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title: Astrolabium
author: Mark Cartwright
translator: Marina Wrackmeyer
source: https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22199/astrolabium/
format: machine-readable-alternate
license: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/)
updated: 2026-06-09
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# Astrolabium

_Verfasst von [Mark Cartwright](https://www.worldhistory.org/user/markzcartwright/)_
_Übersetzt von [Marina Wrackmeyer](https://www.worldhistory.org/user/m.wrackmeyer)_

Das Astrolabium ist ein astronomisches Instrument, das etwa ab dem 6. Jahrhundert verwendet wurde, um Zeit und Position anhand von Messung der Höhe von Himmelskörpern wie der Sonne und bestimmten Sternen zu bestimmen. Die Messungen erfolgten in Bezug auf den Horizont des Betrachters und den Meridian unter Verwendung einer Darstellung oder Karte des Himmels mit einer auf dem Instrument selbst eingravierten Messskala.

### Die antiken Ursprünge des Astrolabiums

Die Ursprünge des Astrolabiums sind unklar. Das Instrument entwickelte sich wahrscheinlich aus kleinen tragbaren Sonnenuhren im antiken Mittelmeerraum, die manchmal mehrere austauschbare Platten hatten, damit man an verschiedenen Orten genau messen konnte. Die älteste Sonnenuhr dieser Art ist aus dem römischen Herculaneum erhalten, der Stadt, die 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuv zerstört wurde. Der Historiker R. Hannah merkt an: „Diese Sonnenuhren sind Vorläufer des Astrolabiums, des tragbaren Zeitmessers par excellence des Mittelalters. Obwohl kein antikes Astrolabium erhalten geblieben ist, war das Instrument höchstwahrscheinlich eine spätgriechische Erfindung. Es nutzte die stereografische Projektion, um die Himmelskugel zweidimensional darzustellen“ (Oleson, 751).

Der bedeutende antike Astronom Ptolemäus (ca. 100 bis ca. 170 n. Chr.) beschreibt in seinem Werk *Planisphaerium* aus dem 2. Jahrhundert die stereografische Projektion und ein dreidimensionales Astrolabium aus Ringen, ähnlich der Armillarsphäre*.* Das Gerät könnte bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. von Hipparchos von Nicäa (ca. 190 bis ca. 120 v. Chr.) erfunden worden sein. Das *Oxford Classical Dictionary* merkt an: „Es ist wahrscheinlich, dass Hipparchos das ebene Astrolabium entwickelte, dessen Zweck darin bestand, während der Nacht anhand der Position der Sterne die Zeit zu bestimmen“ (188).

Sicherlich übernahmen die Griechen für ihr Gerät die babylonische Idee, einen Kreis in 360 Grad zu unterteilen. Zu den weiteren antiken Schriftstellern, die das Astrolabium detailliert beschreiben, gehört Johannes Philoponos (ca. 490 bis ca. 570), der im 6. Jahrhundert schrieb, sich dabei jedoch auf die zwei Jahrhunderte zuvor verfassten Werke von Theon von Alexandria stützte. Das Fehlen eines physischen Exemplars eines Astrolabiums aus der antiken griechischen Welt hat zu Spekulationen geführt, dass das Instrument anderswo erfunden worden sein könnte. Sicherer ist jedoch, dass unser Wissen über die antike Astronomie und Instrumente wie das Astrolabium nur darauf beruht, dass griechische Texte von Schriftstellern wie Philoponos und Theon in arabischen Übersetzungen erhalten blieben, bevor sie im Mittelalter nach Europa zurückkehrten und dann ins Lateinische übersetzt wurden.

Dass die Völker des antiken Mittelmeerraums geschickt darin waren, solch komplexe astronomische Instrumente herzustellen, wurde durch die Entdeckung des Mechanismus von Antikythera aus dem 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. in einem Schiffswrack im Jahr 1901 nahe der griechischen Insel Antikythera (Andikythira) bewiesen. Man nimmt an, dass der Mechanismus dazu fähig war, nach Ermittlung der genauen Position die Bewegungen von Himmelskörpern vorherzusagen. Im Gegensatz zum Mechanismus von Antikythera, der einzigartig ist, wurde das Astrolabium zu einem relativ weit verbreiteten Instrument.

