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title: Warum hasste Hitler Juden?
author: Mark Cartwright
translator: Marie-Theres Carl
source: https://www.worldhistory.org/trans/de/2-2646/warum-hasste-hitler-juden/
format: machine-readable-alternate
license: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)
updated: 2026-07-30
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# Warum hasste Hitler Juden?

_Verfasst von [Mark Cartwright](https://www.worldhistory.org/user/markzcartwright/)_
_Übersetzt von [Marie-Theres Carl](https://www.worldhistory.org/user/marie-therescar)_

Adolf Hitler (1889–1945), der Führer des nationalsozialistischen Deutschlands, erklärte Juden zu Feinden des Staates und machte sie durch unablässige Propaganda für den wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang des Landes verantwortlich. Diese Propaganda gründete auf einer Rassenlehre, die von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ ausging, und wurde zusammen mit weiteren populistischen Positionen genutzt, um die Unterstützung für die NSDAP zu steigern. Weitaus folgenreicher war jedoch, dass Hitler nach der Errichtung seiner Diktatur den nationalsozialistischen Antisemitismus und die Rassenlehre dazu nutzte, den Zweiten Weltkrieg (1939–1945) als Überlebenskampf Deutschlands gegen eine weltweite jüdische Verschwörung darzustellen und so den im Holocaust verübten Völkermord an Millionen europäischer Juden zu rechtfertigen.

Ab 1933 setzten die Nationalsozialisten systematisch eine Reihe von Maßnahmen gegen Juden in Gang. Jüdisches Vermögen und jüdische Unternehmen wurden enteignet. Menschen, die als Juden eingestuft wurden, verloren ihre Staatsbürgerschaft und weitere Rechte. Sie wurden zur Auswanderung gedrängt oder gezwungen, mussten sichtbare Kennzeichen tragen und wurden in Ghettos zusammengetrieben. Im Rahmen von Hitlers „Endlösung der Judenfrage“ wurden sie schließlich in Konzentrationslager deportiert. Dort wurden sie an Orten wie Auschwitz in Gaskammern ermordet oder als Zwangsarbeiter eingesetzt, bis sie körperlich nicht mehr dazu imstande waren. Juden bildeten die größte einzelne Opfergruppe und waren das Hauptziel des nationalsozialistischen Hasses. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sind in ganz Europa etwa sechs Millionen Juden ermordet worden.

[ ![Star of David Badge](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/20047.jpg?v=1782304620-1782304620) Davidstern Imperial War Museums (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/20047/star-of-david-badge/ "Star of David Badge")### Warum Juden?

Warum hassten Hitler und die Nationalsozialisten die Juden so sehr, dass sie ihnen all diese schrecklichen Dinge antaten? Die Antwort ist komplex und umfasst historischen Antisemitismus, den Antisemitismus des 20. Jahrhunderts, die nationalsozialistische Rassenlehre sowie Hitlers politische und territoriale Ambitionen.

Hitler und die Nationalsozialisten hassten Juden, weil sie glaubten, diese seien:

- für die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg (1914–1918) verantwortlich
- für die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands (z.B. hohe Arbeitslosigkeit) verantwortlich
- entschlossen, die deutsche Wirtschaft und Kultur zu beherrschen
- für den vermeintlichen Verfall der Moral in der modernen Gesellschaft verantwortlich
- entweder zu reich und würden anderen Deutschen ihren Wohlstand vorenthalten oder zu arm und daher wahrscheinlich kriminell
- ihrer Religion gegenüber loyaler als dem deutschen Staat
- Feinde der Christen
- unter dem Deckmantel von Bolschewismus und Kapitalismus darauf aus, Deutschlands Grenzen anzugreifen
- den „Ariern“, also Nichtjuden, rassisch unterlegen

Unter Historikern besteht Konsens darüber, dass es für all diese Überzeugungen keine belastbaren Belege gab.

