizid beging. Mit Nero starb auch die Julisch-Claudische Dynastie; ein Haus, welches seit Gründung des Römischen Reiches alle Kaiser gestellt hatte.

Fragen und Antworten

Was war Neros voller Name, und wann hat er regiert?

Neros voller Name war Lucius Domitius Ahenobarbus, aber nach Agrippinas Heirat mit Claudius änderte sich sein Name zu Nero Claudius Caesar Augustus. Er regierte von 54 bis 68 n. Chr.

Wer war Agrippina?

Agrippina war Neros Mutter, die Tochter von Agrippina der Älteren, und die Urgroßenkelin des Kaisers Augustus.

Was waren einige der größten Katastrophen von Neros Regierungszeit?

Einige der größten Katastrophen von Neros Regierungszeit waren die gescheiterte Piso-Verschwörung, deren Ziel Neros Tod war. Weitere einschneidende Ereignisse waren die erfolglose Rebellion Boudiccas in Britannien und der Große Brand, welcher am 19. Juli 64 n. Chr. ausbrach und sechs Tage lang wütete.

Was hat Nero nach dem Brand getan?

Nach dem Feuer erhöhte Nero die Steuern, um die Finanzierung für den Wiederaufbau Roms – darunter die Erbauung von Wohnvierteln, breiteren Straßen, gemauerten Gebäuden, und Säulengängen zum Schutz gegen die Sonne – zu ermöglichen. Das neue Rom enthielt zudem Neros Goldenen Palast.

Wie ist Nero gestorben?

Nero starb durch seine eigene Hand. Der Senat hatte ihn zum Staatsfeind erklärt und Galba als neuen Kaiser ausgerufen. Nero war sich bewusst, dass seine Tage gezählt waren und wollte sich daher in seiner Villa selbst umbringen, benötigte jedoch Hilfe, um sich selbst das Leben zu nehmen.

Literaturverzeichnis

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APA-Stil

Mark, H. W. (2026, August 30). Nero: Der Künstlerkaiser. (L. Mennel, Übersetzer). World History Encyclopedia. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-10280/nero/

Chicago-Stil

Mark, Harrison W.. "Nero: Der Künstlerkaiser." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, August 30, 2026. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-10280/nero/.

MLA Stil

Mark, Harrison W.. "Nero: Der Künstlerkaiser." Übersetzt von Lara Mennel. World History Encyclopedia, 30 Aug 2026, https://www.worldhistory.org/trans/de/1-10280/nero/.

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