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title: Odysseus
author: Mark Cartwright
translator: Markus Neumann
source: https://www.worldhistory.org/trans/de/1-786/odysseus/
format: machine-readable-alternate
license: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)
updated: 2026-08-01
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# Odysseus

_Verfasst von [Mark Cartwright](https://www.worldhistory.org/user/markzcartwright/)_
_Übersetzt von [Markus Neumann](https://www.worldhistory.org/user/fl4tlinr)_

Odysseus (römischer Name: Ulysses) war einer der großen panhellenischen Heroen der griechischen [Mythologie](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-427/mythologie/). Er war berühmt für seinen Mut, seine Klugheit und seine Führungsqualitäten. Odysseus’ Einfallsreichtum und seine rhetorischen Fähigkeiten trugen maßgeblich zum Sieg der Griechen im Trojanischen Krieg bei. Nach diesem Konflikt war Odysseus der Protagonist zahlreicher fantastischer Abenteuer auf seiner [Odyssee](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-14584/odyssee/), der langen Heimreise nach Ithaka.

In der griechischen Mythologie war Odysseus der Sohn von Laertes und Antikleia sowie König von Ithaka und Anführer der Kephallenier. Er war mit Penelope verheiratet und hatte einen Sohn namens Telemachos (auch Telemachus). Der Heros hatte zudem das Glück, regelmäßig die besondere Hilfe und den Schutz der Göttin Athene zu erhalten. [Hesiod](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-785/hesiod/) beschreibt Odysseus als „geduldig“, und [Homer](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-225/homer/) bezeichnet ihn meist als „gottgleich“, ferner als „Zeus gleich an geistiger Scharfsinnigkeit“ und als wahrhaft großen Redner, dessen überzeugende Worte „wie Schneeflocken im Winter herabrieselten“. Der Heros war jedoch nicht nur ein Denker, sondern auch ein Krieger, und auf seinen Mut und seine Kampfkunst wird in dem homerischen Beinamen „Städteplünderer“ Bezug genommen. Homer erklärt zudem, dass der Name Odysseus „Opfer der Feindschaft“ bedeutet, zweifellos in Anspielung auf die Feindseligkeit, die Poseidon dem Helden entgegenbrachte.

### Odysseus bereitet sich auf den Trojanischen Krieg vor

Die erste reichhaltige Informationsquelle über Odysseus war Homers Schilderung des Trojanischen Krieges in der [Ilias](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-226/ilias/), in der unser Heros eine Hauptrolle spielt. Odysseus war an mehreren wichtigen Episoden beteiligt, und seine Klugheit, seine weisen Ratschläge und sein Scharfsinn erwiesen sich als entscheidend für den letztendlichen Erfolg der Griechen in diesem Krieg.

Allerdings hätte Odysseus den Konflikt beinahe gänzlich vermieden, denn als er von Palamedes (einem Gesandten des Menelaos) herbeigerufen wurde, wollte der König von Ithaka seine Frau und seine Familie nur ungern verlassen und gab daher vor, wahnsinnig zu sein. Dies tat er auf überzeugende Weise, indem er mit einem Ochsen und einem Esel, die zusammen vor einem Pflug standen, ein Feld pflügte und Salz in die Furchen streute. Palamedes ließ sich jedoch nicht täuschen, und indem er den jungen Telemachos in den Weg des Pflugs stellte, war Odysseus gezwungen, auszuweichen und damit zu beweisen, dass er doch nicht so verrückt war.

Es war Odysseus, der den widerstrebenden [Achilleus](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-10354/achilleus/) davon überzeugte, sich der griechischen Expedition nach Troja anzuschließen. Von seiner Mutter Thetis versteckt (die wusste, welches Schicksal ihn erwarten würde, sollte er am Krieg teilnehmen), wurde Achilleus von der königlichen Familie des Lykomedes auf der Insel Skyros aufgezogen. Nestor, der weise König von Pylos, prophezeite jedoch, dass die Griechen nur mit der Hilfe des großen Kriegers Achilleus hoffen könnten, die mächtige, von Mauern umgebene Stadt Troja zu erobern.