### Der traditionelle Sündenbock

In den 1920er Jahren stand Adolf Hitler an der Spitze der rechtsextremen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), auch Nazipartei genannt. Die Partei war jedoch weder sozialistisch noch besonders an den Belangen der Arbeiter interessiert. Hitler hatte den Namen der Partei vielmehr aus reinem Kalkül gewählt, um möglichst viele Wähler anzusprechen. Deutschland litt nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) nicht nur unter der Demütigung der Niederlage, sondern auch unter schweren wirtschaftlichen Problemen, die zu Hyperinflation und einem Zusammenbruch der Wirtschaft führten. Nach einer kurzen Phase der Erholung stieg die Arbeitslosigkeit infolge der Weltwirtschaftskrise von 1929 erneut stark an, als der Welthandel stagnierte. Die Regierung der damaligen Weimarer Republik schien unfähig, diese Probleme zu bewältigen. Millionen Menschen hatten ihre Arbeit und ihre Ersparnisse verloren. Hitler und die Nationalsozialisten präsentierten sich als die beste Lösung für Deutschlands Probleme. In seinen Reden versprach er, Deutschland wieder zu alter Größe zu führen, Vollbeschäftigung herzustellen und den wirtschaftlichen und kulturellen Wohlstand zurückzubringen.

[ ![Jews Being Burnt at the Stake](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/18230.jpg?v=1782167587-1701867850) Verbrennung von Juden auf dem Scheiterhaufen Korporation Luzern (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/18230/jews-being-burnt-at-the-stake/ "Jews Being Burnt at the Stake")Juden wurden von den Nationalsozialisten zur Ursache sämtlicher Probleme Deutschlands erklärt. Im Jahr 1933 „zählte die sich selbst als jüdisch bezeichnende Bevölkerung der Deutschen Republik etwa 525.000 Menschen, von denen rund 100.000 erst vor Kurzem aus Osteuropa eingewandert waren“ (Cesarini, 7).

Antisemitismus war weder neu noch auf die NSDAP beschränkt. Oft entsprang er dem Neid. Juden waren im Allgemeinen besser gebildet als viele andere gesellschaftliche Gruppen und häufig wohlhabend. Anfang der 1930er Jahre war „das durchschnittliche Einkommen eines jüdischen Haushalts dreimal so hoch wie das einer durchschnittlichen nichtjüdischen Familie, obwohl es auch eine bedeutende Schicht armer Juden gab“ (Cesarini, 7). In größeren Städten waren Juden in bestimmten Berufen und Wirtschaftszweigen ungewöhnlich stark vertreten. So arbeiteten nur zwei Prozent der deutschen Juden in der Landwirtschaft, doch 25 Prozent der Großhändler für Agrarprodukte waren jüdisch. Zwei Drittel der Einzelhandelsgeschäfte für Bekleidung waren im Besitz von Juden, darunter mehrere große und sehr bekannte Kaufhäuser. Darüber hinaus „ war in weiten Teilen der deutschen Mittelschicht seit Langem ein latenter Antisemitismus vorhanden; weit verbreitet war dort die Ansicht, es gebe zu viele jüdische Rechtsanwälte oder Ärzte“ (Dülffer, 140).

Antisemitismus existierte natürlich schon lange vor dem 20. Jahrhundert. Über Jahrhunderte hinweg standen Juden und Christen häufig in Konflikt, da manche Christen auf Grundlage der Evangelien im Neuen Testament der Bibel glaubten, die Juden seien für den Prozess und die Kreuzigung Jesu von Nazareth verantwortlich. Der deutsche Geistliche [Martin Luther](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-19256/martin-luther/) (1483–1546), der als „der große Begründer des Protestantismus gilt, war zugleich ein leidenschaftlicher Antisemit und ein erbitterter Verfechter des unbedingten Gehorsams gegenüber der politischen Obrigkeit“ (Shirer, 236). Anders als Angehörige mancher anderer Religionsgemeinschaften durften Juden Geld verleihen und dafür Zinsen verlangen, was als Wucher galt. Daher waren sie in der Wahrnehmung der Menschen stereotyp wohlhabend und habgierig. Während des gesamten Mittelalters dienten Juden als Sündenböcke für die unterschiedlichsten Probleme, von militärischen Niederlagen bis zur Ausbreitung des Schwarzen Todes. Aufgrund des christlichen Antisemitismus im Mittelalter und während der [Reformation](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-20181/reformation/) wurden Juden in vielen europäischen Staaten zahlreichen Beschränkungen unterworfen, zum Leben in Ghettos gezwungen und Opfer von Massakern und Pogromen.

