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title: Luthers 97 Thesen
author: Joshua J. Mark
translator: Dominica Jakusewitsch
source: https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1897/luthers-97-thesen/
format: machine-readable-alternate
license: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)
updated: 2024-09-22
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# Luthers 97 Thesen

_Verfasst von [Joshua J. Mark](https://www.worldhistory.org/user/JPryst/)_
_Übersetzt von [Dominica Jakusewitsch](https://www.worldhistory.org/user/dominicajakusew)_

Martin Luthers 95 Thesen, die als Auslöser der protestantischen [Reformation](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-20181/reformation/) in Europa gelten, sind zu einem Meilenstein geworden, seit er sie am 31. Oktober 1517 veröffentlichte. Doch die wenig bekannten 97 Thesen, die nur einen Monat zuvor veröffentlicht wurden, sind für die Entwicklung von Luthers (l. 1483–1546) Vision und Theologie ebenso bedeutsam.

[ ![Martin Luther Monument](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/14838.jpg?v=1774878620) Lutherdenkmal Nick Morieson (CC BY) ](https://www.worldhistory.org/image/14838/martin-luther-monument/ "Martin Luther Monument")Die 97 Thesen sind eine Reihe von Disputationen, die geschrieben wurden, um eine Streitfrage zum Thema der scholastischen Theologie zu stellen, und werden auch als Disputation gegen die scholastische Theologie bezeichnet. Die scholastische Theologie war die anerkannte Methode zur Deutung der Heiligen [Schrift](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-72/schrift/) und zur Definition der Natur der Menschheit im Verhältnis zu Gott sowie der Eigenschaften des Göttlichen selbst.

Dieses theologische System geht auf Aristoteles (ca. 384–322 v. Chr.) zurück und wurde von dem Kirchenvater [Thomas von Aquin](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-19630/thomas-von-aquin/) (ca. 1225–1274) nach den Vorschriften und dem Beispiel des Heiligen Augustinus von Hippo (ca. 354–430) begründet. Aquins Übersetzung und Verwendung von Aristoteles inspirierte die scholastische Tradition in der mittelalterlichen Kirche, die noch zu Luthers Zeiten für die Ausbildung des Klerus von zentraler Bedeutung war.

### Ablehnung der scholastischen Theologie

 
Obwohl sich Luther ursprünglich zu den Werken des Aristoteles und der großen mittelalterlichen scholastischen Theologen hingezogen fühlte, begann er zu spüren, dass sie die Dinge weit mehr verwirrten als klärten. Nachdem Luther zu der Überzeugung gelangt war, dass der Mensch allein durch den Glauben gerechtfertigt ist und nichts tun kann, um sich Gottes Gnade zu verdienen, lehnte er die Scholastik als Mittel zur Gotteserkenntnis ab und betonte die betende Lentüre der Bibel als direkten Weg zur Gemeinschaft mit dem Göttlichen.


In den *97* *Thesen* stellt Luther seine Theologie vor, die sich auf die Gebote der Heiligen Schrift allein und den Glauben allein als Mittel zur Erkenntnis des Willens Gottes stützt, während er die scholastische Tradition als kontraproduktiv und sogar unbiblisch ablehnt. Die Gelehrten, die er in seinen Argumenten anführt – Wilhelm von Ockham (ca. 1287–1347), Duns Scotus (ca. 1265–1308) und Gabriel Biel (ca. 1425–1495) – gehörten zu den angesehensten scholastischen Theologen ihrer Zeit, die die Lehre und die Vision der Kirche mitgestaltet hatten.

Die Werke von Aristoteles, die die Grundlage des theologischen Ansatzes der katholischen Kirche bildeten, wurden von der Kirche als wesentlich für die Entwicklung einer soliden, rationalen Theologie angesehen und waren Pflichtlektüre für jeden Geistlichen. Indem er sich mit den Werken dieser Männer auseinandersetzte, stellte Luther die Kirchenpolitik in Frage, aber seine sorgfältige Formulierung hielt seine Kritik innerhalb der Grenzen des Systems, gegen das er argumentierte.