Dementsprechend wurde der listige Odysseus entsandt, um den größten Kämpfer Griechenlands davon zu überzeugen, seine Frau und seinen Sohn zu verlassen und an der Seite der von König Agamemnon angeführten Streitkräfte zu kämpfen. Als reicher Händler verkleidet, verleitete der König von Ithaka Achilleus dazu, seine Verkleidung als eine der Töchter von Skyros abzulegen und seine wahre Identität preiszugeben, indem er ihm eine Auswahl edler Waffen präsentierte, für die der große Krieger sein Interesse nicht verbergen konnte. Mit Achilleus kam auch seine gefürchtete Privatarmee, die Myrmidonen aus Thessalien.

Odysseus wurde erneut als Gesandter ausgewählt, um Agamemnons Tochter Iphigenie davon zu überzeugen, sich den griechischen Truppen in Aulis anzuschließen. Bei der Jagd hatte Agamemnon versehentlich ein Artemis geweihtes Reh getötet, und laut dem Seher Kalchas würde nur das Opfer der Königstochter die Göttin besänftigen und den Griechen eine sichere Reise nach Troja ermöglichen. Odysseus reiste daraufhin nach Mykene und versprach Iphigenies Mutter Klytaimestra, dass das Mädchen Achilleus heiraten dürfe. Erfreut über die Aussicht auf einen so angesehenen Schwiegersohn stimmte die Königin bereitwillig zu. Als sie jedoch in Aulis ankamen, waren die Vorbereitungen für das Opfer bereits getroffen, und das arme Mädchen wurde sogleich auf einen Altar gelegt. Glücklicherweise jedoch, gerade als Agamemnon sein Schwert fallen ließ, hatte Artemis Mitleid mit dem Mädchen, ersetzte sie durch ein Reh und entführte Iphigenie, damit sie in Tauris in einem der Heiligtümer der Göttin Priesterin werden konnte.

Die Griechen erhielten daraufhin günstigen Wind und landeten in Troja. Abgesehen von einem kleinen Zwischenfall, bei dem Odysseus und Diomedes den jungen Dolon in einem Wald überfielen, hatte Odysseus bis zur Endphase des Krieges wenig zu tun. Nach dem Tod des Achilleus kam es zu einem Streit darüber, wer die prächtige Rüstung des Helden erben sollte. Sowohl Odysseus als auch der Telamonier Ajax erhoben Anspruch darauf, doch die Angelegenheit wurde schließlich durch eine Abstimmung entschieden, und unter dem Einfluss der Athene erhielt Odysseus die von Hephaistos gefertigten Waffen und die Rüstung.

[ ![Odysseus and the Sirens](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/2700.jpg?v=1782466825-1782466873) Odysseus und die Sirenen James Lloyd (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/2700/odysseus-and-the-sirens/ "Odysseus and the Sirens")### Odysseus’ Rolle beim Sieg der Griechen

Trotz des Verlusts ihres charismatischen Kriegers ging der Krieg weiter, doch nun begannen die Griechen, das Problem der Überwindung der Mauern von Troja etwas strategischer anzugehen. Der Seher Kalchas sagte den Sieg nur dann voraus, wenn die Griechen drei Dinge irgendwie sicherstellen könnten. Diese waren: die Beteiligung von Achilleus’ Sohn Neoptolemos am Krieg; die legendären Waffen des Herakles, die sich damals im Besitz von Philoktet (auch Philoktetes) befanden, mussten eingesetzt werden; und schließlich mussten die Griechen das Palladion erbeuten. Letzteres war eine heilige Holzstatue der Athene, von der man glaubte, sie sei vom Himmel gefallen und von Troas, dem Gründer Trojas, gefunden worden. Die Trojaner glaubten, dass diese Statue ihnen Schutz und Macht verlieh, sodass die Griechen durch ihren Diebstahl einen großen Vorteil im Krieg erlangen würden.

Odysseus war der Mann, der alle drei dieser schwierigen Aufgaben bewältigte. Zunächst kehrte er nach Syros zurück und überredete Neoptolemos, sich ihm anzuschließen. Dann begab er sich nach Lemnos, um Philoktet und die Waffen des Herakles abzuholen. Letzterer war allerdings mehr als nur ein wenig verärgert darüber, dass er überhaupt auf der Insel zurückgelassen worden war, doch es stellte sich heraus, dass sich alle Überzeugungsbemühungen des Odysseus gelohnt hatten, da es Philoktet gelang, Paris mit seinen tödlichen Pfeilen zu töten, kaum dass er in die Schlacht bei Troja eingetreten war.