Im 20. Jahrhundert wiederum waren Juden in den neuen Staaten Osteuropas häufig Repressionen ausgesetzt. Diese Staaten waren nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall von Großreichen wie Österreich-Ungarn entstanden. Daher wanderten sie in Länder wie Deutschland aus, in der Hoffnung, ein ruhigeres Leben zu führen. Viele der jüdischen Einwanderer waren arm, doch zugleich wurde wahrgenommen, dass einige von ihnen Wohlstand erlangt hatten. Dies rief bei Teilen der einheimischen Bevölkerung Neid und Missgunst hervor.

[ ![Jewish Boys In Nazi-occupied Poland](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/20048.jpg?v=1779219372-1739782474) Jüdische Jungen im von den Nationalsozialisten besetzten Polen W. Losken - Imperial War Museums (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/20048/jewish-boys-in-nazi-occupied-poland/ "Jewish Boys In Nazi-occupied Poland")### Hitlers persönliche Ansichten

Hitlers antisemitische Ansichten waren nicht nur ein politischer Deckmantel aus Opportunismus, sondern entsprachen seiner tatsächlichen Überzeugung. Dasselbe galt für viele andere Mitglieder der NSDAP auf allen Ebenen. August Kubizek, ein Freund Hitlers aus dessen Zeit in Wien, schrieb: „Sein angestauter Hass auf alle Kräfte, die das Deutschtum bedrohten, konzentrierte sich hauptsächlich auf die Juden, die in Wien eine führende Rolle spielten“ (McDonough, 110). Hitler empörte sich vor allem über die Zahl der in Wien lebenden Juden, da diese seiner Ansicht nach der Stadt ihren „germanischen“ Charakter nahmen. Obwohl Hitler tatsächlich jüdische Bekannte hatte und sogar musikalische Abende in einigen jüdischen Häusern Wiens verbrachte, brachte er seine persönlichen Ansichten in einem Brief an einen anderen Freund aus dem Jahr 1919 unmissverständlich zum Ausdruck:

> Die Tatsachen sind folgende: Erstens ist das Judentum unbedingt eine Rasse und keine Religionsgemeinschaft … Ihr Tanz um das goldene Kalb wird zu einem erbarmungslosen Kampf um all jene Güter, die wir auf Erden am höchsten schätzen … In seinen \[des Juden\] Wirkungen und Folgen ist er einer Rassentuberkulose der Völker gleich.
> (McDonough, 128)

Damit ordnete Hitler Menschen, die einer bestimmten Religion angehörten, einer eigenen Rasse zu. Gemeinsam mit seinem Propagandaminister Joseph Goebbels (1897–1945) stellte er die Juden der deutschen Bevölkerung als Feind Nummer eins dar. Hitler behauptete wiederholt, die Juden hätten hinter der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg gesteckt. Seiner Darstellung zufolge hätten sie wiederholt ein vorzeitiges Kriegsende gefordert und dadurch den Kampfeswillen der deutschen Bevölkerung geschwächt. Darüber hinaus glaubte er, Juden hätten die Wirtschaft fest im Griff gehabt und damit die deutschen Kriegsanstrengungen erheblich beeinträchtigt. Für ihn waren sie Teil einer internationalen Verschwörung, die die Wirtschaft und das Vermögen im Deutschland der Nachkriegszeit kontrollieren und den Wohlstand der einfachen Bevölkerung verhindern sollte. Die Nationalsozialisten verbanden die Vorstellung eines gemeinsamen Feindes mit einer pseudowissenschaftlichen und widersprüchlichen Rassenlehre. So verschafften sie sich eine scheinbar rationale und wissenschaftliche Rechtfertigung für ihren Umgang mit Juden.