[ ![European Astrolabe](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/17846.png?v=1759772104-1693382275) Europäisches Astrolabium Science Museum, London (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/17846/european-astrolabe/ "European Astrolabe")Wir wissen, dass Astrolabien ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. weit verbreitet waren und sich im Mittelalter in der arabischen Welt, im Byzantinischen Reich, in Indien und in Europa durchsetzten. Der Wissenstransfer nach Europa erfolgte ab etwa 1000 n. Chr. über das islamische Spanien. Das Astrolabium wurde später zu einem entscheidenden Instrument für astronomische Studien während der Renaissance und der wissenschaftlichen Revolution. Astrolabien wurden noch im 18. und 19. Jahrhundert verwendet.

### Zweck des Astrolabiums

Das speziell als planisphärisches Astrolabium bezeichnete Gerät diente dazu, die Positionen der Sterne, der Sonne und der Planeten am Himmel zu messen, sodass der Benutzer durch die Bestimmung eines Fixpunkts das Zifferblatt des Astrolabiums drehen und eine genaue (wenn auch zweidimensionale) Ansicht des gesamten Himmels erhalten konnte. Das Instrument kann zur Bestimmung der Höhe markanter geografischer Merkmale wie Berge verwendet werden. Es kann ebenso zur Zeitmessung genutzt werden. Astrolabien in der muslimischen Welt waren oft mit einer speziellen Karte ausgestattet, die es dem Benutzer ermöglichte, den genauen Standort Mekkas zu bestimmen.

Der Historiker M. Latham gibt die folgende, umfassendere Liste der Fähigkeiten eines Astrolabiums an:

> Die Tageszeit lässt sich ermitteln… ebenso leicht zu bestimmen sind die Zeit der Morgendämmerung und des Sonnenaufgangs für einen bestimmten Tag; die Meridianhöhe der Sonne, wenn der Sonnenstand bekannt ist; und umgekehrt der Sonnenstand, wenn die Meridianhöhe bekannt ist; der Breitengrad eines beliebigen Ortes; sowie die Himmelsrichtungen. Die Kurven der ungleichen Stunden auf der Rückseite können ebenfalls zur Ermittlung der Tageszeit verwendet werden.
> (167)

In der frühen Neuzeit nutzten Seefahrer eine Abwandlung des Astrolabiums als Navigationshilfe, indem sie Himmelskörper vermaßen, um so ihren Breitengrad zu berechnen. Dieses Instrument, bekannt als Seeastrolabium, ist eine vereinfachte und schwerere Version, um die ständige Bewegung eines Schiffes auf See auszugleichen. Diese Abwandlung des Instruments wies in der Regel große Öffnungen in der Mitte auf, damit der Wind hindurchwehen konnte, und hatte an der Basis dickeres Metall, um das Schwanken im Wind zu verringern. Zu den berühmten Seefahrern, die stets ein Seeastrolabium an Bord hatten, gehörten [Christoph Kolumbus](https://www.worldhistory.org/trans/de/1-19218/christoph-kolumbus/) (1451–1506) und Amerigo Vespucci (1451–1512).

[ ![The Ambassadors by Hans Holbein the Younger](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/13075.jpg?v=1760453349) Die Gesandten von Hans Holbein dem Jüngeren Google Cultural Institute (Public Domain) ](https://www.worldhistory.org/image/13075/the-ambassadors-by-hans-holbein-the-younger/ "The Ambassadors by Hans Holbein the Younger")Die Bezeichnung als Astrolabium passt zu der Funktion des Instruments, da das Wort „Astrolabium“ laut den Kuratoren des British Science Museum in London „Sternenfänger“ oder „das, was die Himmelskörper einfängt“ bedeutet. In einer verwirrenden Fehlbezeichnung wird „Astrolabium“ von Historikern auch verwendet, um alte babylonische Keilschrifttexte über Astronomie zu beschreiben, was jedoch nichts mit dem Instrument zu tun hat.

### Handhabung eines Astrolabiums

Astrolabien wurden in der Regel aus Metall gefertigt und waren kleiner als 50 Zentimeter, sodass sie gut tragbar waren und leicht in einer Hand gehalten werden konnten. Messing war das am häufigsten verwendete Material, doch einige erhaltene Exemplare bestehen aus Kupfer oder Eisen. Feiner gearbeitete Stücke weisen oft Gold- oder Silbereinlagen auf und fast alle sind kreisförmig.