Damit blieb noch die dritte Aufgabe zu erfüllen: das heilige Palladion aus dem Herzen der Stadt zu entwenden. Um den genauen Standort der Statue ausfindig zu machen, verkleidete sich Odysseus als Bettler und gelangte unbemerkt in die Stadt. Eine Person erkannte den Eindringling jedoch, und das war Helena, die inzwischen gewaltsam mit einem anderen Sohn des Priamos verheiratet worden war und sehnsüchtig nach Griechenland zurückkehren wollte. Sie war es, die Odysseus zum Standort des Palladions führte. Mit diesem Wissen kehrte Odysseus ins griechische Lager zurück, sicherte sich die Hilfe von Diomedes, und in der folgenden Nacht schlichen sich die beiden erneut in die Stadt und machten sich mit der Statue aus dem Staub.

Trotz des Diebstahls des Palladions tobte der Krieg weiter, und es wurde klar, dass eine ehrgeizigere Strategie erforderlich war, wenn die Griechen den Konflikt jemals gewinnen wollten. Durch göttliche Eingebung von Athene kam Odysseus auf die geniale Idee des hölzernen Pferdes. Er ließ von Zimmerleuten ein riesiges Pferd bauen, in dem sich eine Reihe griechischer Soldaten verstecken konnte. Die Kunst bestand darin, die Trojaner davon zu überzeugen, das Pferd in die Stadtmauern hereinzuholen. Odysseus ließ zunächst alle Griechen ihr Lager verlassen und außer Sichtweite segeln, wo sie vor der Insel Tenedos vor Anker gingen. So stand nur noch das Pferd allein auf der Ebene, und ein einziger Mann war zurückgelassen worden: Sinon. Er gab vor, von den Griechen als Feind und potenzielles Opfer verfolgt worden zu sein. Nachdem er ihr Vertrauen gewonnen hatte, erzählte er den leichtgläubigen Trojanern eine Lügengeschichte darüber, dass Athene über den Diebstahl ihrer Statue empört sei, die Griechen dafür bestrafen würde und ihnen mitteilte, der einzige Weg, wieder in ihre Gunst zu gelangen, bestehe darin, ihr zu Ehren ein riesiges Holzpferd zu bauen und nach Hause zurückzusegeln. Die Trojaner fielen voll und ganz auf diese Geschichte herein und schleppten das Pferd pflichtgemäß in die Stadt, wo sie es vor dem Tempel der Athene aufstellten. Mit Ausnahme von Laokoon und Aeneas begannen die Trojaner daraufhin, die Nacht durchzufeiern, um den endgültigen Sieg im Krieg zu feiern.

[ ![Trojan Horse](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/1365.jpg?v=1777896785) Das Trojanische Pferd Mark Cartwright (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/1365/trojan-horse/ "Trojan Horse")Als das Fest schließlich zu Ende war und die Trojaner in betrunkenem Rausch schliefen, gab Sinon den wartenden griechischen Schiffen ein Signal, woraufhin diese umgehend an die Küste von Troja zurückkehrten. Odysseus und seine griechischen Mitstreiter stiegen daraufhin aus dem Pferd hervor, öffneten die Stadttore, und die griechische Armee schlug die Trojaner in die Flucht, schändete Tempel und metzelte gnadenlos alle und jeden nieder.

### Die Odyssee

Eine bedauerliche Folge des ungalanten Verhaltens der Griechen in Troja war, dass die Götter sie bestraften, indem sie dafür sorgten, dass viele ihrer Schiffe auf der Rückreise ins Unglück gerieten. Einer der wenigen Überlebenden war Odysseus, allerdings erst nach einer unglaublich langwierigen Reise voller Umwege und Missgeschicke, die in Homers *Odyssee* geschildert werden.

[ ![Karte der zehnjährigen Heimreise des Odysseus](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/15906-de.png?v=1781605876-1781605887) Karte von Odysseus’ zehnjähriger Heimreise Simeon Netchev (CC BY-NC-ND) ](https://www.worldhistory.org/trans/de/3-15906/karte-der-zehnjahrigen-heimreise-des-odysseus/ "Karte der zehnjährigen Heimreise des Odysseus")Auf seiner zehn Jahre dauernden Odyssee nach Hause machte der Heros in vielen Häfen Halt, von denen ihm nur wenige freundlich gesinnt waren. Die erste Station war die Insel der Kikonen, wo der Gott Apollon dem Helden unter anderem zwölf Krüge Wein schenkte. Dann wurden Odysseus und seine Flotte von einem Sturm erfasst und an die Küste der Lotophagen gespült. Der Verzehr des Lotos ließ einen die Heimat vergessen, weshalb der Heros ihr Angebot der Gastfreundschaft ablehnte und seine Reise zügig fortsetzte.