[ ![Warsaw Ghetto Uprising](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/20046.png?v=1779219375-1739781839) Aufstand im Warschauer Ghetto United States Holocaust Memorial Museum (Public Domain) ](https://www.worldhistory.org/image/20046/warsaw-ghetto-uprising/ "Warsaw Ghetto Uprising")### Die nationalsozialistische Rassenlehre

Der Rassentheoretiker der NSDAP war Alfred Rosenberg (1893–1946). Er vertrat sowohl antisemitische als auch antichristliche Vorstellungen. Er hatte Architektur studiert, wandte sich jedoch durch die Lektüre von Autoren wie Arthur de Gobineau (1816–1882) und Houston Stewart Chamberlain (1855–1927) der Rassenlehre zu. Beide glaubten an eine nordische „Überrasse“, der alle anderen Rassen angeblich unterlegen seien. Im Jahr 1920 veröffentlichte Rosenberg sein erstes Buch *Die Spur des Juden im Wandel der Zeiten*. Darin legte er seine widersprüchlichen und schwer zugänglichen Vorstellungen dar. Demnach stünden Juden sowohl hinter dem Kapitalismus als auch hinter dem Bolschewismus und wollten überall, wo sie lebten, Kultur und Moral zerstören.

Rosenberg war ein Verschwörungstheoretiker, da seine Vorstellungen häufig auf gefälschten Forschungsergebnissen beruhten, die von anderen vorgelegt worden waren. Anders als von ihm behauptet, profitierten Juden nicht von der Russischen Revolution von 1917, sondern gehörten infolge einer Reihe brutaler Pogrome zu den größten Opfern. Rosenbergs Behauptungen stützten sich zudem häufig auf unzutreffende Statistiken, etwa zur Zahl jüdischer sowjetischer Kommissare, sowie auf Falschinformationen. So behauptete er beispielsweise, amerikanische Auslandshilfe sei ausschließlich Juden zugutegekommen, was nicht der Fall war. Er überzeugte sich und seine nationalsozialistischen Mitstreiter davon, dass Juden im Rahmen einer internationalen Verschwörung zusammenarbeiteten, um die Weltherrschaft zu erlangen.

Das Programm der NSDAP von 1920 enthielt einen speziellen Punkt, Nummer 4, der sich auf das jüdische Volk bezog:

> Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf die Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.
> (McDonough, 111)

Bis 1923 war Rosenberg zum Redakteur der nationalsozialistischen Zeitung *Völkischer Beobachter* aufgestiegen. Das Blatt war voller NS-Propaganda und schürte den Hass gegen Juden, Kommunisten und alle anderen, die den Nationalsozialisten missfielen. Rosenbergs „fortwährende Verschwörungserzählungen nährten die besonders bösartige Ausprägung des nationalsozialistischen Antisemitismus“ (Gellately, 51).

[ ![Alfred Rosenberg, 1939](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/19989.png?v=1779219379-1738764768) Alfred Rosenberg, 1939 Bundesarchiv, Bild 146-1969-067-10 (CC BY-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/19989/alfred-rosenberg--1939/ "Alfred Rosenberg, 1939")Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 wurde Hitler inhaftiert. Er nutzte die Zeit im Gefängnis, um sein Buch *Mein Kampf* zu verfassen. In diesem Werk übernahm er, vermutlich auch unter dem Einfluss der täglichen Besuche Rosenbergs, dessen antisemitische Vorstellungen und formte daraus eine Theorie. Demnach seien die deutschen Juden Feinde des Staates und der Hauptgrund dafür, dass Deutschland sein Potenzial nicht ausschöpfen könne. Dieses Potenzial könne sich laut Hitler nur entfalten, wenn das Land von „reinblütigen arischen Deutschen“ regiert würde. Der Begriff „Arier“ war recht unscharf und bezeichnete allgemein Nichtjuden, häufig aber vor allem weiße Bevölkerungsgruppen wie die nordischen Völker.

Darüber hinaus griff Hitler die Verschwörungstheorie auf, wonach Juden nach der Weltherrschaft strebten. Indem er revolutionäre Kommunisten und raffgierige Kapitalisten mit Juden gleichsetzte, konnte er der deutschen Bevölkerung einreden, die Sowjetunion und Staaten wie Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten wollten Deutschland angreifen. Deutschland müsse sich verteidigen. Zudem behauptete er, Deutschland müsse sich seiner inneren Feinde entledigen. Zudem wollte er Deutschland in einen militaristischen Staat verwandeln, da dies die Arbeitslosigkeit erheblich verringern und dem Land die Mittel geben würde, um andere Staaten anzugreifen und deren Ressourcen auszubeuten. Zugleich würde dies den Nationalsozialisten helfen, die gesamte Bevölkerung zu kontrollieren. Entsprechend stellte Hitler den Krieg als unerlässlich für das Überleben Deutschlands dar.