Die berühmteste (englische) Beschreibung der Verwendung eines Astrolabiums stammt von Geoffrey Chaucer (ca. 1343–1400). Chaucer verfasste eine einfache Erklärung in einem Brief an seinen Sohn Lewis, der zu dieser Zeit zehn Jahre alt war. Das Werk ist betitelt als *Tractatus de Conclusionibus Astrolabii* und wurde um 1391 verfasst. Es basiert auf einer lateinischen Abhandlung von Māschā'allāh ibn Atharī aus dem 9. Jahrhundert mit dem Titel *Compositio et Operatio Astrolabii*. Zu den weiteren Autoren, die die Verwendung eines Astrolabiums beschrieben haben, gehören Christophorus Clavius (1612) und Adriaan Metius (1626 und 1633), doch ist es das von Johannes Stöffler 1510 veröffentlichte Werk *Elucidatio fabricae ususque astrolabii*, das meist als Referenzwerk für alle anderen angesehen wird.

Das Astrolabium wird zunächst mit Hilfe eines Rings am Daumen befestigt, und der Betrachter blickt entlang eines beweglichen Visierarms (der Alhidade) oder durch zwei aufeinandergestellte Ösen auf das gewünschte Objekt, beispielsweise einen bestimmten Stern. Bei der Messung des Sonnenwinkels betrachtet man den Sonnenstrahl, der auf das Instrument fällt, nachdem er die Ösen durchlaufen hat. Die Höhe wird dann anhand einer auf der Seite des Instruments eingravierten Messskala bestimmt. Auf der anderen Seite des Astrolabiums befindet sich eine Karte des Himmels der nördlichen Hemisphäre. Die Sterne werden durch ein Netz oder ein offenes Muster aus Zeigern (die „Rete“) dargestellt, das um einen zentralen Stift gedreht werden kann, um es an ein darunterliegendes, eingraviertes Koordinatengitter (die „Mater“) anzupassen. Die Vertiefung unterhalb der Mater wird im Englischen als *womb*, also „Gebärmutter“ der Mater bezeichnet. Komplexere Modelle ermöglichten das Einfügen zusätzlicher gravierter Koordinatenplatten (Klimata), die den Schwankungen des Breitengrades des Beobachters Rechnung trugen. Sobald man die Position eines bestimmten Sterns gemessen und die eigene Position bestimmt hat, kann die Karte genutzt werden, um weitere nützliche astronomische und navigatorische Informationen zu finden.

[ ![Disassembled Astrolabe](https://www.worldhistory.org/img/r/p/500x600/17847.png?v=1693383379-1693383480) Demontiertes Astrolabium Science Museum, London (CC BY-NC-SA) ](https://www.worldhistory.org/image/17847/disassembled-astrolabe/ "Disassembled Astrolabe")Diese komplizierten Instrumente mit ihren winzigen Gravuren und austauschbaren Teilen sind oft ebenso schön wie nützlich. Insbesondere die Rete spiegelt häufig die künstlerische Fantasie des Herstellers wider, mit kunstvoll geschwungenen Zeigern, manchmal kleinen Darstellungen wie Tieren und aufwendiger Kalligrafie für den Text. Einige Astrolabien waren mit nützlichen Extras ausgestattet, wie einem winzigen Magnetkompass oder einem kleinen Gnomon, um sie in eine Sonnenuhr zu verwandeln.

### Vermächtnis: Der Sextant und darüber hinaus

Aus dem Astrolabium entwickelten sich weitere Instrumente wie der Quadrant, der speziell zur Messung von Zeit und Datum konzipiert wurde. Das um 1608 in den Niederlanden erfundene Teleskop revolutionierte die Beobachtung des Himmels, und bald wurden feststehende Beobachtungsinstrumente mit Teleskopvisieren ausgestattet, die wesentlich genauere Messwerte lieferten. Es war jedoch die Erfindung des Oktanten und später des Sextanten durch den Engländer John Bird in den 1750er Jahren, die den allmählichen Niedergang des tragbaren Astrolabiums einläutete. Der Sextant sollte bis zur Einführung von GPS-Systemen in den 1980er Jahren dominieren.

Das Astrolabium ist in der Geschichte der wissenschaftlichen Instrumente von Bedeutung, da es dafür konzipiert war, dass auch Nicht-Mathematiker präzise Messungen vornehmen konnten. Darüber hinaus festigte das Astrolabium die Vorstellung, dass Präzision für ein besseres Verständnis unserer Welt und des uns umgebenden Universums von entscheidender Bedeutung ist. Nun konnte jeder, vom Seemann bis zum Kanonier, Instrumente bedienen, ohne eine lange mathematische Ausbildung absolvieren zu müssen. In diesem Sinne war das Astrolabium der Vorläufer des modernen Computers – ein Hilfsmittel, dessen korrekte Anwendung erlernt werden musste, das aber, sobald man es beherrschte, schnelle und einfache Antworten auf äußerst komplexe Fragen liefern konnte.