Die nächste Station war die Insel der Zyklopen, der einäugigen Riesen, die friedlich dort lebten und ihre Schafe hüteten. Doch wie es der Zufall so wollte, stieß Odysseus auf den menschenfressenden Zyklopen Polyphem, den Sohn des Poseidon, dem Gott des Meeres. Der Riese fand Gefallen an den reisenden Griechen und sperrte sie in seiner Höhle ein, wobei er zwei von ihnen kurzerhand als Vorspeise verzehrte. Als Odysseus die Schwere der Lage erkannte, schmiedete er sofort einen listigen Fluchtplan. Er lockte Polyphem mit Wein, bis der Zyklop betrunken war, und befahl seinen Männern, Polyphems Stab aus Olivenholz zu einem spitzen Pfahl zu bearbeiten, den sie anschließend im Feuer härteten und benutzten, um den Zyklopen im Schlaf zu blenden. Da er nichts mehr sehen konnte und verständlicherweise wütend über diese Behandlung war, versuchte Polyphem, die reisenden Griechen zu fangen, indem er seine Schafe abtastete, als diese die Höhle zum Weiden verließen. Odysseus wies seine Männer daraufhin an, sich an die Bäuche der Schafe zu binden, während er einen Widder für diesen Zweck auswählte, und so gelang ihnen die Flucht, um ihre Reise fortzusetzen. Der Zyklop verfluchte Odysseus jedoch und prophezeite ihm den Verlust seiner Männer, eine beschwerliche Heimreise und ein Unglück, wenn er endlich dort ankäme. Polyphem rief die Hilfe seines Vaters Poseidon an und sorgte dafür, dass Odysseus erst nach vielen Stürmen und zehn langen Jahren Ithaka erreichen würde.

Es folgten weitere Abenteuer. Dazu gehörte ein Zwischenstopp in Aiolia (oder Aeolia), wo der Gott der Winde, Aiolos (oder Aeolus), Odysseus eine Flasche überreichte, die alle Winde enthielt; mit Ausnahme desjenigen, der ihn nach Hause bringen würde. Doch leider ließen sich einige Mitglieder von Odysseus’ Besatzung von ihrer Neugierde überwältigen und öffneten die Flasche, als Ithaka bereits in Sichtweite war. Infolgedessen entwichen die widrigen Winde, und Odysseus’ sturmgepeitschte Schiffe wurden den ganzen Weg zurück nach Aiolia getrieben.

[ ![Odysseus Escaping Polyphemos](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/9788.jpg?v=1746754330) Odysseus entflieht Polyphem Mark Cartwright (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/9788/odysseus-escaping-polyphemos/ "Odysseus Escaping Polyphemos")Als sie ihre Reise wieder aufnahmen, kam es in Laistrygonien zu weiteren unglücklichen Zwischenstopps, wo die riesigen Einheimischen unter der Führung von Antiphates viele Mitglieder der Reisegruppe angriffen und töteten, indem sie sie mit riesigen Felsen bewarfen.

### Odysseus und [Circe](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-15021/circe/)

Die wenigen Überlebenden gelangten daraufhin mit einem einzigen Schiff nach Aiaia (oder Aeaea), einer Insel der Zauberin Circe (oder Kirke), wo weitere Schwierigkeiten auf die bedrängten Reisenden warteten. Die Göttin verwandelte eine Gruppe der Reisenden in Schweine, und Odysseus konnte die Situation erst mit einem Geschenk von Hermes lösen. Der Boten-Gott gab dem Helden Moly, eine Pflanze, die ihn gegen Circes Zauber immun machte. Die beiden verstanden sich jedoch recht gut und wurden ein Liebespaar, was dazu führte, dass Odysseus seinen Aufenthalt um ein ganzes Jahr verlängerte. Als Odysseus schließlich beschloss, seine Heimreise fortzusetzen, riet ihm Circe, die Unterwelt aufzusuchen und den Rat des thebanischen Sehers Teiresias einzuholen, der ihm Wegbeschreibungen geben würde.