Eng mit der Rassenlehre verbunden war die Vorstellung, die „Herrenrasse“ müsse sich in einem unablässigen Kampf gegen angeblich minderwertige Rassen wie Juden und Slawen fortwährend bewähren und stärken. Auch die Slawen gehörten zu den von den Nationalsozialisten gehassten Gruppen. Diese Vorstellung eines ständigen Kampfes zwischen den Rassen wurde durch den Sozialdarwinismus beeinflusst. Dieser übertrug die Naturgesetze und das Prinzip des Überlebens der am besten Angepassten auf die menschliche Gesellschaft. Damit Hitlers angebliche „Herrenrasse“ gedeihen könne, seien mehr Land und Ressourcen erforderlich. Dies diente ihm als Rechtfertigung für die territoriale Ausdehnung Deutschlands, besonders nach Osten. Diese Expansion zur Gewinnung von „Lebensraum“ sollten die „Arier“ in einen noch stärkeren Konflikt mit Slawen und Juden bringen.

[ ![Map of the Holocaust in Europe during World War II](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/20036.png?v=1779219382-1765780249) Karte des Holocaust in Europa während des Zweiten Weltkriegs Simeon Netchev (CC BY-NC-ND) ](https://www.worldhistory.org/image/20036/map-of-the-holocaust-in-europe-during-world-war-ii/ "Map of the Holocaust in Europe during World War II")Rosenberg veröffentlichte 1930 sein Buch *Der Mythus des 20. Jahrhunderts*. Das Werk zeigte, dass er und Hitler denselben rassenideologischen Entwurf für Deutschlands Zukunft entwickelten, in dem Juden den Hauptgegner bildeten. In seinem Werk vermischte Rosenberg Pseudowissenschaft mit der tatsächlichen oder vermeintlichen Geschichte antiker und moderner Zivilisationen. Daraus entwickelte er eine Theorie, die demokratische und liberale Werte ablehnte und durch ein diktatorisches System ersetzte, in dem eine Rasse von „Übermenschen“ über die angeblich minderwertigen Rassen herrschte. Diese „Übermenschen“ waren die „Arier“, wobei Rosenberg die germanischen „Arier“ als elitäre „Herrenrasse“ betrachtete. Juden und Schwarze stellte er dagegen an das unterste Ende seiner gesellschaftlichen Rangordnung.

Die nationalsozialistische Rassenlehre trug in den 1920er Jahren dazu bei, die Popularität der NSDAP bei den Reichstagswahlen zu steigern, da sie an einen verbreiteten Antisemitismus anknüpfte. Allerdings waren viele andere Parteien ebenfalls antisemitisch, sodass dies bei Weitem nicht allein den Zuspruch zur NSDAP erklärte. Der bekannte Holocaustforscher D. Cesarini stellt fest: „Die NSDAP kam nicht wegen des Antisemitismus an die Macht” (xxx). Auf die Frage, wie Hitler an die Macht gelangte, gibt es viele Antworten. Weitere Gründe für die Unterstützung der Nationalsozialisten waren ihre Versprechen, die Beschäftigung zu steigern und den deutschen Nationalstolz wiederherzustellen, der durch den Ersten Weltkrieg und den Versailler Vertrag gedemütigt worden war.

Nachdem Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war und eine Diktatur errichtet hatte, rückte der Antisemitismus in den Mittelpunkt der nationalsozialistischen Politik. Die Rassenlehre diente fortan als Rechtfertigung für konkrete Maßnahmen wie die Beschlagnahmung jüdischen Vermögens und militärische Eroberungen. Wie Cesarini formuliert, wurde die Politik der Nationalsozialisten „fortwährend von der Wahnvorstellung des ‚jüdischen Feindes‘ bestimmt“ (xxxi). Einige Historiker sehen in der nationalsozialistischen Rassenlehre „einen bloßen propagandistischen Anstrich einer opportunistischen oder von den Umständen geprägten politischen Strategie“ (Dear, 608). Es war kaum möglich, sich gegen diese Rassenlehre und ihre praktischen Folgen auszusprechen, da „die ideologische Anpassung der Bevölkerung erzwungen und jede Abweichung von den ideologischen Zielen gewaltsam bestraft wurde“ (Dear, 608). Dabei darf nicht vergessen werden, dass das NS-Regime totalitär war. Es nutzte seine rassistischen Vorstellungen nicht nur, um Antisemitismus auszudrücken, sondern auch, um die gesamte Bevölkerung zu kontrollieren – Juden ebenso wie Nichtjuden. Darüber hinaus „gab die Rassenpolitik dem Staat die Befugnis, immer weiter in private und persönliche Lebensbereiche einzudringen“ (Cesarini, 56).