#### Editorial Review

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## Literaturverzeichnis

- Bagnall, R. (ed). *The Encyclopedia of Ancient History.* Wiley-Blackwell, 2012
- [Bynum, William F. & Browne, Janet & Porter, Roy. *Dictionary of the History of Science .* Princeton University Press, 1982.](https://www.worldhistory.org/books/0691082871/)
- [Campbell, Gordon. *The Oxford Illustrated History of the Renaissance.* Oxford University Press, 2021.](https://www.worldhistory.org/books/0198862660/)
- [Henry. *The Scientific Revolution and the Origins of Modern Science .* Red Globe Press, 2008.](https://www.worldhistory.org/books/0230574386/)
- Latham, Marcia. "The Astrolabe." *The American Mathematical Monthly*, Vol. 24, No. 4, April 1917, pp. 162-168 .
- Neugebauer, O. "The Early History of the Astrolabe." *Isis*, Vol. 40, No. 3, August 1949, pp. 240-256.
- [Oleson, Peter. *The Oxford Handbook of Engineering and Technology in the Classical World .* Oxford University Press, 2009.](https://www.worldhistory.org/books/0199734852/)
- [Pickthall, Barry. *A History of Sailing in 100 Objects.* Adlard Coles, 2016.](https://www.worldhistory.org/books/1472918851/)

## Autor

Mark ist Verlagsleiter bei WHE und hat einen Master of Arts in Politischer Philosophie von der University of York. Er arbeitet als Forscher, Autor, Historiker und Redakteur. Besonders interessieren ihn Kunst, Architektur und die Frage, welche Ideen allen Zivilisationen gemeinsam sind.

## Zeitleiste

- **100 CE - 170 CE**: [Ptolemy](https://www.worldhistory.org/disambiguation/Ptolemy/) describes the principle of the [astrolabe](https://www.worldhistory.org/Astrolabe/) - sterographic projection.
- **c. 1000 CE**: Knoweldge of the [astrolabe](https://www.worldhistory.org/Astrolabe/) filters through Muslim Spain to the rest of [Europe](https://www.worldhistory.org/europe/).
- **1391 CE**: [Geoffrey Chaucer](https://www.worldhistory.org/Geoffrey_Chaucer/) wrties an explanation of how to use an [astrolabe](https://www.worldhistory.org/Astrolabe/) in his Tractatus de Conclusionibus Astrolabii.
- **1510 CE**: Johannes Stoeffler explains the [astrolabe](https://www.worldhistory.org/Astrolabe/) in Elucidatio fabricae ususque astrolabii.

## Fragen und Antworten

### Wozu dient ein Astrolabium?
Das Astrolabium diente dazu, die eigene geografische Position durch die Messung der Höhe von Himmelskörpern zu bestimmen. 

### Wer hat das Astrolabium erfunden?
Es ist nicht bekannt, von wem oder wann das Astrolabium erfunden wurde, doch eine Persönlichkeit, die von einigen Historikern häufig als Erfinder einer Form des Astrolabiums angesehen wird, ist der Grieche Hipparchos von Nicäa, der im 2. Jahrhundert v. Chr. lebte.

### Was war das von Entdeckern verwendete Astrolabium?
Das Astrolabium war ein Instrument, das Entdecker wie Christoph Kolumbus zur Navigation nutzten, da sie damit die Höhe bestimmter Sterne messen und so ihren Breitengrad berechnen konnten.


## Externe Links

- [Medieval Astrolabe Shows Collaboration Between Different Cultures](https://mymodernmet.com/medieval-astrolabe-multicultural/)

## Dieses Werk zitieren

### APA
Cartwright, M. (2026, June 09). Astrolabium. (M. Wrackmeyer, Übersetzer). *World History Encyclopedia*. <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22199/astrolabium/>
### Chicago
Cartwright, Mark. "Astrolabium." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. *World History Encyclopedia*, June 09, 2026. <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22199/astrolabium/>.
### MLA
Cartwright, Mark. "Astrolabium." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. *World History Encyclopedia*, 09 Jun 2026, <https://www.worldhistory.org/trans/de/1-22199/astrolabium/>.

## Lizenz und Copyright

Eingereicht von [Marina Wrackmeyer](https://www.worldhistory.org/user/m.wrackmeyer/ "User Page: Marina Wrackmeyer"), veröffentlicht am 09 June 2026. Bitte prüfen Sie die Originalquelle(n) auf Urheberrechtsinformationen. Bitte beachten Sie, dass von dieser Seite verlinkte Inhalte andere Lizenzbedingungen haben können.