Auf seiner Reise dorthin begegnete der Heros seiner Mutter Antikleia, die vor Kummer über die anhaltende Abwesenheit ihres Sohnes gestorben war. Er traf auch viele gefallene Helden wie Herakles, Achilleus und Agamemnon. Bei der Rückkehr in die Welt der Lebenden gab Circe Odysseus einen letzten Rat: Er sollte sich vor den Sirenen hüten, Vogelwesen mit Frauenköpfen, die Vorbeikommende mit ihrem wunderschönen und bezaubernden Gesang in ihre Fänge lockten. Als das Schiff des Helden die Insel der Sirenen passierte, wies er seine Mannschaft daher an, sich die Ohren mit Wachs zu verstopfen, während er selbst am Schiffsmast festgebunden wurde, damit er den göttlichen Gesang zwar hören, aber nicht von ihm gefangen genommen werden konnte.

Nachdem sie die Sirenen erfolgreich hinter sich gelassen hatten, mussten der Heros und seine wenigen verbliebenen Besatzungsmitglieder die furchtbare See zwischen zwei Felsen durchqueren, auf denen die Ungeheuer Skylla (die zwölf Fuß groß war, sechs Köpfe hatte und Seeleute zum Vergnügen verschlang) und Charybdis (die dreimal das Meer verschlang und dreimal wieder ausspuckte, um furchterregende Strudel zu erzeugen) lebten. Sechs weitere Besatzungsmitglieder kamen hier ums Leben, doch das Schiff überlebte und setzte seine Heimreise fort.

[ ![The Many Lives of Odysseus](https://www.worldhistory.org/img/r/p/750x750/21979.png?v=1785335982-1785340169) Die vielen Leben des Odysseus Simeon Netchev (CC BY-NC-ND) ](https://www.worldhistory.org/image/21979/the-many-lives-of-odysseus/ "The Many Lives of Odysseus")### Odysseus und Kalypso

Ein kurzer Zwischenstopp in Thrinakia verlängerte sich aufgrund schlechten Wetters zu einem einmonatigen Aufenthalt, und den Griechen gingen die Vorräte aus. Trotz des früheren Ratschlags von Teiresias, die Herden des Helios nicht anzurühren, schlachteten einige der hungernden Besatzungsmitglieder unter der Führung von Eurylochos mehrere Tiere, um sich zu ernähren. Empört ließ Helios das Schiff kentern, als es Thrinakia verließ, und der einzige Überlebende der Katastrophe war Odysseus, der nach neun Tagen auf dem Meer an die Küste von Ogygia angespült wurde.

Hier verbrachte der Held fünf Jahre, gefangen von der Nymphe Kalypso, genoss aber auch ihren Charme und zeugte mit ihr einen Sohn, Nausithoos. Doch es spricht für unseren Helden, dass Odysseus trotz des Angebots von Unsterblichkeit und ewiger Jugend beschloss, noch einmal zu versuchen, in seine Heimat zurückzukehren. Kalypso, dazu bewegt durch göttliches Eingreifen, half dem Helden, ein Floß zu bauen, auf dem er sich erneut auf den Weg nach Ithaka machte. Poseidon griff jedoch erneut boshaft ein und ließ einen furchtbaren Sturm entbrennen, der das Floß in Stücke zerschmetterte. Odysseus wurde daraufhin zerschlagen und nackt auf die Insel Scheria, die Heimat der Phaiaken, gespült, wo er direkt in die fürsorgliche Obhut von Nausikaa, der Tochter von König Alkinoos, gelangte. Nachdem er wieder zu voller Gesundheit und Kraft gelangt war, erhielt der Heros eines der magischen Schiffe der Phaiaken, das keinen Steuermann benötigte. Mit diesem Schiff gelangte Odysseus schließlich zurück nach Ithaka. Doch genau wie Polyphem es versprochen hatte, war im Palast des Königs nicht alles in Ordnung.