### Hitlers „Lösungen“ der „Judenfrage“

Nachdem Hitler Juden zum „Problem“ erklärt hatte, das aus dem deutschen Herrschaftsgebiet entfernt werden müsse, begann er, eine Reihe von „Lösungen“ umzusetzen. Die erste bestand darin, ihren Alltag zu beeinträchtigen, indem sie beispielsweise aus Dörfern in größere Ortschaften und Städte umgesiedelt wurden. Bald folgten weitere Maßnahmen, von denen jede den Terror verschärfte. Die nationalsozialistische Propaganda in Presse, Rundfunk und Film versuchte unablässig, diesen Terror zu rechtfertigen. Zugleich bot sich manchen Nichtjuden die Gelegenheit, sich das Vermögen und den Kundenstamm jüdischer Unternehmen anzueignen, die schließlich allesamt geschlossen wurden. In den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft gab es zwar öffentlichen Widerspruch, doch dieser konnte die Diktatur nicht davon abhalten, ihre Ziele weiterzuverfolgen. Wer sich offen dagegen aussprach, geriet häufig ins Visier der Gestapo, der nationalsozialistischen Geheimpolizei, und musste mit Misshandlungen, Gefängnis oder Schlimmerem rechnen.

[ ![Memorial to the Murdered Jews of Europe](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/20049.jpg?v=1779219385-1739783458) Denkmal für die ermordeten Juden Europas Alexander Blum (CC BY-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/20049/memorial-to-the-murdered-jews-of-europe/ "Memorial to the Murdered Jews of Europe")Zu den verschiedenen „Lösungen“, mit denen die Nationalsozialisten ihr angebliches „Judenproblem“ beseitigen wollten, gehörten die Förderung der Auswanderung, der Entzug staatsbürgerlicher Rechte, Einschüchterung, Misshandlungen, die Zerstörung von Eigentum sowie das Zusammentreiben in abgeriegelte Ghettos. Um festzulegen, auf wen diese Maßnahmen anzuwenden waren, wurden 1935 die Nürnberger Gesetze erlassen. Sie bestimmten, wer aus nationalsozialistischer Sicht als Jude galt: im Wesentlichen jeder, der drei oder mehr jüdische Großeltern hatte. Dadurch stufte das NS-Regime Hunderttausende Menschen als Juden ein, obwohl sie sich selbst nicht als jüdisch betrachteten. Die Nationalsozialisten wollten das Blut der „Arier“ angeblich „rein“ halten. Deshalb enthielten die Nürnberger Gesetze auch Bestimmungen, die sexuelle Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Die Vorstellung von „unreinem“ Blut half den Nationalsozialisten, „das Bild des deutschen Juden als anders, fremd und gefährlich zu schaffen“ (Dear, 285).

Trotz der Juden auferlegten Repressionen stellte Hitler zu seiner Frustration fest, dass es mit keiner seiner „Lösungen“ gelang, seinen erklärten Hauptfeind aus dem deutschen Herrschaftsgebiet zu entfernen. Als Deutschland ab 1938 seine Grenzen durch den „Anschluss“ Österreichs, die Besetzung der Tschechoslowakei und den Überfall auf Polen im Jahr 1939 ausweitete, gerieten vielmehr Millionen weitere Juden unter nationalsozialistische Herrschaft.