Die Wissenschaftlerin Lyndal Roper vertritt die Meinung der meisten modernen Gelehrten, dass die *97 Thesen* „in vielerlei Hinsicht radikaler und schockierender sind als die 95 Thesen“ (81), da letztere auf die kirchliche Politik des Ablasshandels und die Autorität des Papstes abzielten, während erstere einen Angriff auf das gesamte theologische System der Kirche einschließlich des Konzepts des freien Willens darstellen. Roper fährt fort:

> Die Thesen sind eine außerordentlich 
> selbstbewusste Reihe von Sätzen, die so 
> geordnet sind, als würden sie aufeinander 
> folgen, aber ihre Reihenfolge ist ebenso 
> emotional wie logisch. Zügig bezeichnet 
> Luther eine seiner Aussagen nach der anderen 
> als „entgegen der allgemeinen Meinung“ oder 
> „im Gegensatz zu den Scholastikern“. Sie 
> fassen seine Ablehnung der gesamten Tradition 
> der mittelalterlichen Theologie in ihrer 
> ganzen leidenschaftlichen Wut zusammen, als 
> er folgert: „Niemand kann ein Theologe 
> werden, wenn er es nicht auch ohne Aristoteles 
> wird.“ (81)

Seine Ablehnung der aristotelischen Logik ist jedoch weder eine Ablehnung der Vernunft noch des rationalen Diskurses. Luther war einfach zu der Erkenntnis gelangt, dass man sich nicht auf die menschliche Vernunft verlassen kann, um das Göttliche zu begreifen. Seine Offenbarung beim Lesen der Zeile aus Römer 1,17 – „der Gerechte wird durch den Glauben leben“ – überzeugte ihn davon, dass Gott die Menschheit mit der Gnade ausgestattet hat, Gottes Willen zu erkennen, und dass kein von Menschen erdachtes System dies übertreffen kann.

[ ![Luther's Ninety-Five Theses Nailed to the Wittenberg Church's Door](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/14836.png?v=1767022925) Luther schlägt seine 95 Thesen an die Kirchentür von Wittenberg Eikon Film and NFP Teleart (Copyright) ](https://www.worldhistory.org/image/14836/luthers-ninety-five-theses-nailed-to-the-wittenber/ "Luther's Ninety-Five Theses Nailed to the Wittenberg Church's Door")### Die 97 Thesen

Die folgenden Ausführungen stammen aus *Martin Luthers Grundlegenden Theologischen Schriften*, herausgegeben von Timothy F. Lull und William R. Russell, S. 3–7. Sie werden unkommentiert wiedergegeben:

> 1\. Zu sagen, Augustinus übertreibe, wenn er 
> gegen Häretiker spricht, bedeutet, dass 
> Augustinus fast überall lügt. Das widerspricht 
> dem allgemeinen Wissen.
> 2\. Das ist gleichbedeutend damit, 
> Pelagianer und alle Häretiker triumphieren zu lassen, ja, es ist gleichbedeutend 
> damit, ihnen den Sieg zuzugestehen.
> 3\. Es ist dasselbe, als würde man die 
> Autorität aller Doktoren der Theologie 
> verhöhnen.
> 4\. Es ist also wahr, dass der Mensch als 
> schlechter Baum nur Böses wollen und tun kann 
> \[vgl. Mt 7,17–18\].
> 5\. Es ist falsch zu behaupten, die Neigung des 
> Menschen sei frei, zwischen zwei Gegensätzen zu 
> wählen. In der Tat ist die Neigung nicht frei, 
> sondern gefangen. Dies wird im Gegensatz zur 
> allgemeinen Meinung gesagt.
> 6\. Es ist falsch zu behaupten, dass der Wille 
> von Natur aus mit dem richtigen Gebot 
> übereinstimmen kann. Dies wird im Gegensatz 
> zu Scotus und Gabriel gesagt.﻿
> 7\. In der Tat bringt der Wille ohne die 
> Gnade Gottes eine Handlung hervor, die 
> verkehrt und böse ist.
> 8\. Daraus folgt aber nicht, dass der Wille dem Wesen nach böse, d. h. grundsätzlich böse ist, 
> wie die Manichäer behaupten.
> 9\. Er ist jedoch von Natur aus und 
> unvermeidlich böse und verdorben.
> 10\. Man muss zugeben, dass der Wille nicht 
> frei ist, nach dem zu streben, was als gut 
> erklärt wird. Dies im Gegensatz zu Scotus und 
> Gabriel.
> 11\. Er ist auch nicht in der Lage, zu wollen 
> oder nicht zu wollen, was vorgeschrieben ist.
> 12\. Man widerspricht auch nicht dem heiligen 
> Augustinus, wenn man sagt, dass nichts so sehr 
> in der Macht des Willens steht wie der Wille 
> selbst.
> 13\. Es ist absurd, daraus zu schließen, dass 
> der irrende Mensch die Kreatur über alles 
> lieben kann, also auch Gott. Dies im Gegensatz 
> zu Scotus und Gabriel.
> 14\. Es ist auch nicht verwunderlich, dass der 
> Wille einem falschen und nicht einem richtigen 
> Gebot entsprechen kann.
> 15\. Ja, es ist ihm eigen, daß er nur mit dem 
> falschen und nicht mit dem richtigen Gebot 
> übereinstimmen kann.
> 16\. Man müsste vielmehr folgern: Da der 
> irrende Mensch das Geschöpf zu lieben vermag, 
> ist es ihm unmöglich, Gott zu lieben.
> 17\. Der Mensch ist von Natur aus unfähig, zu 
> wollen, dass Gott Gott ist. Er will ja selbst 
> Gott sein und will nicht, dass Gott Gott ist.
> 18\. Gott von Natur aus über alles zu lieben, 
> ist ein fiktiver Begriff, sozusagen eine 
> Schimäre. Dies steht im Widerspruch zur 
> allgemeinen Lehre.
> 19\. Auch die Argumentation des Scotus über den 
> tapferen Bürger, der sein Land mehr liebt als 
> sich selbst, ist nicht anwendbar.
> 20\. Ein Akt der Freundschaft geschieht nicht 
> nach der Natur, sondern nach der 
> vorbereitenden Gnade. Dies im Gegensatz zu 
> Gabriel.
> 21\. Es gibt keine Handlung nach der Natur, die nicht 
> ein Akt der Konkupiszenz gegen Gott ist.
> 22\. Jede Handlung der Konkupiszenz gegen Gott 
> ist böse und eine Unzucht des Geistes.
> 23\. Es ist auch nicht wahr, daß eine Handlung 
> der Konkupiszenz durch die Tugend der Hoffnung 
> in Ordnung gebracht werden kann. Dies im 
> Gegensatz zu Gabriel.
> 24\. Denn die Hoffnung steht nicht im Gegensatz 
> zur Nächstenliebe, die nur das sucht und 
> begehrt, was von Gott ist.
> 25\. Die Hoffnung wächst nicht aus den 
> Verdiensten, sondern aus dem Leiden, das die 
> Verdienste vernichtet. Dies im Gegensatz zu 
> der Meinung von vielen.
> 26\. Ein Akt der Freundschaft ist nicht das 
> vollkommenste Mittel, um das, was in einem ist, 