[ ![Head of Penelope](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/2683.jpg?v=1782466600-1782466839) Kopf der Penelope Carole Raddato (CC BY-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/2683/head-of-penelope/ "Head of Penelope")### Odysseus kehrt nach Ithaka zurück

Nach zehn Jahren der Abwesenheit war Odysseus fast in Vergessenheit geraten; nur seine Frau Penelope blieb dem lange vermissten König treu. Athene brachte den Heros auf den neuesten Stand über alles, was sich während seiner Abwesenheit ereignet hatte. Da man ihn längst für tot hielt, hatten viele Freier um Penelopes Hand angehalten, und die angehenden Könige (alle 108) hatten sich im Palast selbst niedergelassen. Penelope zögerte jedoch ständig eine Entscheidung über eine Wiederverheiratung hinaus und hoffte gegen alle Hoffnung, dass ihr Mann irgendwo noch am Leben sei.

Um die Situation zu einer Krise zu spitzen, planten die Freier daher, ihren Sohn Telemachos bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu töten. Auf Anraten von Athene und unter Einsatz seines berühmten schlauen Verstandes verkleidete sich Odysseus als Bettler und suchte den Palast persönlich auf, um die Lage einzuschätzen. Nur Odysseus’ alte Magd Eurykleia erkannte den Helden (an einer markanten Narbe an seinem Bein), und auch sein treuer alter Hund Argos erkannte seinen alten Herrn, starb jedoch auf tragische Weise, sobald die beiden wieder vereint waren. Nachdem er sich seinem Sohn Telemachos (der gerade aus Pylos zurückgekehrt war) zu erkennen gegeben hatte, schmiedete Odysseus einen Plan, um den Palast von all den Schmarotzern zu befreien und seine rechtmäßige Herrschaft zurückzugewinnen. Der Heros, der noch immer als Bettler verkleidet war, wurde von den Freiern im Palast schlecht behandelt und war Zielscheibe vieler grausamer Späße, doch die Rache sollte nicht lange auf sich warten lassen.

Penelope stellte die Freier vor eine Herausforderung: Wenn es einem von ihnen gelänge, den riesigen Bogen des alten Königs zu spannen und dann einen Pfeil durch zwölf Axtköpfe zu schießen, würde sie ihn heiraten. Natürlich verfügte keiner der unglücklichen Freier über die nötige Kraft, um den Bogen zu spannen, geschweige denn, damit zu schießen. Da trat der Bettler vor und spannte – unter dem Chor skeptischer Spottrufe – unglaublicherweise mühelos den Bogen und schoss einen Pfeil kerzengerade durch die Axtköpfe. Odysseus warf seine Verkleidung ab, enthüllte seine wahre Identität und versetzte die Freier in Panik. Für die Eindringlinge gab es jedoch kein Entkommen, denn Telemachos hatte, wie geplant, alle Türen verschlossen und die an den Wänden hängenden Waffen entfernt. Odysseus schaltete die Freier daraufhin mit seinem furchterregenden Bogen einen nach dem anderen aus und eroberte so sein längst verlassenes Königreich zurück.

Das Königspaar, das nach zehn langen Jahren der Trennung wieder vereint war, lebte fortan glücklich bis ans Ende seiner Tage, oder doch nicht ganz. Denn in einer finalen tragischen Wendung wurde der gealterte Odysseus von Telegonos, seinem Sohn mit Circe, getötet, als dieser auf Ithaka landete und im Kampf unwissentlich seinen eigenen Vater erschlug.

### Wie wird Odysseus in der Kunst dargestellt?

Odysseus ist ein beliebtes Motiv in der antiken griechischen Kunst und taucht auf Vasen, Münzen, Skulpturen, Dreifüßen und Schildbändern aus ganz Griechenland auf; oft ist er an seinem Pilos, einem kegelförmigen Filzhut, zu erkennen. Zu den Darstellungen von Odysseus auf rot- und schwarzfiguriger Keramik aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. gehören die Mission bei Achilleus, der Streit mit Ajax um die Rüstung des Achilleus, der Diebstahl des Palladions, die Blendung des Zyklopen, das Stranden an den Ufern von Scheria und die Rache an Penelopes Freiern.

Das Motiv des hölzernen Pferdes ist in der griechischen Kunst überraschend selten, wird jedoch berühmt auf einem Tonrelief-Pithos aus Mykonos um 670 v. Chr. dargestellt. Eine bekannte Darstellung von Odysseus und den Sirenen findet sich auf einem attischen rotfigurigen Stamnos aus Vulci um 450 v. Chr.