Schließlich entschied sich Hitler für das, was er die „Endlösung“ nannte: einen geheimen Plan, Millionen Juden und andere Menschen durch Zwangsarbeit zu Tode zu bringen oder in Vernichtungslagern zu ermorden. Juden wurden außerdem von mobilen SS-Mordkommandos, den Einsatzgruppen, ermordet. Das Morden endete erst im Frühjahr 1945. Im April beging Hitler Selbstmord, nachdem er ein letztes „politisches Testament“ verfasst hatte, in dem er noch immer in wahnhafter Weise die Juden für den Beginn des Krieges verantwortlich machte. Deutschland brach zusammen, und die Alliierten errangen im Mai 1945 den Sieg in Europa. Ein gewisses Maß an Gerechtigkeit wurde in den Nürnberger Prozessen der Nachkriegszeit erreicht. Männer wie Rosenberg wurden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und durch den Strang hingerichtet. Weitere nationalsozialistische Kriegsverbrecher wurden später ebenfalls zur Rechenschaft gezogen.

Im Holocaust wurden sechs Millionen Juden im besetzten Europa ermordet. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, den Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz.

#### Editorial Review

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## Literaturverzeichnis

- [Cesarani, David. *Final Solution.* Pan Books, 2017.](https://www.worldhistory.org/books/0330535374/)
- [Dear, I. C. B. & Foot, M. R. D. *The Oxford Companion to World War II.* Oxford University Press, 1995.](https://www.worldhistory.org/books/0198662254/)
- [Dulffer, Jost . *Nazi Germany 1933-1945.* Hodder Arnold, 1996.](https://www.worldhistory.org/books/0340652659/)
- [FAQs about the Holocaust for Educators - United States Holocaust Memorial Museum](https://www.ushmm.org/teach/fundamentals/holocaust-questions "FAQs about the Holocaust for Educators - United States Holocaust Memorial Museum"), accessed 18 Feb 2025.
- [Friedlander, Saul. *Nazi Germany and the Jews.* Harper Perennial, 1998.](https://www.worldhistory.org/books/0060928786/)
- [Gellately, Robert. *Hitler's True Believers.* Oxford University Press, 2022.](https://www.worldhistory.org/books/0197626149/)
- [Hite, John et al. *Weimar & Nazi Germany.* Hodder Education Publishers, 2000.](https://www.worldhistory.org/books/0719573432/)
- [Holmes, Richard. *The World at War.* Ebury Press, 2007.](https://www.worldhistory.org/books/0091917514/)
- [McDonough, Frank. *Hitler and the Rise of the Nazi Party.* Routledge, 2012.](https://www.worldhistory.org/books/140826921X/)
- [Neville, Peter. *The Holocaust.* Cambridge University Press, 1999.](https://www.worldhistory.org/books/0521595010/)
- [Shirer, William L. & Rosenbaum, Ron. *The Rise and Fall of the Third Reich.* Simon & Schuster, 2011.](https://www.worldhistory.org/books/1451642598/)
- [Stone, Norman. *Hitler.* Hodder & Stoughton, 1982.](https://www.worldhistory.org/books/0340275383/)

## Autor

Mark ist Verlagsleiter bei WHE und hat einen Master of Arts in Politischer Philosophie von der University of York. Er arbeitet als Forscher, Autor, Historiker und Redakteur. Besonders interessieren ihn Kunst, Architektur und die Frage, welche Ideen allen Zivilisationen gemeinsam sind.

## Externe Links

- [FAQs about the Holocaust for Educators - United States Holocaust Memorial Museum](https://www.ushmm.org/teach/fundamentals/holocaust-questions)

## Dieses Werk zitieren

### APA
Cartwright, M. (2026, July 30). Warum hasste Hitler Juden?. (M. Carl, Übersetzer). *World History Encyclopedia*. <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-2646/warum-hasste-hitler-juden/>
### Chicago
Cartwright, Mark. "Warum hasste Hitler Juden?." Übersetzt von Marie-Theres Carl. *World History Encyclopedia*, July 30, 2026. <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-2646/warum-hasste-hitler-juden/>.
### MLA
Cartwright, Mark. "Warum hasste Hitler Juden?." Übersetzt von Marie-Theres Carl. *World History Encyclopedia*, 30 Jul 2026, <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-2646/warum-hasste-hitler-juden/>.

## Lizenz und Copyright

Eingereicht von [Marie-Theres Carl](https://www.worldhistory.org/user/marie-therescar/ "User Page: Marie-Theres Carl"), veröffentlicht am 30 July 2026. Bitte prüfen Sie die Originalquelle(n) auf Urheberrechtsinformationen. Bitte beachten Sie, dass von dieser Seite verlinkte Inhalte andere Lizenzbedingungen haben können.