> zu erreichen.﻿ Sie ist auch nicht das 
> vollkommenste Mittel, um die Gnade Gottes zu 
> erlangen oder sich Gott zuzuwenden und zu 
> nähern.
> 27\. Aber es ist ein Akt der Bekehrung, der 
> bereits vollendet ist und der Gnade folgt, 
> sowohl zeitlich als auch von Natur aus.
> 28\. Wenn man von den Schriftstellen „Kehre zu 
> mir zurück, ... und ich werde zu dir 
> zurückkehren“ (Sacharja 1,3), „Nähere dich 
> Gott, und er wird sich dir nähern“ 
> (Jakobus 4,8), „Suche und du wirst finden“ 
> (Matthäus 7,7), „Du wirst mich suchen und 
> finden“ (Jeremia 29,13) und dergleichen sagt, 
> das eine sei von Natur aus, das andere aus 
> Gnade, so ist das nichts anderes als das, 
> was die Pelagianer gesagt haben.
> 29\. Die beste und unfehlbare Vorbereitung zur 
> Gnade und die einzige Veranlagung zur Gnade 
> ist die ewige Erwählung und Vorbestimmung 
> Gottes.
> 30\. Auf Seiten des Menschen aber geht der 
> Gnade nichts voraus als die Unlust und sogar 
> die Auflehnung gegen die Gnade.
> 31\. Mit den müßigsten Begründungen wird 
> behauptet, daß die Prädestinierten einzeln 
> verdammt werden können, nicht aber kollektiv. 
> Dies im Gegensatz zu den Scholastikern.
> 32\. Auch der folgende Satz bringt nichts: 
> Die Prädestination ist notwendig aufgrund der 
> Konsequenz des Willens Gottes, nicht aber 
> aufgrund dessen, was tatsächlich folgte, 
> nämlich, dass Gott eine bestimmte Person 
> erwählen musste.
> 33\. Und das ist falsch, dass alles, was man 
> zu tun vermag, die Hindernisse der Gnade 
> beseitigen kann. Dies steht im Widerspruch 
> zu mehreren Autoritäten.
> 34\. Kurzum, der Mensch hat von Natur aus weder 
> ein richtiges Gebot noch einen guten Willen.
> 35\. Es ist nicht wahr, dass eine unbesiegbare 
> Unwissenheit einen völlig entschuldigt 
> (trotz aller Scholastiker);
> 36\. Denn die Unwissenheit über Gott und sich 
> selbst und das gute Werk ist von Natur aus 
> immer unüberwindlich.
> 37\. Die Natur rühmt sich im übrigen innerlich 
> und notwendigerweise und ist stolz auf jedes 
> Werk, das scheinbar und äußerlich gut ist.
> 38\. Es gibt keine sittliche Tugend ohne Stolz 
> oder Kummer, das heißt ohne Sünde.
> 39\. Wir sind nicht Herren unserer Handlungen, 
> vom Anfang bis zum Ende, sondern Diener. 
> Dies im Gegensatz zu den Philosophen.
> 40\. Wir werden nicht rechtschaffen, indem wir 
> rechtschaffene Taten tun, sondern wir tun 
> rechtschaffene Taten, nachdem wir 
> rechtschaffen geworden sind. Dies im Gegensatz 
> zu den Philosophen.
> 41\. Praktisch die gesamte Ethik des 
> Aristoteles ist der schlimmste Feind der 
> Gnade. Dies im Gegensatz zu den Scholastikern.
> 42\. Es ist ein Irrtum zu behaupten, dass die 
> Aussage des Aristoteles über die 
> Glückseligkeit nicht im Widerspruch zur 
> katholischen Lehre steht. Dies steht im 
> Gegensatz zur Morallehre.
> 43\. Es ist ein Irrtum zu sagen, dass man ohne 
> Aristoteles kein Theologe werden kann. Dies 
> steht im Gegensatz zur allgemeinen Meinung.
> 44\. In der Tat kann niemand ein Theologe 
> werden, wenn er nicht ohne Aristoteles einer 
> wird.
> 45\. Zu behaupten, dass ein Theologe, der kein 
> Logiker ist, ein monströser Ketzer ist – das 
> ist eine monströse und ketzerische Aussage. 
> Dies im Gegensatz zur allgemeinen Meinung.
> 46\. Vergeblich modelliert man eine Logik des 
> Glaubens, eine Substitution, die ohne 
> Rücksicht auf Grenzen und Maß erfolgt. Dies 
> im Gegensatz zu den neuen Dialektikern.
> 47\. Keine syllogistische Form ist gültig, 