#### Editorial Review

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## Literaturverzeichnis

- Carabatea, M. *Greek Mythology.* Pergamos, Peania, 2007
- [Carpenter, T.H. *Art and Myth in Ancient Greece.* Thames & Hudson, 1991.](https://www.worldhistory.org/books/0500202362/)
- [Hesiod. *Hesiod.* Loeb Classical Library, 2007.](https://www.worldhistory.org/books/0674996224/)
- [Homer. *The Iliad.* Penguin Classics, 1998.](https://www.worldhistory.org/books/0140275363/)
- Homer. *The Odyssey.* Penguin, London, 1948
- Hope Moncrieff, A.R. *Classical Mythology.* Senate, London, 1994
- [National Geographic. *National Geographic Essential Visual History of World Mythology.* National Geographic, 2008.](https://www.worldhistory.org/books/142620373X/)

## Autor

Mark ist Verlagsleiter bei WHE und hat einen Master of Arts in Politischer Philosophie von der University of York. Er arbeitet als Forscher, Autor, Historiker und Redakteur. Besonders interessieren ihn Kunst, Architektur und die Frage, welche Ideen allen Zivilisationen gemeinsam sind.

## Zeitleiste

- **c. 800 BCE - c. 700 BCE**: [Homer](https://www.worldhistory.org/homer/) of [Greece](https://www.worldhistory.org/greece/) writes his *[Iliad](https://www.worldhistory.org/iliad/)* and *[Odyssey](https://www.worldhistory.org/Odyssey/)*.

## Fragen und Antworten

### Wofür is Odysseus am bekanntesten?
Odysseus ist bekannt für seine zehnjährige Heimreise aus Troja, bekannt als die Odyssee, auf der er einer Vielzahl mythologischer Wesen begegnet und viele Abenteuer übersteht. Auch im Trojanischen Krieg spielte er eine entscheidende Rolle; seine strategische Genialität gipfelte in der List mit dem Trojanischen Pferd und dem endgültigen Sieg der Griechen.

### Wie wurde Odysseus getötet?
Odysseus wurde von seinem Sohn Telegonos getötet, den er (ohne es zu wissen) mit der Zauberin Circe gezeugt hatte. Als Telegonos an den Küsten von Ithaka landete, in der Hoffnung, seinen Vater zum ersten Mal zu treffen, wurde er von Odysseus angegriffen. In dem darauf folgenden Kampf starb Odysseus an einer Wunde, die ihm Telegonos mit seinem vergifteten Speer zugefügt hatte.

### Wie lange dauerte die Odyssee?
Odysseus war zehn Jahre lang auf seiner langen, abenteuerlichen Heimreise von Troja nach Ithaka unterwegs, die als Odyssee bekannt ist.


## Externe Links

- [A map of Odysseus's journey](http://blog.oup.com/2014/06/map-odysseus-journey/)
- [The science behind the myth: Homer's "Odyssey" - Matt Kaplan](http://ed.ted.com/lessons/the-science-behind-the-myth-homer-s-odyssey-matt-kaplan)
- [Everything you need to know to read Homer's "Odyssey" - Jill Dash](https://ed.ted.com/lessons/everything-you-need-to-know-to-read-homer-s-odyssey-jill-dash)
- [In Our Time, The Odyssey](https://www.bbc.co.uk/programmes/p004y297)

## Dieses Werk zitieren

### APA
Cartwright, M. (2026, August 01). Odysseus. (M. Neumann, Übersetzer). *World History Encyclopedia*. <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-786/odysseus/>
### Chicago
Cartwright, Mark. "Odysseus." Übersetzt von Markus Neumann. *World History Encyclopedia*, August 01, 2026. <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-786/odysseus/>.
### MLA
Cartwright, Mark. "Odysseus." Übersetzt von Markus Neumann. *World History Encyclopedia*, 01 Aug 2026, <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-786/odysseus/>.

## Lizenz und Copyright

Eingereicht von [Markus Neumann](https://www.worldhistory.org/user/fl4tlinr/ "User Page: Markus Neumann"), veröffentlicht am 01 August 2026. Bitte prüfen Sie die Originalquelle(n) auf Urheberrechtsinformationen. Bitte beachten Sie, dass von dieser Seite verlinkte Inhalte andere Lizenzbedingungen haben können.