> wenn sie auf göttliche Begriffe angewendet 
> wird. Dies im Gegensatz zu den Kardinälen.﻿
> 48\. Daraus folgt aber nicht, dass die 
> Wahrheit der Trinitätslehre den 
> syllogistischen Formen widerspricht. Dies im 
> Gegensatz zu denselben neuen Dialektikern und 
> zum Kardinal.
> 49\. Wenn eine syllogistische Form der 
> Argumentation in göttlichen Angelegenheiten 
> gilt, dann ist die Trinitätslehre beweisbar 
> und nicht Gegenstand des Glaubens.
> 50\. Kurz gesagt, der ganze Aristoteles ist 
> für die Theologie wie die Dunkelheit für das 
> Licht. Dies im Gegensatz zu den Scholastikern.
> 51\. Es ist sehr zweifelhaft, ob die Lateiner 
> die richtige Bedeutung von Aristoteles 
> verstanden haben.
> 52\. Es wäre für die Kirche besser gewesen, 
> wenn Porphyr mit seinen Universalien nicht 
> für den Gebrauch der Theologen geboren worden 
> wäre.
> 53\. Selbst die nützlicheren Definitionen des 
> Aristoteles scheinen die Frage zu stellen.
> 54\. Damit eine Handlung verdienstvoll ist, 
> ist entweder die Anwesenheit der Gnade 
> ausreichend, oder ihre Anwesenheit bedeutet 
> nichts. Dies im Gegensatz zu Gabriel.
> 55\. Die Gnade Gottes ist niemals so anwesend, 
> dass sie untätig ist, sondern sie ist ein 
> lebendiger, aktiver und wirksamer Geist; es 
> kann auch nicht vorkommen, dass durch die 
> absolute Macht Gottes ein Akt der 
> Freundschaft ohne die Anwesenheit der Gnade 
> Gottes vorhanden ist. Dies im Gegensatz zu 
> Gabriel.
> 56\. Es ist nicht wahr, dass Gott den Menschen 
> ohne seine rechtfertigende Gnade annehmen kann. 
> Dies im Gegensatz zu Ockham.﻿
> 57\. Es ist gefährlich zu sagen, dass das 
> Gesetz gebietet, dass eine Handlung, die das 
> Gebot befolgt, in der Gnade Gottes geschieht. 
> Dies im Gegensatz zum Kardinal und zu Gabriel.
> 58\. Daraus würde folgen, dass „die Gnade 
> Gottes zu haben“ eigentlich eine neue 
> Forderung ist, die über das Gesetz hinausgeht.
> 59\. Daraus würde auch folgen, dass die 
> Erfüllung des Gesetzes ohne die Gnade Gottes 
> erfolgen kann.
> 60\. Ebenso folgt daraus, dass die Gnade Gottes 
> verhasster wäre als das Gesetz selbst.
> 61\. Daraus folgt nicht, dass das Gesetz in 
> der Gnade Gottes befolgt und erfüllt werden 
> sollte. Dies im Gegensatz zu Gabriel.
> 62\. Und dass deshalb derjenige, der außerhalb 
> der Gnade Gottes ist, unaufhörlich sündigt, 
> auch wenn er nicht tötet, nicht ehebrecht und 
> nicht zornig wird.
> 63\. Daraus folgt aber, dass er sündigt, weil 
> er das Gesetz geistlich nicht erfüllt.
> 64\. Geistig tötet er nicht, tut nichts Böses, 
> wird nicht zornig, wenn er nicht zornig wird 
> und nicht lüstern ist.
> 65\. Außerhalb der Gnade Gottes ist es in der 
> Tat unmöglich, nicht zornig oder lüstern zu 
> werden, so dass es nicht einmal in der Gnade 
> möglich ist, das Gesetz vollkommen zu erfüllen.
> 66\. Es ist die Gerechtigkeit des Heuchlers, 
> tatsächlich und nach außen hin nicht zu töten, 
> Böses zu tun usw.
> 67\. Es ist durch die Gnade Gottes, dass man 
> nicht lüstern oder zornig wird.
> 68\. Deshalb ist es unmöglich, das Gesetz in 
> irgendeiner Weise zu erfüllen ohne die Gnade 
> Gottes.
> 69\. In der Tat ist es richtiger zu sagen, 
> dass das Gesetz ohne die Gnade Gottes von der 
> Natur zerstört wird.
> 70\. Ein gutes Gesetz wird notwendigerweise 
> schlecht für den natürlichen Willen sein.
> 71\. Gesetz und Wille sind zwei unversöhnliche 
> Feinde ohne die Gnade Gottes.
> 72\. Was das Gesetz will, will der Wille 
> niemals, es sei denn, er gibt vor, es aus 
> Furcht oder Liebe zu wollen.
> 73\. Das Gesetz, als Zuchtmeister des Willens, 
> wird nicht überwunden, außer durch das „Kind, 
> das uns geboren ist“ (Jesaja 9,6).
> 74\. Das Gesetz macht die Sünde reichlich, 
> weil es den Willen reizt und abstößt 
> \[Römer 7,13\].
> 75\. Die Gnade Gottes aber macht die 
> Gerechtigkeit reich durch Jesus Christus, 
> weil sie den Menschen dazu bringt, sich am 
> Gesetz zu freuen.
> 76\. Jedes Tun des Gesetzes ohne die Gnade 
> Gottes erscheint äußerlich gut, aber 
> innerlich ist es Sünde. Dies im Gegensatz zu 
> den Scholastikern.
> 77\. Ohne die Gnade Gottes ist der Wille 
> immer dem Gesetz des Herrn abgeneigt und die 
> Hände sind ihm zugeneigt.
> 78\. Der Wille, der dem Gesetz ohne die Gnade 
> Gottes zugeneigt ist, ist um seines eigenen 
> Vorteils willen so geneigt.
> 79\. Verurteilt sind alle, die die Werke des 
> Gesetzes tun.
> 80\. Gesegnet sind alle, die die Werke der 
> Gnade Gottes tun.
> 81\. Das Kapitel Falsas über die Buße, 
> Dist. 5, 10 bestätigt die Tatsache, 
> dass Werke außerhalb des Bereichs der Gnade 
> nicht gut sind, wenn dies nicht falsch 
> verstanden wird.
> 82\. Nicht nur sind die religiösen Zeremonien 
> nicht das gute Gesetz und die Gebote, in 
> denen man nicht lebt (im Gegensatz zu vielen 
> Lehrern).
> 83\. Aber auch der Dekalog selbst und alles, 
> was innerlich und äußerlich gelehrt und 
> vorgeschrieben werden kann, ist kein gutes 
> Gesetz.
> 84\. Das gute Gesetz und das, in dem man 
> lebt, ist die Liebe Gottes, die der Heilige 
> Geist in unseren Herzen ausbreitet.
> 85\. Der Wille eines jeden würde es vorziehen, 
> wenn es möglich wäre, dass es kein Gesetz 
> gäbe und er völlig frei wäre.
> 86\. Der Wille eines jeden hasst es, dass ihm 
> das Gesetz auferlegt wird; wenn aber der 
> Wille die Auferlegung des Gesetzes wünscht, 
> so tut er es aus Liebe zu sich selbst.
> 87\. Da das Gesetz gut ist, kann der Wille, 
> der ihm feindlich gesinnt ist, nicht gut sein.
> 88\. Daraus ergibt sich, daß der natürliche 
> Wille eines jeden Menschen ungerecht und 
> schlecht ist.
> 89\. Die Gnade als Vermittlerin ist notwendig, 
> um das Gesetz mit dem Willen zu versöhnen.
> 90\. Die Gnade Gottes ist dazu da, den Willen 
> zu lenken, damit er nicht einmal in der Liebe 
> zu Gott irrt. Im Gegensatz zu Gabriel.
> 91\. Sie wird nicht gegeben, damit die guten 
> Taten häufiger und leichter zustande kommen, 
> sondern weil ohne sie keine Liebestat 
> vollbracht wird. Im Gegensatz zu Gabriel.
> 92\. Es kann nicht geleugnet werden, dass die 
> Liebe überflüssig ist, wenn der Mensch von 
> Natur aus fähig ist, einen Akt der 
> Freundschaft zu vollbringen. Im Gegensatz zu 
> Gabriel.
> 93\. Es liegt eine Art von subtilem Übel in 
> dem Argument, dass eine Handlung zugleich 
> die Frucht und der Gebrauch der Frucht ist. 
> In Opposition zu Ockham, dem Kardinal und 
> Gabriel.
> 94\. Dies gilt auch für die Aussage, dass die 
> Liebe zu Gott neben einer intensiven Liebe zum 
> Geschöpf bestehen kann.
> 95\. Gott zu lieben heißt zugleich, sich 
> selbst zu hassen und nichts als Gott zu kennen.
> 96\. Wir müssen unseren Willen in jeder 
> Hinsicht mit dem Willen Gottes in Einklang 
> bringen (im Gegensatz zum Kardinal).
> 97\. So dass wir nicht nur wollen, was Gott 
> will, sondern auch wollen sollen, was Gott 
> will.
> In diesen Aussagen wollten wir sagen und 
> glauben, nichts gesagt zu haben, was nicht in 
> Übereinstimmung mit der katholischen Kirche 
> und den Lehrern der Kirche ist. 
> \[Jahr\] 1517

#### Editorial Review

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## Literaturverzeichnis

- [Bainton, R. H. *Here I Stand: A Life of Martin Luther.* Abingdon Press, 2013.](https://www.worldhistory.org/books/1426754434/)
- [Lull, T. F & Russell, W.R. *Martin Luther's Basic Theological Writings.* Fortress Press, 2012.](https://www.worldhistory.org/books/0800698835/)
- [Roper, L. *Martin Luther: Renegade and Prophet.* Random House Trade Paperbacks, 2018.](https://www.worldhistory.org/books/0812986059/)
- [Rublack, U. *The Oxford Handbook of the Protestant Reformations .* Oxford University Press, 2019.](https://www.worldhistory.org/books/0198845960/)

## Über den Autor

Joshua J. Mark ist Mitbegründer der WHE und ehemaliger Professor am Marist College in New York, wo er Geschichte, Philosophie, Literatur und Schreiben unterrichtet hat. Er ist weitgereist und hat in Griechenland und Deutschland gelebt.
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## Dieses Werk zitieren

### APA
Mark, J. J. (2024, September 22). Luthers 97 Thesen. (D. Jakusewitsch, Übersetzer). *World History Encyclopedia*. <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1897/luthers-97-thesen/>
### Chicago
Mark, Joshua J.. "Luthers 97 Thesen." Übersetzt von Dominica Jakusewitsch. *World History Encyclopedia*, September 22, 2024. <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1897/luthers-97-thesen/>.
### MLA
Mark, Joshua J.. "Luthers 97 Thesen." Übersetzt von Dominica Jakusewitsch. *World History Encyclopedia*, 22 Sep 2024, <https://www.worldhistory.org/trans/de/2-1897/luthers-97-thesen/>.

## Lizenz &amp; Urheberrecht

Eingereicht von [Dominica Jakusewitsch](https://www.worldhistory.org/user/dominicajakusew/ "User Page: Dominica Jakusewitsch"), veröffentlicht am 22 September 2024. Bitte entnehmen Sie die Informationen zum Urheberrecht den Originalquellen. Bitte beachten Sie, dass für Inhalte, auf die von dieser Seite aus verlinkt wird, möglicherweise andere Lizenzbedingungen gelten.

